LONDON (IT BOLTWISE) – Die israelische Cybersicherheitsfirma Huskeys hat 27 Millionen US-Dollar eingesammelt und kommt damit auf insgesamt 35 Millionen US-Dollar Funding. Der neue Kapitalblock wird von Blackstone angeführt. Huskeys baut eine agentische KI-Schicht für Web Application Firewalls, um Web-Umgebungen zu schützen, in denen künftig autonome KI-Agenten auf Systemen handeln. Parallel beschleunigen strategische Partnerschaften mit Sicherheitsanbietern die Integration der WAF-Umgebung in bestehende Schutzlandschaften.

Huskeys hat in den letzten Jahren eine klare Problemstellung adressiert: Web Application Firewalls (WAF) sitzen seit rund drei Jahrzehnten an einem zentralen Kontrollpunkt, nämlich dem Schutz von Traffic auf Anwendungsebene. In der Praxis filtern WAFs Requests anhand bekannter Muster, Regeln und Signaturen. Genau hier setzt die neue Runde an. Mit 27 Millionen US-Dollar frischem Kapital, angeführt von Blackstone, will Huskeys die WAF-Infrastruktur so erweitern, dass sie auch für eine dynamischere Bedrohungslage funktioniert: Statt nur menschliche Interaktionen zu erwarten, soll die Sicherheitsschicht künftig auf Verhalten reagieren, das von KI-Agenten ausgeht, die online Aufgaben ausführen, Entscheidungen treffen und dabei stärker variierten Datenverkehr erzeugen.
Die technische Logik dahinter beschreibt Huskeys als „agentic AI layer“ über dem bestehenden WAF. Anstatt die Security-Logik komplett neu aufzusetzen, baut das Unternehmen laut Beschreibung auf der vorhandenen Infrastruktur auf und ergänzt sie um eine KI-Schicht, die autonomes Online-Handeln besser interpretieren soll. Für Unternehmen ist das relevant, weil WAFs traditionell an relativ statische Annahmen gekoppelt sind: bekannte Endpunkte, bekannte Request-Strukturen und Regeln, die mit fortschreitenden Angriffsvarianten nachgeschärft werden müssen. Wenn jedoch KI-Agenten Weboberflächen gezielt nutzen, Samplings von Funktionen automatisieren und dabei unvorhersehbarere Interaktionsmuster erzeugen, verschiebt sich die Herausforderung. Dann reicht oft nicht mehr allein die klassische Mustererkennung; gefragt ist eine Sicherheitslage, die „Agentenverhalten“ eher als Zustands- und Zielkontext betrachtet, statt nur als einzelne Request-Attribute.
Marktseitig fällt die Finanzierung in eine Zeit, in der Security-Anbieter ihre Produktlinien zunehmend entlang von Integrationsfähigkeit und Ökosystem-Architekturen ausrichten. Laut Quelle werden Huskeys-Investitionen durch strategische Partnerschaften mit etablierten Sicherheitsanbietern flankiert. Ziel ist dabei nicht nur Wachstumsgeschwindigkeit, sondern auch eine engere Verzahnung zwischen unterschiedlichen Sicherheitselementen, damit Kunden die Ergebnisse aus mehreren Kontrollpunkten konsistent nutzen können. Das ist besonders wichtig, weil WAF-Setups in der Realität selten isoliert laufen: Oft greifen sie mit Identitätskomponenten, Bot-Management, Netzwerk-Security oder Cloud-Schutzmechanismen ineinander. Wenn Huskeys’ agentische KI-Schicht in diese Kette integriert wird, steigt der Nutzen vor allem dann, wenn sie die Lücke zwischen „regelbasierter Policy“ und „verhaltensbasiertem Verständnis“ verringert.
Die Runde bringt neben Blackstone weitere bekannte Finanzierungs- und Branchenakteure zusammen. Genannt werden Skinos Ventures, das Investment-Umfeld von Shlomo Kramer über Yishay Yovel, sowie Beteiligungen der Investmentfonds von Okta und Zscaler. Zusätzlich ist Merlin Ventures beteiligt. Auffällig ist auch die Breite der in der Quelle erwähnten Unternehmensbeteiligung: Es werden Führungskräfte aus der globalen Cybersecurity-Landschaft genannt, darunter u. a. Google, Microsoft, Palo Alto Networks, Cloudflare, Check Point, AWS und Intel. Solche Konstellationen sind in frühen bis wachstumsstarken Sicherheitsprojekten häufig ein Indikator dafür, dass die Lösung zumindest strategisch in die jeweilige Marktlogik passt. Dazu kommen laut Quelle private Investoren, darunter der Schauspieler und Comedian Assi Cohen sowie der Mentalist Lior Suchard, der zudem als Berater fungiert.
Unter der technischen Vision steckt auch eine konkrete Herkunft: Huskeys wurde von Itai Gafni (CEO) und Roy Weissfeld (CTO) gegründet, beide sind Alumni der israelischen Unit 8200. Gafni leitete zuvor KI-Initiativen in der Einheit, während Weissfeld als Security Researcher mit Fokus auf Web-Sicherheit tätig war. Seit dem „Stealth“-Ausstieg hat das Unternehmen laut Beschreibung Kunden hinzugewonnen und seine Präsenz in internationalen Märkten ausgebaut. Zu den genannten Kunden gehören Marken wie TikTok, Legoland, Ro, Blackstone und Hugging Face. Für die Bewertung einer WAF-Erweiterung ist das mehr als nur ein Marketingpunkt: Es impliziert, dass Huskeys Traffic auf Plattformen in relevanter Größenordnung verwalten kann und die Lösung bereits in produktionsähnlichen Anforderungen unter Beweis stellen musste.
Spannend ist dabei weniger die Höhe der Runde als die Richtung der Weiterentwicklung. In den letzten Jahren ist das Thema KI in der Sicherheit fast zwangsläufig zweigeteilt worden: Angreifer nutzen KI, um Angriffe zu automatisieren oder Content zu generieren; Verteidiger setzen KI ein, um Anomalien zu erkennen oder Prozesse zu beschleunigen. Huskeys verknüpft das nun mit dem konkreten Ort, an dem Webzugriffe kontrolliert werden: dem WAF-Layer. Wenn in naher Zukunft laut Unternehmensdarstellung ein Großteil der im Internet agierenden „Identitäten“ autonome Agenten sind, verschiebt sich die Sicherheitsarchitektur vom reaktiven Prüfen einzelner Requests hin zur Absicherung von Interaktionen mit Zielbezug. Genau an dieser Stelle liegt für viele Organisationen der potenzielle Hebel: weniger Blind Spots zwischen Regelwerk und neuem, agentengetriebenem Webverhalten.
Für Entwickler und Security-Teams stellt sich damit eine praktischere Frage: Wie lässt sich eine agentische KI-Schicht so in bestehende WAF-Workflows integrieren, dass sie nachvollziehbare Entscheidungen unterstützt und nicht nur „wahrscheinlich“ blockiert? Die Quelle spricht von Integration zwischen unterschiedlichen Sicherheitslösungen und davon, den Kundennutzen zu steigern. Das deutet auf einen Fokus auf standardisierte Schnittstellen, verständliche Policies und eine Kopplung an bestehende Observability- oder Response-Prozesse hin. Gleichzeitig bleibt offen, wie die Latenz- und Ressourcenfrage im Betrieb für größere Traffic-Spitzen konkret gelöst wird. Entscheidend wird sein, ob Huskeys die WAF-Logik so erweitert, dass Teams Bedrohungen schneller eingrenzen, Fehlalarme reduzieren und gleichzeitig die Handlungsfähigkeit gegen neue Angriffsformen erhalten.
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