KENNEDY SPACE CENTER (FL) / LONDON (IT BOLTWISE) – Das ISS National Lab hat seit August 2011 mehr als 1.000 von der Einrichtung geförderte Payloads ins All gebracht. Zum 15-jährigen Jubiläum als Manager hebt CASIS die wissenschaftliche Bilanz mit über 675 begutachteten Veröffentlichungen hervor. Die Projekte reichen von Biotechnologie und Pharmaentwicklung über Materialforschung bis zu In-Space Manufacturing und Schüler- bzw. Studierendenvorhaben. Besonders betont wird die Breite der Community und die Rolle der Raumstation als dauerhaft nutzbare Plattform in der Niedrigerdumlaufbahn.

Mehr als 1.000 Payloads: Diese Zahl steht beim ISS National Lab nicht nur als Meilenstein für Quantität, sondern als Indikator dafür, wie stabil sich Forschung in der Niedrigerdumlaufbahn über Jahre hinweg organisieren lässt. Seit August 2011 wurden demnach mehr als 1.000 vom ISS National Lab gesponserte Experimente zur Internationalen Raumstation geliefert; erreicht wurde die Marke während der NASA-Northrop-Grumman-Mission „Commercial Resupply Services 24“. Die Spanne der Vorhaben ist dabei bewusst breit, weil die Mikrogravitation als „persistentes Labor“ auf der ISS nicht nur einzelne Disziplinen bedient, sondern auch Schnittstellen zwischen Grundlagenforschung und anwendungsnaher Entwicklung.
Technisch betrachtet liefert die ISS genau den Teil der Randbedingungen, den viele Labore auf der Erde nur zeitweise erzeugen können. Mikrogravitation entsteht im Grunde dadurch, dass ein Objekt im freien Fall bzw. in orbitaler Bewegung der wahrgenommenen Schwerkraftwirkung ausweicht; dadurch ändern sich zahlreiche messbare Phänomene in den physikalischen und Lebenswissenschaften. Das ISS National Lab knüpft daran mit einem Forschungskatalog, der von Biotechnologie und pharmazeutischer Entwicklung bis zu fortgeschrittenen Materialien und physikalischen Experimenten reicht. Ebenso gehören In-Space Manufacturing, Technologieentwicklung und studentische Untersuchungen zum Spektrum, was die Plattform als wiederkehrende Infrastruktur für verschiedene Projektzyklen positioniert.
Die wissenschaftliche Wirkung soll laut den Angaben in Publikationskennzahlen sichtbar werden: Über 675 peer-reviewte Veröffentlichungen werden mit der Forschung aus dem ISS-Umfeld in Verbindung gebracht, darunter mehr als 20% in sogenannten top-tier Journalen. Damit verlagert sich die Diskussion von „ob“ Raumfahrtforschung funktioniert hin zu „wie“ Ergebnisse in den wissenschaftlichen Mainstream gelangen und anschließend in konkrete Anwendungen überführt werden. Entsprechend wird auch die begleitende Öffentlichkeitsarbeit über „Upward“, das offizielle Magazin des ISS National Lab, als Ort genannt, an dem einzelne Untersuchungen und ihre Realanwendungen vorgestellt werden.
Auch der Blick auf die beteiligten Akteure zeigt, warum das ISS National Lab als Brücke zwischen Sektoren wirkt. In der Grundlagenforschung führt die Einrichtung Partnerschaften mit US-Institutionen wie der National Science Foundation und den National Institutes of Health an; über die Jahre seien mehr als 90 Projekte über diese staatlichen Stellen finanziert worden. In der akademischen und medizinischen Forschung werden konkrete Schwerpunkte genannt: Stanford und Cedars-Sinai etwa, um Herzkrankheiten besser zu verstehen und neue Behandlungsansätze zu entwickeln; die University of California San Diego arbeitet mit Tumor-Organotypen, um das Krebswachstum zu untersuchen und neue Therapiestrategien zu testen. Weitere Beispiele umfassen die Mayo Clinic, die Mikrogravitation nutzen will, um die Produktion von Stammzellen für regenerative Medizin zu verbessern, sowie das Wake Forest Institute for Regenerative Medicine, das bioingenieurte Lebergewebe erforscht, um Grundlagen für eine spätere In-Space-Produktion menschlicher Gewebe zu schaffen.
Während die Raumstation als „Labor“ funktioniert, entscheidet im Markt oft die Frage nach Geschwindigkeit und Risikoaufteilung, insbesondere in der Life-Science-Wertschöpfung. Hier setzt das ISS National Lab laut Bericht auf mehrere pharmazeutische Großunternehmen wie Merck & Co., AstraZeneca, Bristol Myers Squibb, Eli Lilly and Company, GlaxoSmithKline und Sanofi. Diese arbeiten demnach mit dem einzigartigen Raumumfeld daran, die Medikamentenforschung voranzutreiben, therapeutische Formulierungen und Impfstoffentwicklung zu unterstützen sowie Technologien für die Arzneimittelzustellung zu testen. Neben den großen Playern werden auch Startups und „emerging companies“ hervorgehoben: In den 15 Jahren seien mehr als 100 solcher Teams durch das ISS National Lab für Raumfahrtforschung ermöglicht worden; nach Abschluss ihrer Raumflugprojekte hätten sie fast 3 Milliarden US-Dollar an Finanzierung eingesammelt. Parallel dazu nennt der Bericht den Technology in Space Prize, finanziert durch CASIS und Boeing im Rahmen des MassChallenge-Accelerator-Programms, sowie die Orbital Edge Accelerator-Initiative mit Seed-Finanzierung durch globale Investoren.
Dass der Ansatz nicht nur „Wissenschaft im All“, sondern auch Kommerzialisierung adressiert, wird außerdem über die Infrastruktur und über Konsummärkte unterlegt. Bei CASIS’ Übernahme des Managements seien anfangs zwei kommerziell betriebene Einrichtungen auf der ISS vorhanden gewesen; heute unterstützt das ISS National Lab 24 kommerzielle Einrichtungen, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Raumstation. Damit wächst die Kapazität für Experimente nicht nur im Labor-Setup, sondern auch entlang von Betreiber- und Kundeninteressen. Ebenso wird beschrieben, dass nahezu 60% der Payloads während der CASIS-Verantwortung private Akteure repräsentiert hätten: Von Procter & Gamble mit einem frühen Projekt zur Verbesserung von Haushaltsprodukten, über die Ableitung hin zu einer späteren Febreze-Formulierung bis zu weiteren Markenkooperationen wie Tide in Space sowie adidas, Cobra Puma Golf und Goodyear. Für Technologieverantwortliche und Produktteams ist das vor allem deshalb relevant, weil Raumfahrtforschung damit als zusätzlicher Daten- und Testkanal in Produktzyklen auftreten kann – statt als isoliertes, einmaliges Pilotprojekt.
In Summe macht das Jubiläum deutlich, wie stark das ISS National Lab die ISS als wiederholbar nutzbare Forschungs- und Entwicklungsplattform institutionell verankert hat. Die Kombi aus hoher Projektzahl, Publikationsleistung und Beteiligung entlang des gesamten Spektrums – von staatlich geförderter Grundlagenforschung über medizinische Anwendungen bis zur Startup-getriebenen Produktentwicklung – ist ein Muster, das sich auch für kommende Förder- und Innovationsprogramme übertragen lässt. Wenn ein Forschungskosmos wie der der Raumstation zunehmend in Richtung skalierter Partnerschaften und kommerzieller Einrichtungen organisiert wird, rücken vor allem zwei Themen in den Fokus: erstens die Planbarkeit von Experimenten inklusive Nutzungsfenstern und Schnittstellen, und zweitens die Frage, wie Ergebnisse aus dem Orbit schneller in industrielle Entwicklungsprozesse zurückfließen.
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