LONDON (IT BOLTWISE) – Chinesische Militäranalysten setzen sich kritisch mit dem US-Vorhaben „Trump-class“ auseinander und stellen vor allem Wirtschaftlichkeit und technische Reife infrage. Der PLA-Analyse zufolge könnte der Wechsel zu nuklearem Antrieb die geschätzten Gesamtkosten massiv treiben. Außerdem wird die geplante Rolle großer Einheiten gegen Trägersysteme wie U-Boote, Hyperschallraketen und Drohnenschwärme hinterfragt. Im Raum steht auch die Wirkung auf das gesamte US-Schiffbauprogramm, falls der Bau neuer Nuklearplattformen weitere Prioritäten ausbremst.

Dass die US Navy wieder mehr in den Bau von Großkampfschiffen investieren will, ist nicht nur eine Debatte über Oberflächenpräsenz, sondern vor allem eine Frage der Systemarchitektur: Welche Plattformen sollen Detektion, Führung und Wirkung bündeln, und wie robust bleibt eine Flotte, wenn Sensoren oder Kommunikationswege gestört werden? Genau an diesem Punkt setzt eine Einschätzung aus der chinesischen Verteidigungsanalyse an, die das Konzept der vorgeschlagenen „Trump-class“-Schlachtschiffe als möglichen Richtungswechsel für den US-Oberflächenkampf einordnet. Dabei erkennt die Analyse zwar Vorteile großer Einheiten an, stellt aber gleichzeitig die Annahmen in Bezug auf Kosten, Bauplan und den langfristigen Nutzen gegen eine zunehmend vernetzte Bedrohungslage infrage.
Technisch argumentiert die PLA-nahe Sichtweise zunächst mit bekannten Stärken großer Plattformen: Große Schiffe könnten bestimmte Kampfmissionen auch dann fortsetzen, wenn Kommunikationsebenen teilweise ausfallen oder gejammt werden, und ihre Rümpfe böten zudem eine höhere Schadensresistenz im Vergleich zu kleineren oder mittleren Einheiten. Aus diesem Grund wirkt die chinesische Darstellung nicht wie eine reine Ablehnung, sondern wie eine Abwägung zwischen „konzentrierter Schlagkraft“ und der Verwundbarkeit durch modernes Gegenfeuer. Gleichzeitig hebt die Analyse hervor, dass verteilte Plattformen häufig auf stabile Datenverbindungen angewiesen sind – ein Hinweis darauf, dass chinesische Autoren das Thema Funkstörung ernst nehmen, aber eben auch die Frage stellen, ob große Einheiten dieses Problem allein dadurch lösen, dass sie größer und „ausdauernder“ sind.
Im Zentrum der Skepsis stehen in der chinesischen Betrachtung aber Zahlen und Umsetzungsrisiken. Für 15 „Trump-class“-Schiffe, die zwischen 2028 und 2056 gebaut werden sollen, nennt die Analyse Gesamtkosten von 275 Milliarden US-Dollar und spricht beim Leitschiff von 23,4 Milliarden US-Dollar. Der Bericht ordnet das als „exorbitant“ ein und leitet die Steigerung auf rund 55 % zurück, die sich aus dem Wechsel von einem konventionellen auf einen nuklearen Antrieb ergeben würden. Besonders interessant ist dabei der technische Nebensatz: Die genannte Summe enthalte keine Aufwendungen für die Entsorgung nuklearer Abfälle sowie nicht die Demontage der Schiffe nach der Außerdienststellung. Damit verschiebt sich die Diskussion von der reinen Werftkalkulation hin zu einem Lebenszyklus-Budget, in dem Nachrüstungen, Sicherheitsprozesse und End-of-Life-Aufgaben typischerweise teuer und langfristig planungsrelevant sind.
Zusätzlich verweist die PLA-Analyse auf „unfinalisierte“ Designs und eine aus ihrer Sicht unzureichende technologische Reife, die zu Verzögerungen und Kostenexplosionen führen könnten. Wenn an Bord Systeme wie Railguns, Hyperschallwaffen und sogar Laser angedacht sind, steigen die Integrations- und Testanforderungen zwangsläufig: Nicht nur die einzelne Waffe muss funktionieren, sondern das Zielverfolgungs-, Stromversorgungs- und Führungs-Subsystem muss im Verbund robust sein – und das unter realen See- und Störbedingungen. Genau diese Logik spiegelt die zitierte Kritik wider, dass ein Ansatz „erst die Plattform bauen, später die Ausrüstung installieren“ die Risiken erhöhen könne. Als Negativbeispiele werden unter anderem der Zumwalt-class-Zerstörer und das Littoral Combat Ship (LCS) angeführt, womit die Autoren implizit die typische Kettenreaktion problematisieren: unklare technische Reife führt zu Anpassungsrunden, die wiederum den Bauzeitenplan destabilisieren und die Kostenkurve nach oben drücken.
Auch die doktrinäre Ebene wird in der chinesischen Analyse stark mitgedacht. Das Design wird als Abweichung vom US-Konzept der Distributed Maritime Operations beschrieben, bei dem Erkennung, Kommando und Wirkung über mehrere Knoten verteilt werden sollen, um die Formationsfähigkeit zu erhalten – selbst wenn einzelne große Einheiten durch Schaden ausfallen. In derselben Argumentationslinie taucht zudem die Frage auf, ob große Oberflächenkampfschiffe gegenüber „leisen“ U-Booten, Hyperschallraketen und Drohnenschwärmen nicht strukturell zu verwundbar seien. So wird aus der Systemfrage schnell eine Flottenfrage: Wenn eine Strategie auf viele, kleinere Effekte setzt, kann ein neues Schwergewicht die taktische Balance verschieben – nicht, weil es als Ziel schlechter wäre, sondern weil es die Verteilung von Risiko und Wirkung innerhalb einer Formation verändert.
Der Blick auf den Markt- und Programmkontext folgt dieser Logik. Die Analyse verweist darauf, dass US-Werften im Schnitt mit Verzögerungen von fünf Jahren zu kämpfen hätten, und dass sich der Bauzyklus eines einzelnen Schiffs – von etwa fünf Jahren Anfang der 2000er Jahre – auf ungefähr elf Jahre in der Gegenwart verlängert habe. Daraus leitet die chinesische Darstellung ab, dass ein Programm für nuklear angetriebene Schlachtschiffe zu Kaskadeneffekten bei anderen Prioritäten führen könnte, etwa bei Flugzeugträgern und U-Booten. Für die strategische Wirkung im Asien-Pazifik ist das mehr als eine interne US-Frage: Wenn sich Baukapazitäten, Personal und Zulieferketten über mehrere Programme hinweg gegenseitig blockieren, entsteht zeitversetzt ein verändertes Kräfteverhältnis – und genau diese Zeitachse wirkt in der chinesischen Argumentation als Hebel.
Interessant ist dabei auch die politische Schlussfolgerung: China habe selbst bereits Interesse an nuklearen Oberflächenfahrzeugen signalisiert und sich unter anderem mit dem russischen Schlachtkreuzer „Admiral Nachimow“ befasst, der in diesem Zusammenhang als Referenz für die eigene Lernkurve herangezogen wird. Trotzdem klingt die Empfehlung am Ende vorsichtig – wenn die US Navy bereits mit mehreren Schiffbau-Herausforderungen ringe und zusätzlich ein historisch erwartbarer „Gürtel enger schnallen“-Prozess ansteht, sei die Investition in besonders ambitionierte Plattformen für die USA riskant. Stattdessen deuten die Autoren an, dass Verbündete bestimmte Konzepte testen könnten, während die US Navy sich stärker auf ihre „bewährten Stärken“ fokussieren solle: Unterwasserkriegführung und das entstehende Feld der Drohnen. Unterm Strich läuft die chinesische Betrachtung auf eine Systemstrategie hinaus, in der teure Präsenzmissionen reduziert und durch kosteneffizientere Absicherungsmodelle ersetzt werden – und in der die Wahrscheinlichkeit, dass die „Trump-class“-Schlachtschiffe tatsächlich in dieser Form gebaut werden, als gering dargestellt wird.
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