SAN JOSE / LONDON (IT BOLTWISE) – Broadcom blickt dank der KI-Nachfrage bei Chips für KI-Anbieter auf weiteres Wachstum. Der Konzernchef Hock Tan hat die Zielmarken für das Geschäftsjahr 2025/26 leicht angehoben und erwartet danach ein deutliches Anziehen. Für Analysten bleibt das Paket weitgehend im Rahmen der Erwartungen, während die Märkte auf die weiteren Stufen bis 2027/28 fokussieren. Gleichzeitig zeigt die Aktie trotz Zuversicht kurzfristige Schwäche im Handel.

Broadcom untermauert seine Rolle im KI-Ökosystem weniger über ein neues Produktversprechen als über eine belastbare Nachfrageschätzung: In einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen verwies Konzernchef Hock Tan auf Chips für Unternehmen rund um Künstliche Intelligenz als Wachstumstreiber. Der Hintergrund ist simpel, aber entscheidend für Anleger und IT-Entscheider: Wenn KI-Workloads in Rechenzentren skaliert werden, steigt der Bedarf nicht nur an Rechenleistung, sondern auch an Halbleiterkomponenten entlang der Wertschöpfungskette. Broadcom positioniert sich dabei als Lieferant für KI-nahe Chips, die in verschiedenen Architekturen eingesetzt werden können – und genau dieser Ausbau soll nach den Aussagen des Managements über mehrere Jahre hinweg kräftig anziehen.
Konkreter wird es bei den Zielgrößen. Für das bis Ende Oktober laufende Geschäftsjahr 2025/26 erhöhte Broadcom die erwarteten Erlöse im Bereich KI-Chips leicht auf 58 Milliarden Dollar. Für das darauffolgende Geschäftsjahr rechnet der Konzern damit, dass die Umsätze mit KI-bezogenen Produkten auf 115 Milliarden Dollar steigen, bevor sie sich im Jahr darauf auf 230 Milliarden Dollar verdoppeln sollen. Dass diese Kurve nicht völlig aus dem Rahmen fällt, sehen auch Analysten so: Die Ziele lägen im Bereich der Erwartungen, und Broadcom sei zudem auf gutem Weg, den um Sondereffekte bereinigten Gewinn im Geschäftsjahr 2027/28 auf 30 Dollar je Aktie zu steigern. Im Vergleich dazu lag der bereinigte Gewinn je Aktie im vergangenen Geschäftsjahr noch bei knapp sieben Dollar – die Logik dahinter ist eine Kombination aus Skaleneffekten, Preisdynamik und einem Mix, der bei KI-nahen Produkten höher ausfällt.
Die Zahlen wirken auch deshalb kaufmännisch plausibel, weil Broadcom gleichzeitig operative Kennziffern liefert, die auf Margenstabilität abzielen. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 peilt der Konzern einen Konzernumsatz von knapp 35 Milliarden Dollar an, was laut Bericht einem Plus von 93 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die um Sondereffekte bereinigte Marge soll bei rund 66 Prozent stabil gehalten werden. Für das dritte Quartal nannte Broadcom einen Erlösanstieg um 86 Prozent auf fast 30 Milliarden Dollar sowie einen Anstieg des bereinigten operativen Gewinns um 92 Prozent auf etwas mehr als 20 Milliarden Dollar; die operative Marge sei dabei leicht auf knapp 68 Prozent gestiegen. Für Unternehmen, die ihre KI-Strategie in Hardware übersetzen, ist diese Kombination aus Wachstum und Marge ein Signal: Eine reine Umsatzstory ohne Ergebnisqualität ist am Markt oft weniger belastbar.
An der Börse zeigte sich dennoch kein geradliniger Aufwärtsimpuls. In New York gab die Broadcom-Aktie in frühem Handel um knapp sieben Prozent auf fast 343 Dollar nach. Gleichzeitig bleibt die längerfristige Entwicklung deutlich: Seit dem Anfang Juni erreichten Rekordhoch von 495 Dollar steht die Aktie laut Bericht unter Druck und hat seitdem fast ein Drittel eingebüßt. In den vergangenen Jahren zählte das Papier damit zu den Profiteuren des KI-Booms; seit Anfang September 2021 habe sich der Kurs mehr als versiebenfacht, bei einem Börsenwert von gut 1,6 Billionen Dollar. Genau in solchen Phasen werden Märkte besonders anspruchsvoll: Selbst wenn das operative Bild überzeugt, bewerten Trader oft, ob die nächsten Schritte für die bereits stark eingepreisten Erwartungen reichen.
Für den Wettbewerb nennt der Bericht eine zentrale Spannung, die in der KI-Branche immer wieder auftaucht: Unternehmen investieren massiv in KI-Angebote und versuchen, die Abhängigkeit von einem einzelnen Technologieführer zu reduzieren. Broadcom verweist dabei auf Kunden wie Google (Alphabet), Meta und Microsoft, die den Ausbau ihrer KI-Angebote vorantreiben und nach Angaben des Textes zunehmend auch andere Anbieter einbeziehen. In diesem Umfeld wirkt die Erwartung, gegen den Platzhirsch NVIDIA bestehen zu können, weniger wie ein Werbesatz, sondern eher wie eine Strategie gegen Liefer- und Architektur-Risiken. Hinzu kommt, dass sich die Projektionshorizonte bis 2027/28 ziehen: Aus einer Umfrage unter Analysten geht hervor, dass Broadcom den Umsatz bis 2027/28 auf fast 250 Milliarden Dollar steigern könnte; das entspräche einem deutlichen Sprung gegenüber 2024/25. Der Gewinn könnte dabei auf mehr als 100 Milliarden Dollar klettern – eine Hausnummer, die vor allem auf die Breite der Kundenbasis und den weiteren Ausbau von KI-Chips setzt.
Besonders stark ist die Analystenseite auf Nachfrage nach dem nächsten Kursschritt fokussiert. Laut dem Bericht empfehlen 57 der 62 von einer Auswertung erfassten Analysten den Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 530 Dollar und damit deutlich über dem aktuellen Niveau sowie über dem bisherigen Rekordhoch. Konkret hoben laut Bericht unter anderem Analysten der US-Banken Bernstein und Goldman Sachs ihre Kursziele an. Ein Goldman-Sachs-Experte verwies dabei auf einen starken Umsatzausblick für KI-Chips bis ins Geschäftsjahr 2028 auf einer breiteren Kundenbasis und erwartet, dass der Konzern die Ziele noch übertreffen wird. Für die Praxis heißt das: Wenn Broadcoms Prognosen sich auch nur teilweise in den Quartalen bestätigen, wird der Markt weniger auf die aktuelle Margenbehauptung schauen, sondern stärker auf die Frage, wie schnell sich die KI-nahe Produktpalette skaliert – und ob sich die Abhängigkeit von einzelnen Kundensegmenten weiter reduziert.
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