LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Sicherheitsforscher meldet eine Schwachstelle in WhatsApp für Android, die Berichten zufolge die Sperrbildschirm-Logik unterlaufen kann. Voraussetzung soll ein entgegengenommener Videoanruf auf dem gesperrten Gerät sein. Anschließend können KI-betriebene Fotoeffekte angeblich den Zugriff auf die komplette Fotogalerie ermöglichen. Ein universeller Patch soll bislang nicht verfügbar sein; Nutzer sollen Berechtigungen manuell einschränken.

WhatsApp-Sperrbildschirm-Umgehung: Videoanruf öffnet angeblich die Fotogalerie
WhatsApp-Sperrbildschirm-Umgehung: Videoanruf öffnet angeblich die Fotogalerie (Foto: IT BOLTWISE)
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Der beschriebene Angriff zielt nicht auf die übliche Konto-Authentifizierung oder die Nachrichtendaten von WhatsApp, sondern auf einen Moment, in dem ein Smartphone eigentlich am strengsten sein sollte: den gesperrten Zustand. Laut dem Sicherheitsforscher Jose Rodriguez wurde am 1. September 2026 eine kritische Schwachstelle in der Android-Version des Messengers identifiziert. Kernidee ist die Umgehung der Bildschirmsperre, sodass ein Angreifer bei geeignetem Ablauf direkten Zugriff auf die private Fotogalerie des Nutzers erhalten kann. Für Unternehmen ist das vor allem deshalb relevant, weil Fotos auf mobilen Endgeräten oft sensibler sind als die Inhalte, die Mitarbeitende im Messenger teilen.

Der Ablauf wird in den vorliegenden Berichten vergleichsweise konkret beschrieben: Es genügt nicht „nur“ ein digitales Wissen über den Exploit, sondern es wird physischer Zugang zum Gerät während eines Anrufs gefordert. Praktisch bedeutet das, dass ein Videoanruf auf dem gesperrten Smartphone entgegengenommen werden muss. Danach soll ein Menü für Videoanruf-Effekte bereitstehen; genau in diesem Kontext könne die Meta-AI-Fotobearbeitung gestartet werden. Die entscheidende Folge: Diese Funktion öffnet angeblich den Zugriff auf die gesamte Fotogalerie des Geräts, ohne dass das System im Anschluss typischerweise eine PIN, ein Muster oder biometrische Daten zur Entsperrung verlangt. Damit verschiebt sich die Angriffsfläche von „Passwörter knacken“ hin zu „Berechtigungen und Interaktionspfade ausnutzen“.

Technisch interessant ist dabei die Kombination aus eingehendem Videoanruf und KI-gestützter Bildbearbeitung. Offenbar entsteht der problematische Pfad nicht im „normalen“ App-Betrieb nach dem Entsperren, sondern in einem Zwischenmodus, der beim Android-Lockscreen durch UI-Elemente und systemseitige Freigaben ohnehin eingeschränkt sein sollte. Wenn ein Videoanruf auf dem Sperrbildschirm aktiv ist, darf eine App zwar bestimmte Interaktionen ermöglichen, um einen Anruf entgegenzunehmen oder abzulehnen. Die Sicherheitslücke liegt demnach im Zusammenspiel: Der Start der Fotobearbeitung soll eine Rechtekette auslösen, die den Sperrstatus faktisch überbrückt. Für die Praxis heißt das, dass Sicherheitsmechanismen wie „kein Zugriff auf Fotos im gesperrten Zustand“ durch einen einzigen unerwarteten Funktionspfad ausgehebelt werden können.

Für die Risikobewertung ist außerdem die Geräte- und Versionsstreuung entscheidend. Untersuchungen der Schwachstelle zeigen laut den Berichten eine unterschiedliche Anfälligkeit je nach Hersteller und Android-Version. Als explizit betroffen gelten demnach das Google Pixel 6 und das Pixel 6 Pro unter Android 17. Ebenfalls erfolgreich getestet wurde der Zugriff auf einem Oppo K13 mit ColorOS 16. Andere Hersteller sollen dagegen wirksame Schutzmechanismen implementiert haben; besonders genannt wird das Samsung Galaxy S25 Ultra mit One UI 8.5, bei dem die Berichte zufolge der unbefugte Zugriff blockiert wird, weil das System zwingend die Eingabe einer PIN verlangt, bevor Galerie- oder Bearbeitungsfunktionen geöffnet werden können. Diese Unterschiede zeigen, wie stark plattformnahe Sicherheitsdetails und Hersteller-spezifische Sperrlogiken das Endergebnis beeinflussen.

Da zum Zeitpunkt der Berichte kein offizieller Software-Fix durch Meta genannt wurde, bleibt Nutzern derzeit vor allem der Weg über manuelle Härtung. Branchenempfehlungen raten betroffenen Nutzern deshalb zu Vorsichtsmaßnahmen, bis ein Sicherheitsupdate vorliegt, und nennen dabei insbesondere eine Anpassung der WhatsApp-Berechtigungen in den Systemeinstellungen. Konkret wird empfohlen, den Fotozugriff der App auf „eingeschränkt“ zu setzen oder die Berechtigung für Kamerazugriff vollständig zu entziehen, bis ein passendes Update verfügbar ist. In beiden Fällen soll der Pfad, den die KI-gestützte Bildbearbeitung für den Galeriezugriff nutzt, unterbrochen werden. Das ist ein klassischer Ansatz aus dem Mobile-Device-Management: nicht nur die App selbst beobachten, sondern die Rechteübertragung zwischen App-Funktionen und Betriebssystem-Schutzschichten kontrollieren.

Unabhängig davon, ob ein konkretes Gerät betroffen ist, lohnt der Blick auf die eigene Sicherheitsstrategie. Wer Online-Banking, unternehmensinterne Apps oder auch nur Messenger-Dienste im Alltag nutzt, sollte die Sicherheit nicht von einem einzelnen „Standardverhalten“ der UI abhängig machen. Der beschriebene Fall macht sichtbar, dass Interaktionsmodi wie „eingehender Anruf“ oder „App-Funktion im Sperrkontext“ eine eigene Risikoklasse bilden. Für die IT-Abteilung in Unternehmen bedeutet das: Neben Betriebssystem-Updates und App-Updates sollten auch Richtlinien für Berechtigungen und Sperrbildschirm-Interaktionen geprüft werden, damit Apps im relevanten Zustand nicht unbeabsichtigt Zugriffsschnittstellen öffnen.

Für Apple-Geräte wird in den vorliegenden Informationen hingegen Entwarnung gegeben: Apple-Geräte sollen nicht von der Problematik betroffen sein. Sicherheitsanalysen führen das darauf zurück, dass iOS mit CallKit die Interaktionsmöglichkeiten während eines Anrufs auf dem Sperrbildschirm strikter reguliert. Dieser Vergleich ist weniger ein Trost, sondern eine technische Erklärung, warum plattformübergreifende Schwachstellen nicht automatisch 1:1 übertragbar sind: Wenn ein Betriebssystem für bestimmte Call-Szenarien andere Regeln anwendet, verändert sich auch die Angriffsfläche für App-Funktionen, die „nur im richtigen Moment“ starten können. Für Nutzer heißt das gleichzeitig: Ein funktionierender Sperrbildschirm ist nicht allein durch das Entsperrverfahren gegeben, sondern hängt davon ab, welche App-Funktionen im Hintergrund in welchem Status überhaupt erlaubt werden.


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