JOINT BASE ANDREWS / LONDON (IT BOLTWISE) – Gen. Douglas A. Schiess hat am 3. September die Führung der Space Force übernommen und damit Gen. B. Chance Saltzman als Chief of Space Operations abgelöst. In seiner ersten Ansprache an die Guardians stellte er die zunehmende Bedrohung für Satelliten und bodengestützte Infrastruktur in den Mittelpunkt. Er kündigte an, die Streitkräfte bewusst weiter auszubauen und die Fähigkeiten für eine mögliche „space superiority“ zu integrieren. Parallel wurde auch ein neues Verantwortungsfeld im Bereich Space Acquisition und Integration im Departement der Air Force besetzt.

Mit der Amtseinführung von Gen. Douglas A. Schiess als Chief of Space Operations rückt ein Thema wieder stärker ins Zentrum, das in den vergangenen Jahren in der Space Force zunehmend an Fahrt aufgenommen hat: Raum als aktiver Bestandteil moderner Kriegführung. Die Zeremonie am Joint Base Andrews, Maryland, markierte den formalen Übergang von Schiess zu Saltzman – und damit zugleich eine programmatische Weichenstellung. Schiess folgte Gen. B. Chance Saltzman als CSO, also als oberster Verantwortlicher für die operativen Weichenstellungen der Space Force. Inhaltlich knüpfte er an die Schwerpunkte seines Vorgängers an, betonte jedoch den operativen Handlungsdruck noch deutlicher. Gerade weil der Raum nicht mehr als „passive“ Trägerumgebung verstanden wird, sondern als Ziel- und Wirkraum, steigt die Bedeutung von Training, Führungsprozessen und resilienten Systemarchitekturen für den Betrieb – auch wenn der Gegner im Orbit oder am Boden angreift.
Technisch und operativ ist dabei entscheidend, dass Schiess‘ Argumentation nicht bei Satelliten im All stehen bleibt, sondern die Kette bis zu den Bodenstationen und Operations Centern mitdenkt. In seiner ersten Rede an die Guardians sagte er: „Every day, our potential adversaries advance their efforts to disrupt, degrade, and destroy our space capabilities, and they try to add to their own capacity to exploit space to their advantage, “ und ergänzte: „We cannot, we will not let that happen.“ Der Punkt dahinter: Raumfähigkeiten sind heute eng gekoppelt an Datenströme, Kommandofunktionen und präzise Zeit- und Lageinformationen. Wenn Störungen die Kommunikations- oder Navigationsgrundlage treffen, verlieren Systeme nicht nur „Performance“, sondern können ihre Wirksamkeit im gesamten Joint-Umfeld zeitweise oder dauerhaft einbüßen. Genau deshalb rückt Schiess das Training für den Betrieb in einer feindlich beeinflussten Umgebung in den Vordergrund – „cold, dark vacuum of space“ als Arbeitsrealität für Teams, deren Einsatzbedingungen auch die Bodenkomponenten unter Druck setzen können.
Diese Ausrichtung wird durch den persönlichen Karrierepfad von Schiess gestützt. Laut der Meldung war er in seinem Berufsweg als „career space operator“ in mehreren Aufgabengebieten tätig, darunter Missile Warning, GPS, Command and Control sowie Launch. Besonders relevant ist auch die organisatorische Schnittstelle zu den operativen Richtlinien: 2023 wurde er zum ersten Kommandeur von U.S. Space Forces-Space, dem Bestandteil innerhalb des U.S. Space Command Combatant Command, ernannt. Zuletzt fungierte er als Deputy CSO for operations und entwickelte die Richtlinien, die die Space-Force-Operationen weltweit steuern. Das bedeutet in der Praxis, dass er nicht nur „Systems“ verantwortet, sondern die Regeln, Prozesse und Priorisierungen kennt, die daraus belastbaren Betrieb machen. Wenn Schiess nun fordert, Guardians zu befähigen, die Fähigkeiten unter Bedrohung sowohl im Weltraum als auch am Boden zu betreiben, wirkt das weniger wie ein generelles Bekenntnis und mehr wie die Konsequenz einer über mehrere Funktionen verknüpften Organisationsrolle.
Der Blick auf die operativen Ergebnisse und das Tempo der Skalierung kommt im zweiten Teil der Zeremonie über Saltzmans Bilanz. In den vorangegangenen vier Jahren trug Saltzman dazu bei, die Space Force von 8.000 auf 10.000 uniformierte Guardians zu vergrößern. Außerdem positionierte er die Organisation für weitere Expansion in den kommenden Jahren. Die Planung geht laut Angaben der Meldung dahin, innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 20.000 Guardians zu verdoppeln. Gleichzeitig wächst der finanzielle Rahmen: Für das Fiskaljahr 2027 liegt der Budgetantrag bei 71 Milliarden US-Dollar – und damit deutlich über dem Niveau des Vorjahres. Solche Sprünge sind für jede Technologieorganisation eine Belastungsprobe, weil Rekrutierung, Ausbildung und Systembereitstellung nicht beliebig parallel laufen. Für Unternehmen und Technologieanbieter bedeutet das vor allem eines: Beschaffungs- und Integrationsprozesse müssen mit dem operativen Bedarf Schritt halten, sonst entstehen Engpässe zwischen „Capability“ auf dem Papier und tatsächlicher Einsatzfähigkeit.
Saltzman stellte in seiner Rede genau diese Einsatzwirksamkeit heraus. Er sagte: „We delivered critical effects on time and on target under fire, and we sustained that effort, “ und weiter: „When called to action, the U.S. Space Force was ready, combat capable, and mission effective, and that about says it all.“ Damit wird ein betrieblicher Anspruch beschrieben, der für die technische Umsetzung Konsequenzen hat: kritische Effekte müssen termingerecht bereitstehen, und sie müssen in Umgebungen funktionieren, in denen der Gegner die Rahmenbedingungen verschlechtert. Auch sein Lob für Schiess zielt auf Führungskompetenz über reine Spezialkenntnis hinaus. Saltzman erklärte: „He knows how to build teams, how to drive performance, and how to coax bureaucracies into mission success, “ sowie: „He has the expertise to make wise decisions…. He cares deeply for the people that do the work.“ Für die Organisationsentwicklung heißt das, dass Skalierung nicht nur Personal bedeutet, sondern auch die Fähigkeit, Entscheidungswege, Prioritäten und Verantwortlichkeiten so zu gestalten, dass neue Systeme schneller in den Betrieb gelangen.
Einordnung liefert außerdem, wie Schiess Integration in den Joint Force Kontext denkt. In der Meldung kündigt er „deliberate growth“ und „execution“ an und betont, Guardians mit dem gesamten Spektrum an Fähigkeiten auszustatten, die nötig sind, um eine entscheidende Raumüberlegenheit zu sichern. Dabei nennt er konkret, dass die „Integrating into the Joint Force“ eine schnelle Skalierung sowohl der Manpower als auch der Raumfähigkeiten verlangt. Schiess verweist außerdem auf Industriepartnerschaften als Hebel, um Waffensysteme und die Art, wie gekämpft wird, weiterzuentwickeln. In der Praxis klingt das nach einer stärkeren Verzahnung von Entwicklung, Test, Feldbetrieb und Lessons-Learned-Zyklen – also nach einem Modell, in dem Systemintegration weniger als einmaliges Projekt betrachtet wird, sondern als wiederkehrender Prozess. Interessant ist zudem der Hinweis auf laufende Operationen im Nahen Osten, bei denen Iran bodengestützte Raum- und Raketenabwehr-Infrastruktur ins Visier genommen hat. Diese Kontextinformation macht klar, dass die Bedrohung nicht nur theoretisch ist, sondern sich in konkreten Einsatzräumen zeigt.
Zusätzlicher organisatorischer Unterbau kommt von der zivilen Seite des Departements: Neben Schiess‘ Aufstieg in die Service-Chief-Rolle begrüßte das Department of the Air Force auch Erich Hernandez-Baquero als Assistant Secretary for Space Acquisition and Integration. Er wurde am 31. August am Pentagon vereidigt und soll künftig ein wachsendes Portfolio für Space Acquisition und Integration verantworten. Die Meldung ordnet die Vakanz historisch ein: Die Position sei seit Januar 2025 vakant gewesen, auch wenn zeitweise handelnde Vertreter die Funktion übernommen hätten. Für die Tech- und Industrieperspektive ist genau dieser Punkt relevant, weil sich die Beschaffungs- und Integrationsfähigkeit in solchen Umbruchphasen stark auf Geschwindigkeit und Qualität der Umsetzung auswirkt. Wenn die Space Force auf eine Verdopplung der Personalstärke zusteuert und der Budgetrahmen für 2027 sichtbar anzieht, wird die Schnittstelle zwischen Bedarf, Technologieauswahl und Betriebsvorbereitung zum Engpass – und damit zur strategischen Stellschraube. Die Kombination aus operativer Führungsneuausrichtung und neu besetzter Acquisition-Instanz deutet darauf hin, dass die Space Force Wachstum nicht als reines Zahlenziel versteht, sondern als koordinierten Umbau von Fähigkeitserstellung und Einsatzfähigkeit.
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