BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Siemens Energy-Chef Bruch warnt vor einer deutlich verschärften Bedrohungslage für Strom- und Wasserinfrastruktur. In der Einschätzung des Konzerns haben sowohl Vorfälle im physischen Bereich als auch Angriffe auf der Cyberseite über 12 bis 18 Monate zugenommen. Besonders wichtig sei, Reparaturfähigkeit und schnelle Einsatzketten für Krisenfälle aufzubauen. Offen bleibt dabei, wie zügig die zivilen Operationspläne in der Fläche umgesetzt werden.

Siemens Energy warnt vor steigenden hybriden Angriffen auf Energie-Infrastruktur
Siemens Energy warnt vor steigenden hybriden Angriffen auf Energie-Infrastruktur (Foto: IT BOLTWISE)
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Siemens Energy macht die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur zum zentralen Thema seiner aktuellen Lageeinschätzung. Der Konzernchef Bruch sagte, kritische Infrastruktur könne nicht „vollumfänglich“ geschützt werden, und die Bedrohungslage habe sich aus seiner Sicht in den vergangenen 12 bis 18 Monaten spürbar verschärft. Gleichzeitig betont er, dass Deutschland als Transitland in Konfliktkonstellationen besonders exponiert sei – und dass diese Erwartung nicht nur Entscheidungsträgern, sondern auch der Bevölkerung bewusst sein sollte.

Die Sorge richtet sich nicht nur auf eine einzelne Technikschicht, sondern auf das Zusammenspiel von physischen und digitalen Angriffen. So verweist der Text auf zuletzt bekannt gewordene Vorfälle in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen im Umfeld des Stromnetzes. Nach Angaben der Ermittler sollen beide Vorkommnisse auf verfassungsfeindliche Sabotage zurückzuführen sein; damit rückt auch die Frage nach hybriden Angriffsmustern stärker in den Fokus. Bruch stellt dafür ein klares Lagebild in den Raum: „Die Vorfälle nehmen zu und auch auf der Cyberseite steigt die Frequenz der Angriffe auf Infrastruktur deutlich.“

Für Unternehmen ist daran vor allem die operative Konsequenz relevant: Sicherheit ist nicht allein eine Frage von Prävention, sondern von Reaktionsfähigkeit. Bruch spricht deshalb die schnelle Ausarbeitung des zivilen Operationsplans an und ordnet sie als „dringend erforderlich“ ein, um auf Krisenfälle reagieren zu können. Der Plan soll laut Darstellung helfen, Schäden an Strom- oder Wasserinfrastruktur rasch zu beheben und auch die Versorgung mit Lebensmitteln im Krisenfall abzusichern. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt vom „Angriff verhindern“ hin zu „Angriff nicht zum Stillstand werden lassen“ – eine Logik, die in Resilienzkonzepten seit Jahren diskutiert wird und gerade im Energiesektor zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Technisch und organisatorisch beschreibt der Konzernchef vor allem zwei Ansatzpunkte, die in der Praxis oft gleichzeitig umgesetzt werden müssen. Erstens geht es um die Fähigkeit, Schäden schnell zu reparieren: „Es gilt sicherzustellen, dass wir Schäden schnell reparieren können. Dafür wären wir heute nicht ausreichend aufgestellt.“ Zweitens nennt er den Aufbau von Eingriffstrupps und schnellen Meldeketten als Kern, um im Ernstfall Ersatzteile verfügbar zu halten und Reparaturen ohne lange Abstimmungswege durchzuführen. Als Referenz nennt Bruch die Organisation in der Ukraine, wo kritische Infrastruktur laut Darstellung „ständig“ angegriffen werde; dort seien schnelle Meldungen und Wissen über die Lagerung von Ersatzteilen besonders wirksam, weil Eingriffe zeitkritisch sind.

Auch die technische Steuerung bekommt in der Einschätzung einen konkreten Ton: Resilienz müsse „mitgeplant“ werden, und es sei nicht das Ziel, „an jede wichtige Infrastruktur“ einen spezifischen Hinweis wie „Achtung, wichtige Schaltanlage“ zu schreiben. Hintergrund ist eine kommunikative wie auch sicherheitstechnische Abwägung: Sichtbarkeit schafft Orientierung, kann aber zugleich Zielscheibenbildung erleichtern. Für Betreiber und Lieferketten bedeutet das, dass Schutzkonzepte nicht statisch gestaltet werden dürfen, sondern ihre Wirksamkeit im Zusammenspiel aus Netzführung, Wartung, Logistik und Sicherheitsprozessen nachweisbar halten müssen – selbst wenn einzelne Schutzmaßnahmen versagen.

Marktseitig zeigt die Meldung außerdem, wie eng Sicherheits- und Betriebsrisiken inzwischen mit dem Energiegeschäft verknüpft sind. Siemens Energy entstand 2020 durch die Abspaltung vom Siemens-Konzern und entwickelt, produziert und liefert Technologien für Stromerzeugung und -übertragung sowie für erneuerbare Energien und industrielle Energieanwendungen. Im Geschäftsjahr 2025 beschäftigte das Unternehmen rund 103.000 Menschen weltweit, davon rund 27.000 in Deutschland. An der Börse wird die Aktie im XETRA-Handel zeitweise mit 0,47 % fester bei 146,08 Euro genannt; das unterstreicht zwar den Kapitalmarkt-Ausschnitt, ersetzt aber keine Sicherheitsbewertung. Entscheidend für die nächsten Monate dürfte sein, ob die genannten Schritte zur Reparaturfähigkeit, zu klaren Einsatzketten und zur Integration zivil-planerischer Vorgaben so umgesetzt werden, dass sie nicht nur im Krisenszenario funktionieren, sondern auch im laufenden Betrieb durch Prozesse, Übungen und klare Zuständigkeiten abgedeckt sind.


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