HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Nico Santos stellt sich in Hamburg der sportlichen Herausforderung, für das Michael-Jackson-Musical die typischen Moves zu lernen. Der Sänger trainiert nach eigenen Angaben mit dem Michael-Darsteller Oxa Schritte wie Sidekicks, Slides, Posen mit Hut und den berühmten Moonwalk. Nach der Premiere von „MJ – Das Michael-Jackson-Musical“ am 1. Dezember 2024 soll das Bühnenstück laut Veranstalter inzwischen weit mehr als eine Million Besucher erreicht haben. Santos plant zudem, am Abend mit dem Ensemble zwei Songs aus dem Jackson-Universum zu performen.

Hamburg bekommt kurz vor dem Abendprogramm einen zusätzlichen Blick hinter die Kulissen: Nico Santos, bekannt aus Popsongs wie „Rooftop“ und „Safe“, wechselt für „MJ – Das Michael-Jackson-Musical“ nicht nur die Songliste, sondern auch die körperliche Rolle. Der 33-Jährige zeigt, wie viel Aufwand hinter Bewegungen steckt, die bei Publikum oft wie selbstverständlich wirken. In einem Interview in Hamburg beschreibt Santos den Trainingsteil als Mischung aus Rhythmus, Coolness und Mut – und er macht dabei keinen Hehl daraus, dass es körperlich fordernd ist. Selbst für einen Profi aus der Popwelt gilt: Tanzschritte, die ikonisch mit Michael Jackson verbunden sind, lassen sich nicht „mal eben“ nach Gefühl kopieren.
Im Stage Theater an der Elbe hat Santos dafür einen konkreten Lehrweg gewählt. Er ließ sich laut Bericht von Michael-Darsteller Oxa die typischen Schritte beibringen – inklusive Sidekicks und Slides sowie Posen mit Hut. Besonders prominent auf dem Trainingsplan: der Moonwalk, den viele Zuschauer spätestens spätestens bei „Billie Jean“ unmittelbar wiedererkennen. Auffällig ist, wie Santos den Charakter der Übung beschreibt: Es ging in der Session nicht nur um Wiederholungen, sondern auch um Tempo, Spaß und Intensität. Etwa eine halbe Stunde wurde getanzt, gelacht und auch geschwitzt – eine Form von Probenrealität, die zeigt, wie sehr Bühnenperformance von wiederholtem Körpertraining lebt. Dass Santos als kleines Kind viel Zeit vor dem Spiegel verbracht und Moves geübt habe, passt dazu: Das heutige Können ist weniger spontaner Effekt als die Fortsetzung einer frühen, sehr persönlichen Gewohnheit.
Der Antrieb kommt in der Erzählung aber nicht aus technischer Neugier, sondern aus musikalischer Identifikation. Santos nennt Michael Jackson als Grund, warum er heute Musik macht, und verbindet das mit einem frühen Geschenk: Zu seinem dritten Geburtstag habe er eine Michael-Jackson-VHS-Kassette bekommen – „History Part Two“ – und fortan sei für ihn „eigentlich nur Michael Jackson Musik“ Teil seines Lebens geworden. In dieser Logik wird der Tanz für den Sänger zur Erweiterung derselben Leidenschaft: Wer sich über Jahre so stark an die Darstellung, den Stil und die Details eines Künstlers bindet, nimmt auch die choreografische Sprache ernst. Gleichzeitig bleibt es bei Santos nicht bei der Theorie. Nach der Vorstellung am Abend soll er selbst auf der Bühne stehen und zusammen mit Ensemble und Band zwei Michael-Jackson-Songs performen: „Don’t Stop ‘Til You Get Enough“ und „Man in the Mirror“.
Dass „MJ – Das Michael-Jackson-Musical“ dabei mehr ist als eine Sammlung bekannter Hits, wird im Bericht über die Handlung konkretisiert. Das Stück erzählt die Entstehungsgeschichte von Jacksons „Dangerous“-Welttournee 1992 und ordnet das in Rückblenden ein: Kindheit, Jugend und der Weg zum Ruhm werden als narrative Stationen geführt. Für die Bühnenwirkung bedeutet das: Die Songs wie „Billie Jean“, „Thriller“ und „Smooth Criminal“ sind nicht nur musikalische Einwürfe, sondern tragen als Markerpunkte durch unterschiedliche Lebensphasen. Genau an diesen Punkten wird auch die Bedeutung von Choreografie sichtbar. Wenn Bewegungen wie der Moonwalk auf einer Bühne zuverlässig funktionieren, hängt das nicht nur von einzelnen Schritten ab, sondern von Timing, Körperkontrolle und dem Zusammenspiel mit Musik, Licht und szenischer Dynamik. Santos’ Training liefert dafür eine plausible Grundlage, auch wenn die konkrete technische Umsetzung im Bericht nicht näher beschrieben wird.
Auch die Marktdynamik rund ums Musical unterstreicht, warum solche Probenintensität gerade in einem frühen Stadium wichtig ist. Laut Veranstalter hat sich das Musical seit der Premiere am 1. Dezember 2024 in Hamburg zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Im Mai dieses Jahres soll es die Eine-Million-Besuchermarke geknackt haben; als Folge habe der Veranstalter das Ticketangebot bis August 2027 erweitert. Für die Produktionsseite heißt das praktisch: Je erfolgreicher ein Stück skaliert, desto höher werden die Anforderungen an die Stabilität im Ablauf – denn konstante Qualität bei wiederkehrenden Vorstellungen hängt an identischen Abläufen, verlässlicher Körperperformance und an Proben, die auch unter Zeitdruck wiederholbar bleiben. Die Entscheidung, Santos zusätzlich zur Musik auch körperlich in die ikonischen Moves einzubinden, wirkt damit wie ein konsequenter Schritt: Er bringt eigene Pop-Erfahrung mit und lernt zugleich die spezialisierte Choreografie, die das Musical wiedererkennbar macht.
Vor allem spannend ist bei Santos’ Selbstbild die Differenz zwischen dem allgemein bekannten Hit und dem persönlichen Favoriten. Sein Lieblingssong sei „Who is it“, allerdings eher ein „Nischensong“, erzählt er. Das passt zu einem Künstlerprofil, das nicht nur den Mainstream abarbeitet, sondern die Tiefe der eigenen musikalischen Sozialisation betont. Genau diese Mischung dürfte auch in der Live-Interpretation eine Rolle spielen: Während die Bühne über „Billie Jean“ und Co. stark über kollektive Wiedererkennung funktioniert, können Interpretationsdetails im Vortrag – vom Einsatz der Stimme bis zum Körperausdruck – dem Material zusätzliche Ebenen geben. Santos bleibt damit nicht nur „Fan“ im emotionalen Sinn, sondern macht aus dieser Beziehung ein aktives Element der Aufführung. Und wenn er sich nach dem Training mit dem Moonwalk beschäftigt, wird klar: Für eine überzeugende Darstellung zählen am Ende nicht nur Songs, sondern auch die präzise Beherrschung der Gesten, die Zuschauer mit dem Mythos verbinden.
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