PATRAS / LONDON (IT BOLTWISE) – An der Universität Patras in Griechenland sollen Studierende bei Prüfungen nur mit ärztlicher Bescheinigung eine Brille tragen dürfen. Die Regel zielt darauf, dass KI-Brillen nicht zum Schummeln eingesetzt werden. Zusätzlich sollen die Prüflinge laut den Angaben nur mit einem Bleistift erscheinen. Der Rektor warnt derweil davor, dass KI-gestütztes Umgehen von Regeln im Berufsleben nachwirken kann.

Ein scheinbar naheliegendes Prüfungsdetail wird an der Universität Patras jetzt zum Dreh- und Angelpunkt für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz: Wer in einer Mathematikprüfung eine Brille tragen will, muss eine ärztliche Bescheinigung vorlegen. Hintergrund ist die Sorge, dass moderne KI-Assistenzsysteme in Form von Brillen während der Prüfung genutzt werden könnten, um Aufgaben schneller oder mit externer Unterstützung zu bearbeiten. Der Professor, der die Vorgabe gemacht haben soll, will damit verhindern, dass aus den Prüfungen ein „Festival der künstlichen Intelligenz“ wird, wie es in der Berichterstattung über die Regel heißt.
Technisch betrachtet geht es dabei weniger um den Sehtest an sich als um die potenzielle Funktionalität von „Smart Glasses“: In der Praxis können solche Geräte Kamera- und Mikrofonkomponenten sowie drahtlose Verbindungen enthalten und Inhalte in Echtzeit analysieren. Genau diese Echtzeit-Unterstützung wäre im Prüfungskontext problematisch, weil sie nicht einfach nur Informationen „im Kopf“ verfügbar macht, sondern Wissen oder Hinweise direkt in die Bearbeitung hineinspielen kann. Durch ein Attest-System verlagert die Hochschule den Schwerpunkt von bloßen Zufallschecks hin zu einem formalen Nachweis, warum eine Brille nötig ist.
Die Regel wirkt allerdings nicht allein über die Brille. Laut den Angaben, die auch mit Verweis auf Berichte aus Griechenland kursieren, sollen Studierende außerdem nur mit einem Bleistift zur Prüfung erscheinen dürfen. Die Intention dahinter wird ebenfalls angedeutet: Man will offenbar verhindern, dass sich in „Mäppchen und ähnlichem“ weitere Technologie versteckt. Damit adressiert die Vorgabe ein typisches Umgehungsproblem bei Prüfungen: Selbst wenn ein Gerät am Körper fehlt, kann eine zweite Quelle für verdeckte Kommunikation oder Datenübertragung in Etuis, Taschen oder Zubehör enthalten sein.
Rektor Christos Bouras stellt den Lernaspekt in den Vordergrund und ordnet die Maßnahme in eine längere Tradition von Prüfungsregeln ein. „Geschummelt“ sei schon immer, so die zitierte Einordnung in der Berichterstattung, gleichzeitig aber könne Künstliche Intelligenz heute helfen, verdächtige Prüfungsarbeiten zu erkennen. Entscheidend ist dabei der Perspektivwechsel: Während frühere Formen des Schummelns eher auf physische Hilfsmittel oder unmittelbare Kommunikation setzten, entsteht bei KI-gestützter Unterstützung eine andere Musterlage in Stil, Geschwindigkeit oder Konsistenz der Lösungen. Daneben warnt der Rektor laut den Angaben auch vor den langfristigen Konsequenzen für den Einstieg ins Berufsleben.
Für Universitäten und Prüfungsämter ist das ein reales Signal dafür, wie schnell sich Prüfungsdesign an neue KI-Ökosysteme anpassen muss. Atteste, Materialvorgaben und klare Zugangskontrollen sind zwar organisatorisch, aber sie greifen damit direkt in die technische Angriffsfläche ein: Je weniger „Interpretationsspielraum“ Studierende für Ausstattung und Zubehör haben, desto geringer wird die Chance, dass KI-fähige Hardware unbemerkt genutzt wird. Gleichzeitig bleibt der Kernkonflikt bestehen: Prüfungen sollen Fairness sichern, ohne legitime Bedürfnisse auszuschließen. Eine pauschale technische Kontrolle ist oft zu teuer oder zu invasiv, daher setzen viele Einrichtungen auf dokumentierbare Ausnahmen.
Auch im Markt- und Branchenkontext ist die Entwicklung nachvollziehbar: KI-gestützte Assistenzsysteme sind im Alltag längst präsent, und „Wearables“ werden zunehmend alltagstauglich. Für Hochschulen bedeutet das, dass Richtlinien nicht mehr nur auf klassische Hilfsmittel zielen, sondern auf Geräteklassen, die Schnittstellen zu Kamera, Sprache und Datenverarbeitung mitbringen können. Ob und wie die Universität Patras die Regel künftig konkret durchsetzt, bleibt zwar offen, doch der Schritt zeigt eine klare Richtung: Prüfungen werden stärker als Sicherheits- und Integritätsthemen behandelt, nicht nur als reine Lernkontrollen.
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