BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – iRobot zeigt auf der IFA 2026 mit dem Roomba Duo einen Konzeptaufbau, bei dem ein großer „Can“-Bot per Steam- Reinigung arbeitet und oben ein kleinerer Roboter absenkt. Die Idee zielt auf schwere Einsätze ab und soll klassische Stiel- oder Nass-/Trockensauger im Alltag ersetzen. In der Demo wurden Teppich-Reste nach dem Absaugen anschließend mit Dampf bearbeitet, sichtbar blieb vor allem ein Rückstand. Noch ist offen, ob das Produkt überhaupt in Serie geht und wie hoch der Preis ausfällt.

Auf der IFA 2026 in Berlin präsentiert iRobot mit dem „Roomba Duo“ ein Konzept, das weniger wie ein weiterer All-in-one-Staubsauger wirkt, sondern eher wie ein modulare Reinigungsplattform. Im Zentrum steht eine große Basis im „Can“-Design, die sich vor allem für schwere Verunreinigungen positioniert. Ob das Konzept später als echtes Serienprodukt landet, bleibt allerdings ausdrücklich unklar: In der frühen Phase geht es laut Darstellung des Herstellers darum, Marktreaktionen zu testen und ein mögliches Zukunftsbild für die Bodenreinigung auszuloten.
Technisch auffällig ist die zweite Ebene: In einer Vertiefung oben sitzt ein kleinerer Bot, der bei Bedarf abgesenkt wird. Damit kombiniert das Duo zwei Größenklassen in einem System, statt für alle Aufgaben denselben Roboterfahrzeugsatz einzusetzen. Die Basis soll als „large base unit“ vor allem grobe Arbeit übernehmen und dafür auf Masse setzen: Nach den Angaben im Rahmen der Vorführung ist sie rund zwei Fuß hoch und wiegt etwa 66 lbs, um dabei „extra power“ sowie ein größeres Tankvolumen zu ermöglichen. Interessant ist dabei auch, dass diese Gewichtsklasse eher nach mobiler Reinigungseinheit als nach dem gewohnten kompakten Haushaltsroboter aussieht.
Die Demo, die vor Ort gezeigt wurde, legt den Fokus auf eine Abfolge aus Absaugen und anschließender Dampfreinigung. Auf einem Teppichbereich ließ der Hersteller in der Vorführung Spaghetti fallen, die optisch eher an Öl- und Kräuerrückstände erinnerten als an eine klassische Tomatensauce. Zuerst fuhr die komplette Einheit über den Bereich und saugte die lose Masse ein; danach folgte die Steam-Reinigung. Am Ende blieb sichtbar ein kleinerer Fleck zurück, der in der Erzählung als Rückstand des Öls bzw. der eingefärbten Komponente eingeordnet wurde. Für die Praxis bedeutet das: Das System scheint besonders dann zu punkten, wenn erst mechanisches Entfernen und anschließend Wärmeeinwirkung zusammenwirken.
Nachdem diese Sequenz abgeschlossen war, wechselte das Roomba Duo in den „Robot-in-Robot“-Modus: Die Basis hob den oberen Kopf an, senkte ihn ab und gab den kleinen Mitroboter frei. Dieser Assistent wird als funktionales Gegenstück zur kleineren Roomba Plus 575 beschrieben, also zu einem Modell, das bereits zuvor als „sweeping and mopping“ Roboter für Wischen und Kehren vorgestellt wurde. In der Vorführung wurde gezeigt, dass der kleinere Bot typische Robovac-Arbeiten erledigt, unter einer kleinen Plattform hinweg wischt und dabei mit eng stehenden Beinen über den Boden manövriert. Genau diese Mechanik macht die Idee plausibel: Während die Basis mit Steam und Saugkraft große Flächen und stärker haftende Verschmutzungen angeht, übernimmt der kleine Bot die präzisere Bearbeitung in Zonen, die für einen schweren Allrounder unhandlich wären.
Ob die Dampffunktion wirklich mit „alten“ und hartnäckigen Verschmutzungen mithalten kann, bleibt damit die entscheidende Frage. Skeptisch ist vor allem die Erwartungshaltung: Ölbasierte Flecken, eingebrannte Rückstände oder hartnäckige Spillovers verhalten sich häufig anders als ein einmaliger, relativ frischer Versuch. Gleichzeitig zeigt die Demo, dass das Duo nicht auf „Kleckerarbeit“ reduziert ist, sondern auf solche Szenarien zielt, in denen man einen Roboter normalerweise gar nicht startet. Wenn das System tatsächlich in der Lage ist, große, unordentliche Ereignisse zu entschärfen – etwa nachdem Essen auf dem Boden verschüttet wurde – könnte der Zusatznutzen gegenüber klassischen All-in-ones spürbar werden, weil Zeit und manuelle Nacharbeit sinken.
Auch die Marktdimension ist klar: Falls der Roomba Duo den Sprung vom Konzept in den Handel schafft, dürfte er preislich eher im oberen Segment landen. In der Diskussion vor Ort wurde nicht genannt, wie hoch ein konkreter Betrag wäre; zugleich wird es als wahrscheinlich beschrieben, dass er teurer ausfällt als einige der bereits getesteten, hochpreisigen All-in-one-Bots. Als Vergleich taucht dabei ein Produkt aus dem Marktumfeld mit einem Preis von 1.700 US-Dollar auf. Das ist für Käufer ein Signal, denn ein System mit zwei Robotergrößen, zusätzlichem Dampf-Handling und einem größeren Tankvolumen erzeugt zwangsläufig höhere Stückkosten – und damit auch höhere Anforderungen an Haltbarkeit, Wartungszyklen und die Benutzerfreundlichkeit im Alltag.
Für Unternehmen und Technikinteressierte lässt sich aus dem Roomba Duo vor allem ein Trend ableiten: Bodenreinigung wird zunehmend als orchestriertes Zusammenspiel mehrerer Komponenten gedacht. Statt „ein Roboter muss alles können“ gewinnt das Modell „zwei Modi, zwei Größen, ein System“ an Gewicht. Genau hier liegt auch die potenzielle Betriebslogik im Hintergrund: Ein schwerer Träger übernimmt Intensivreinigung, während ein kleineres Gerät für Feinbereiche und Engstellen zuständig ist. Ob iRobot diese Philosophie später mit stabilen Dampfsensoren, nachvollziehbarer Reinigungsleistung und einem wartungsarmen Tankkonzept umsetzt, wird sich erst zeigen, sobald aus dem Konzept ein konsistentes Produkt- und Servicemodell wird.
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