LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Sicherheitslücke in WhatsApp soll auf bestimmten Android-Smartphones den Zugriff auf die Fotogalerie ermöglichen, obwohl das Gerät gesperrt ist. Laut Sicherheitsforscher Jose Rodriguez lief die Umgehung über einen Umweg während eines Videoanrufs. Wer WhatsApp nutzt, sollte jetzt die App-Version prüfen und Updates einspielen, da die Schwachstelle inzwischen in einer neueren Version geschlossen worden sein soll. Besonders betroffen sein sollen Geräte von Google und Oppo, während bei Samsung keine Ausnutzung gelungen sein soll.

Auf gesperrten Android-Smartphones zählt die Sperrung normalerweise als letzte Hürde, bevor Apps auf persönliche Inhalte wie gespeicherte Fotos zugreifen. Genau hier setzt eine WhatsApp-Sicherheitslücke an: Laut Angaben von Sicherheitsforscher Jose Rodriguez soll es bei bestimmten Geräten möglich gewesen sein, Bilder aus der Fotogalerie anzusehen, obwohl das Telefon zuvor nicht entsperrt wurde. Der entscheidende Ablauf spielt sich dabei nicht in der „normalen“ App-Nutzung ab, sondern über einen Umweg während eines WhatsApp-Videoanrufs.
Der Weg zur Umgehung beginnt dem Bericht zufolge mit dem Annahme eines Videoanrufs auf dem gesperrten Gerät. Sobald der Anruf angenommen ist, sollen sich anschließend Effekte und darin Hintergründe auswählen lassen. In dem Kontext kommt die WhatsApp-Funktion „Create with AI“ ins Spiel, mit der sich während des Videoanrufs unter anderem Hintergründe erstellen und bearbeiten lassen. Wer dann mit Meta AI einen Hintergrund erstellen oder ein vorhandenes Foto bearbeiten wollte, konnte demnach den Zugriff auf die Galerie erhalten – und damit gespeicherte Bilder ohne vorheriges Entsperren sichtbar machen.
Spannend ist weniger die reine Existenz des Fehlers, sondern die technische Schnittstelle, an der er offenbar entsteht. WhatsApp muss während eines Videoanrufs KI-Effekte und Medienbearbeitung anstoßen, und dafür braucht die App typischerweise Zugriff auf Mediendateien. Der Bericht legt nahe, dass Unterschiede in der Implementierung durch die Android-Hersteller dabei eine Rolle spielen: Je nachdem, wie Hersteller den Umgang mit App-Zugriffen auf einem gesperrten Smartphone festlegen, kann die gleiche App-Funktion unterschiedlich „hart“ abgesichert sein. Aus der Ferne soll sich die Lücke nicht ausnutzen lassen, heißt: Eine Angreiferperson braucht physischen Zugriff auf das Smartphone und muss den Videoanruf auf dem gesperrten Gerät annehmen können.
Auch die Zielgeräte ordnen die Brisanz ein. Laut den Angaben des Forschers sollen vor allem Smartphones von Google und Oppo betroffen sein, während sich die Lücke bei Samsung-Geräten dagegen nicht ausnutzen lassen soll. Das ist für den Unternehmens- und IT-Alltag relevant, weil es zeigt, dass Rollouts und Sicherheitsprüfungen nicht nur nach „App verfügbar“ laufen dürfen, sondern nach konkreter Gerätekombination: App-Version, Android-Build und Hersteller-Sicherheitslogik greifen hier zusammen. Gleichzeitig unterstreicht der eingeschränkte Angriffsweg den praktischen Kontext: Die Lücke ist kein rein remote auslösbarer Massenangriff, aber sie kann in Situationen mit direktem Zugriff – etwa bei kurzzeitig übergebenen Geräten – schnell zum Datenschutzproblem werden.
Die zeitliche Einordnung fällt ebenfalls klar aus. Der Sicherheitsforscher Jose Rodriguez meldete das Problem eigenen Angaben zufolge sowohl an Meta als auch an Google. In WhatsApp-Version 2.26.34.81 im Google Play Store soll die Schwachstelle inzwischen geschlossen worden sein. Für Android-Nutzer bedeutet das: Jetzt ist der richtige Moment, die installierte WhatsApp-Version zu prüfen und verfügbare Updates einzuspielen. Wer noch auf einer älteren Version steckt, sollte die Aktualisierung nicht „auf später“ verschieben, weil der Lückenschließungs-Mechanismus nur dann greift, wenn die betroffene App-Variante tatsächlich ersetzt wird.
Für Administratoren und Security-Teams in Unternehmen ist die Meldung zudem ein Reminder für App-Control und Mobile-Device-Policies. Selbst wenn eine Sperrbildschirm-Policy grundsätzlich aktiv ist, kann eine App über spezifische Features wie KI-gestützte Effekte in einen Modus wechseln, der andere Rechte- und Zugriffswege öffnet. Das spricht für eine konsequente Aktualität von Unternehmens-Geräteflotten, zusätzlich zu technischen Kontrollen wie MDM-Regeln, die zumindest das Risiko über veraltete App-Versionen reduzieren. Neben WhatsApp zeigt die Story außerdem, wie stark die KI-Funktionalität inzwischen in den Medien-Workflow integriert ist – und damit auch die Angriffsfläche dort vergrößern kann, wo Dateien „aus Medienquellen“ in Live-Kontexten eingebunden werden.
Da die Maßnahme in diesem Fall mit einem Update verbunden ist, liegt der Fokus für betroffene Nutzer pragmatisch auf der schnellen Versionsermittlung. Wer in einer Organisation Sicherheitsrichtlinien für Messenger-Kommunikation betreibt, kann die Meldung zum Anlass nehmen, den Update-Status besonders bei Geräten der genannten Hersteller zu verifizieren. Gleichzeitig bleibt eine nüchterne Einordnung wichtig: Die Schwachstelle setzt einen konkreten Schritt im Videoanruf-Flow voraus und erfordert physischen Zugriff. Dennoch ist der Datenschutz-Fundamentstein betroffen – der unentsperrte Zugriff auf persönliche Fotodaten. Genau deshalb sollte die App-Modernisierung jetzt Priorität haben, bevor die Lücke im Alltag weiter „auf alten Geräten“ herumliegt.
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