LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Jobbewerberin äußerte auf LinkedIn, die Website der Männerpflege-Marke Mannlich sei „sehr abstoßend“ und fühle sich an, als werde mit nackten Männern verkauft. Der Gründer und CEO Pritam Kudev antwortete darauf und erklärte, die Seite sei bewusst für eine bestimmte Zielgruppe gebaut, um andere abzuschrecken. Später teilte er einen Screenshot der Unterhaltung erneut und griff zudem den Einsatz von Outreach-Templates an. Damit rückt ein Konflikt zwischen Markenpositionierung, UX-Performance und Recruiting-Kommunikation in den Fokus.

LinkedIn-Dispute: Gründer kritisiert „Website“ nach „Disgusting“-Kommentar
LinkedIn-Dispute: Gründer kritisiert „Website“ nach „Disgusting“-Kommentar (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Streit beginnt eigentlich ganz unscheinbar: Eine Kandidatin sucht Arbeit, schreibt dem Startup-Gründer Pritam Kudev über LinkedIn und formuliert nach dem Besuch von Website und Produkten eine sehr klare Abneigung. In ihrem Post beschreibt sie das Erscheinungsbild als „cringed hard“ und nennt die Seite „very repelling“ – sie habe sich dabei eher daran erinnert gefühlt, als würden Bilder von Männern „verkauft“, statt eine kuratierte Produktlinie mit nachvollziehbaren Inhaltsstoffen zu präsentieren. Interessant ist dabei weniger der Geschmackspunkt an sich, sondern die Wirkungskette: Aus einer ersten Marketing-Berührung wird ein reputationsrelevantes Signal, das potenziell auch die spätere Bewerbung beeinflusst.

Technisch greift die Kandidatin zusätzlich zwei konkrete Aspekte auf: Zum einen wünscht sie sich, die Website „simpler“, „gender-friendly“ und „welcoming“ zu gestalten. Zum anderen erwähnt sie, sie sei Entwicklerin und habe bemerkt, dass die Seite „lagging“ wirke. Das ist für Startups ein typisches Spannungsfeld zwischen visueller Ansprache und Performance. Gerade im Recruiting, wo sich Kandidatinnen und Kandidaten oft erst nach einem schnellen Check entscheiden, kann schon eine spürbare Verzögerung im Seitenaufbau den Eindruck von Professionalität und Produktreife verschieben. In der Praxis hängt das nicht nur an der Bildgröße, sondern auch an der Frontend-Performance, etwa der Lade-Reihenfolge von Assets und der Effizienz von Skripten, die für Interaktionen geladen werden.

Die Antwort von Kudev fällt dann bewusst konfrontativ aus. Er bedankt sich zunächst für das ehrliche Feedback und erklärt anschließend, die Website sei für eine bestimmte Art von Kundschaft gemacht worden – und genau diese solle dadurch angesprochen werden, während andere Nutzer bewusst „abgeschreckt“ würden. Darin steckt eine nachvollziehbare Markenlogik: Manche D2C-Marken setzen auf provokante Bildwelten oder klare Zielgruppenrhetorik, um Aufmerksamkeit zu bündeln. Gleichzeitig verschiebt sich die Debatte von „Wie wirkt die Seite?“ zu „Wie definiert die Marke Abgrenzung?“ und damit zu einem Risiko für jedes Setup, in dem die Website gleichzeitig als Vertriebs- und Recruitingfläche fungiert. Wenn die gleiche Seite potenzielle Kundschaft und potenzielle Mitarbeitende erreicht, wird jedes „repellent“ in Social Media schnell zu einem Multi-Channel-Thema.

Später veröffentlicht Kudev einen Screenshot der Interaktion erneut und verschärft die Tonlage. In dem Beitrag kritisiert er, wer diese Art von Outreach-Templates für die Ansprache einsetze, und formuliert außerdem abwertende Kommentare zur körperlichen Erscheinung. Zudem lädt er weitere Kandidaten ein, sich für Möglichkeiten im Bereich Marketing, Content und Operations zu bewerben, und fordert Menschen auf, die nicht durch die Website „repelled“ würden, ihr Portfolio zu teilen. Diese Kombination – öffentliche Wiederverwertung des Konflikts plus Aufruf zum Bewerbungsprozess – macht aus einer Einzelfeedback-Schleife eine Art Mini-Kampagne. Für Unternehmen ist das eine Gratwanderung: Social Proof und Authentizität können steigen, aber ebenso kann eine „Do-or-Die“-Inszenierung die Arbeitgebermarke beschädigen, wenn sie als mangelnde Sensibilität wahrgenommen wird.

Aus Markt-Sicht zeigt der Fall auch, wie eng UX-Entscheidungen mit Content- und Markenstrategie verknüpft sind. Eine Männerpflege-Marke steht oft vor der Herausforderung, Relevanz zu erzeugen, ohne in Stereotype abzurutschen. Das beginnt bei Textsprache, Bildauswahl und Produktlogik – und endet in der Frage, wie schnell Nutzerinnen und Nutzer verstehen, wofür das Angebot steht. Wenn eine Kandidatin den Eindruck bekommt, es gehe „nicht um Zutaten“ und mehr um die Inszenierung von Körpern, dann ist das nicht nur ein Designproblem, sondern ein Copy- und Informationsarchitekturproblem. Umgekehrt kann die Teamseite für Marketing und Content exakt dort ansetzen: Produktvorteile, Herkunft, Rezepturen und Anwendungsversprechen müssen so aufgebaut sein, dass sie auch diejenigen überzeugen, die sich nicht in die ursprünglich intendierte Bildsprache hineinversetzen.

Ein weiterer technischer Punkt ist die Aussage „lagging“. In der Realität sehen Nutzer Verzögerungen auf sehr unterschiedliche Weise: Sie erleben lange Ladevorgänge, ruckelige Übergänge oder Trägheit bei Scroll- und Hover-Interaktionen. Für Betreiber bedeutet das, dass Performance-Metriken wie Time to First Byte, Largest Contentful Paint oder Cumulative Layout Shift zwar im Hintergrund gemessen werden, aber in der Wahrnehmung schnell als „unprofessionell“ oder „unfertig“ ankommen. Für ein Startup ist das besonders relevant, weil die Website häufig in mehreren Rollen gleichzeitig dient: als Shop-Front, als Vertriebsinstrument für Kampagnen und als erster Eindruck im Bewerbungsprozess. Selbst wenn das Angebot gut ist, kann eine schwankende Performance den Conversion Funnel und die Recruiting-Rate gleichzeitig drücken.

Am Ende bleibt die eigentliche Unternehmensaufgabe klar: Feedback intern trennen und die richtigen Hebel wählen. Kudev signalisiert zwar, dass er Abgrenzung für Teil seiner Markenpositionierung hält, aber die Kandidatin adressiert gleichzeitig konkrete Verbesserungspunkte bei UX, Tonalität und Geschwindigkeit. Für andere Startups liefert der Vorfall damit eine zweifache Lehre: Erstens sollte die öffentliche Reaktion auf Kritik nicht nur die eigene Position verteidigen, sondern auch den Ton so steuern, dass Kandidaten sich ernst genommen fühlen. Zweitens lohnt sich ein systematischer Blick auf Performance und Informationsgestaltung, damit die Website nicht nur Aufmerksamkeit erzeugt, sondern in der Praxis verstanden wird – von Kundschaft und Mitarbeitenden gleichermaßen. Ob Mannlich nach dem Hype weiter auf die gleiche Bildsprache setzt oder die Seite tatsächlich „simpler“ und „welcoming“ umstellt, entscheidet sich letztlich daran, ob aus dem Konflikt messbar bessere Nutzerpfade entstehen.


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