LONDON (IT BOLTWISE) – Quirion legt Details zum neuen staatlich geförderten Altersvorsorgedepot vor, das ab 1. Januar 2027 die Riester-Rente ersetzen soll. Das Depot setzt auf zwei breit gestreute ETFs von Vanguard mit laufenden Kosten von 0,07 Prozent beziehungsweise 0,08 Prozent pro Jahr. Der Anbieter will weder Abschlussgebühren noch Provisionen verlangen und positioniert sich damit klar im Preiskampf zu Scalable. Verbraucherschützer raten dennoch, Angebote zunächst zu vergleichen, weil Verträge oft über Jahrzehnte laufen.

Der Preisdruck auf das neue staatlich geförderte Altersvorsorgedepot nimmt spürbar zu: Nach der Ankündigung eines gebührenfreien Standarddepots rüstet nun auch Quirion nach und nennt konkrete Bausteine für den Start zum 1. Januar 2027. Hintergrund ist der gesetzliche Auftrag, die Riester-Rente abzulösen und Sparern künftig den Einstieg in fonds- und ETF-basierte Lösungen zu erleichtern. Für viele Interessenten klingt das zunächst wie ein einfacher Wechsel des Produktmantels, wirtschaftlich entscheidet aber vor allem die Kostenstruktur darüber, wie viel Rendite am Ende wirklich übrig bleibt.
Technisch betrachtet ist das Standarddepot als „einfache Variante“ gedacht: Es übernimmt die vorgeschriebene Mischung aus einem chancenorientierten und einem risikoärmeren Investment, damit Sparer nicht selbst die ETF- oder Fonds-Kombination zusammenstellen müssen. Quirion plant dafür eine feste ETF-Konstruktion, statt viele Wahloptionen anzubieten. Konkret sollen zwei Vanguard-ETFs eingesetzt werden: der Vanguard FTSE Global All-Cap mit laufenden Fondskosten von 0,07 Prozent pro Jahr sowie der Vanguard Global Aggregate Bond EUR Hedged mit 0,08 Prozent pro Jahr. Wichtig ist dabei die praktische Übersetzung für Anleger: Die laufenden Kosten wirken nicht nur im ersten Jahr, sondern über die gesamte Haltedauer exponentiell stärker auf den Endwert.
Quirion will seine Kostenargumentation gleich zweifach untermauern. Zum einen soll es laut Angaben des Unternehmens keine eigenen Abschlussgebühren oder Provisionen geben. Zum anderen ist auch das Angebot selbst als „kostenfrei“ für den Einstieg geplant, sodass die Kosten primär in den ETFs entstehen. Genau diese Logik greift auch der Vergleich zur Konkurrenz: Scalable hatte zuvor für die Standardversion des Altersvorsorgedepots keine Gebühren für Depotführung, Sparpläne sowie Käufe und Verkäufe angekündigt und die Kosten innerhalb der eingesetzten ETFs verortet. Dabei wollte Scalable die laufenden Fondskosten bei maximal 0,15 Prozent pro Jahr halten und im ersten Jahr sogar auf 0,00 Prozent senken.
Der regulatorische Rahmen liefert die Messlatte. Für das Standarddepot gilt ein gesetzlicher Kostendeckel von 1 Prozent jährlicher Effektivkosten. Verbraucherschützer hatten diese Schwelle zuvor kritisiert und damit eine Entwicklung angestoßen, bei der Anbieter im Wettbewerb versuchen, deutlich unterhalb dieser Grenze zu bleiben. Quirion setzt dafür auf eine klar definierte Zwei-ETF-Kombination mit insgesamt niedrigen laufenden Fondskosten. Über den reinen Prozentwert hinaus ist entscheidend, wie sich die ETF-Auswahl mit dem gesetzlich geforderten Risiko-Profil der Standardvariante verträgt und welche Schwankungsbreite Anleger in der praktischen Umsetzung tatsächlich erleben.
Wie stark Kosten über lange Zeiträume wirken, macht Quirion in einer Beispielrechnung greifbar: Bei einem monatlichen Eigenbeitrag von 200 Euro und maximaler staatlicher Grundzulage ergibt sich ein Sparbetrag von 245 Euro. Bei einer angenommenen Bruttorendite von 7 Prozent pro Jahr über 30 Jahre läge das Endkapital ohne Kosten bei rund 288.000 Euro. Bei 1 Prozent Kosten wären es laut Beispiel nur noch etwa 240.000 Euro, also rund 48.000 Euro weniger. Diese Differenz zeigt weniger „Zukunftsgewinne“ als vielmehr die Mechanik, warum sich die Auswahl des Anbieters im Wettbewerb derzeit so stark über Gebührenlogik entscheidet.
Gleichzeitig mahnt der unabhängige Geldratgeber Finanztip zur Geduld. Finanztip betont den frühen Wettbewerb zwar grundsätzlich als positiv, empfiehlt aber, sich nicht vorschnell festzulegen, weil die neuen Produkte ohnehin erst ab 2027 abgeschlossen werden können. In diesem Kontext hebt Finanztip-Chefredakteur Saidi Sulilatu hervor, dass bei einem Vertrag, der häufig über Jahrzehnte laufen soll, der genaue Blick auf Kosten, Leistungen und erwartbare Rendite entscheidend ist. Wichtig sei zudem nicht nur, wie günstig ein Depot wirkt, sondern auch welche Fonds und ETFs tatsächlich zur Verfügung stehen. Für Verbraucher bedeutet das: Selbst wenn zwei Anbieter ähnlich niedrige Effektivkosten versprechen, kann die konkrete ETF-Zusammensetzung, das steuerliche oder administrative Setup und die tatsächliche Ausführung in der Praxis Unterschiede erzeugen.
Für bestehende Riester-Sparer wird die Entscheidung besonders individuell. Laut Finanztip kommen neben neuen Kunden auch Millionen bestehender Riester-Vertragsinhaber als potenzielle Wechsler infrage; ob sich ein Wechsel lohnt, hängt jedoch vom Einzelfall ab – etwa von bisherigen Kosten, vorhandenen Garantien, den erhaltenen Zulagen und der verbleibenden Laufzeit. Anders als beim reinen „Neukauf“ steht hier weniger der Konkurrenzvergleich im Vordergrund, sondern die Bilanz aus Altvertrag und neuer Kosten- und Renditeerwartung. Wer Anfang 2027 wirklich wechseln möchte, sollte daher nicht nur auf Werbeaktionen, Wartelisten oder Vorregistrierungen schauen, sondern die Angebote anhand der konkreten Kostenebenen und der Fondslogik systematisch vergleichen.
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