LONDON (IT BOLTWISE) – Forschende beschreiben einen Zusammenhang zwischen Methylierungs-Mustern an Dopamin-Genen und kreativen Denkleistungen bei männlichen Teenagern. Im Fokus der Ergebnisse steht insbesondere das Gen MAOB, dessen Aktivitäts-Regelung offenbar mit mehreren Maßen des divergenten Denkens verknüpft ist. Die Studie nutzt Speichelproben, um DNA-Methylierung zu messen, und ergänzt Divergent-Tests um eine konvergente Aufgabenstellung. Entscheidend ist dabei: Die genetische Sequenz wird nicht verändert, vielmehr rückt die Regulation der Genaktivität über Epigenetik in den Mittelpunkt.

Die Vorstellung, dass Kreativität allein „im Kopf“ entsteht, wird durch die Epigenetik zunehmend komplizierter. In einer Studie, die in Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts veröffentlicht wurde, untersuchten Forschende die Frage, wie molekulare Markierungen an einem Dopamin-Gen-System die Fähigkeit zu kreativem Denken im Jugendalter mitprägen könnten. Dabei geht es nicht um eine Veränderung der DNA-Bausteine selbst, sondern um chemische Etiketten, die steuern, wie stark ein Gen genutzt wird. Gerade in der Pubertät treffen Entwicklungsdynamik und Umweltfaktoren aufeinander – und genau diese „Übergangsphase“ macht die Hypothese biologisch plausibel.
Technisch betrachtet lässt sich der Gedankengang an zwei Ebenen erklären. Kreativität wurde im Design der Arbeit in divergentes und konvergentes Denken aufgespalten: Divergentes Denken zielt darauf, zu einer offenen Fragestellung möglichst viele neuartige Ideen zu generieren, während konvergentes Denken Informationen so verdichtet, dass am Ende eine richtige Lösung plausibel wird. Beide Formen greifen in der kognitiven Praxis häufig auf neuronale Schaltkreise zurück, in denen Dopamin als Neurotransmitter eine Rolle spielt – etwa bei Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und der Fähigkeit, impulsive Antworten zu hemmen. Entscheidend ist dann, dass nicht nur die Genvarianten im Sinne der DNA-Sequenz relevant sind, sondern zusätzlich, wie „lesbar“ diese Gene in unterschiedlichen Körperzuständen werden.
Der epigenetische Schlüsselmechanismus, den die Forschenden messen, ist DNA-Methylierung: winzige chemische Tags, die an bestimmten Regionen des Erbguts sitzen und damit die Genexpression nach oben oder unten verschieben können. In der Studie ging das über reine Genotypisierung hinaus, weil die Forschenden gezielt nach Methylierungsniveaus in Regionen suchten, die an der Dopamin-Signalgebung beteiligt sind. Dafür erhielten 95 Schülerinnen und Schüler (Durchschnittsalter rund 13 Jahre) in China Speichelproben und absolvierten mehrere Aufgaben zum divergenten Denken. Die Tests waren teils verbal, etwa mit der Aufgabe, alternative Verwendungszwecke für ein Alltagsobjekt zu nennen, und teils visuell, bei denen zu mehrdeutigen Linienzeichnungen möglichst viele Interpretationen beschrieben werden sollten. Die Auswertung berücksichtigte nicht nur die reine Zahl der Ideen, sondern auch Kategorienvielfalt und Originalität – also Dimensionen, die typischerweise in Kreativitätsforschung genutzt werden, um mehr als bloße Produktivität zu erfassen.
In dieser ersten Kohorte zeigte sich ein differenziertes Bild über mehrere Gene: Methylierung am COMT-Gen hing mit der Anzahl der Ideen und der Flexibilität zusammen, die in den visuellen Aufgaben sichtbar wurde. Für DRD4 wurde eine Assoziation mit visueller Kreativität und verbaler Flexibilität berichtet. Am konstantesten fiel jedoch das MAOB-Gen auf: Dessen durchschnittliches Methylierungsniveau stand in positivem Zusammenhang mit allen sechs Messgrößen des divergenten Denkens. Um auszuschließen, dass es sich nur um einen Zufallseffekt handelt, rekrutierten die Forschenden anschließend eine zweite Stichprobe mit 169 etwas älteren Jugendlichen. Auch hier wurden Divergenzaufgaben genutzt; zusätzlich kam eine konvergente Prüfung hinzu, die als Remote-Association-Test umgesetzt war – mit dem Prinzip, aus drei Zeichen ein viertes zu finden, das zu sinnvollen Wörtern mit den jeweiligen Ausgangsbegriffen passt. Wiederum wurden Speichelproben erhoben und dieselben sechs Dopamin-Gene sequenziert.
Die Replikation lieferte erneut auffällige Muster, allerdings mit einer zentralen Zusatzbedingung: Für das DAT-Gen wurde in der zweiten Gruppe eine Assoziation mit allen sechs divergenten Denkwerten gefunden, und MAOB blieb das dominierende Signal. Interessant war außerdem, dass MAOB-Methylierung mit besseren Ergebnissen im konvergenten Test verknüpft war – zumindest in dieser zweiten Kohorte. Als die Forschenden MAOB-Metadaten genauer betrachteten, trat dann eine Geschlechts-Spezifik zutage: Die Assoziation zwischen MAOB-Methylierung und Divergenzdenken war ausschließlich bei männlichen Jugendlichen erkennbar. Als biologische Erklärung wird dabei unter anderem die Chromosomensituation herangezogen: MAOB liegt auf dem X-Chromosom. Frauen besitzen zwei X-Chromosomen, wobei in der Entwicklung typischerweise eines stillgelegt wird; diese Dosisausgleichs-Strategie nutzt stark epigenetische Prozesse wie Methylierung. In Kombination mit hormonellen Einflüssen könnte das dazu führen, dass sich die gemessenen Methylierungseffekte nicht 1:1 in beiden Geschlechtern abbilden.
Auch die Lokalisation der Methylierung im Gen lieferte Hinweise auf mögliche Wirkmechanismen. Die Assoziation wurde im „Körper“ des MAOB-Gens beobachtet, nicht in der Promoter-Region – jener Abschnitt, der häufig als primärer Schalter für das Ein- und Ausschalten einer Genexpression gilt. Dass Methylierung innerhalb von Genkörpern mit einem mittleren Expressionsniveau verbunden sein kann, passt zum theoretischen Modell, das die Autoren im Hintergrund erwähnen: Dopamin-Aktivität wird häufig als Kurve beschrieben, die bei zu viel oder zu wenig ungünstig für Kreativität sein kann – stattdessen soll eine mittlere Aussteuerung kognitiv-flexibles Problemlösen unterstützen. Daraus ergibt sich die Hypothese, dass MAOB-Methylierung indirekt dabei helfen könnte, ein Gleichgewicht der Dopamin-„Dosis“ in relevanten Hirnnetzwerken zu halten.
Gleichzeitig betont die Arbeit mehrere Einschränkungen, die für die Interpretation wichtig sind. Die Teilnehmerzahlen in beiden Gruppen sind relativ überschaubar, wodurch schwache Zusammenhänge schwerer zu erkennen sind und Fehlalarme wahrscheinlicher werden können. Zudem waren die Signale bei COMT, DRD4 und DAT über beide Kohorten hinweg nicht durchgängig konsistent. Ein weiteres methodisches Detail betrifft die Messmatrix: Speichel dient als praktischer Proxy, doch Methylierungsmuster unterscheiden sich zwischen Geweben. Es bleibt damit offen, wie gut die Speichelwerte die epigenetischen Zustände in tatsächlich relevanten Hirnregionen abbilden. Schließlich wurden die Zusammenhänge ausschließlich bei Jugendlichen untersucht; Epigenetik ist dynamisch und kann sich mit dem Alter deutlich verändern. Entsprechend versteht sich die Studie als Startpunkt für neue Hypothesen – nicht als endgültiger Beweis dafür, dass epigenetische Markierungen „Kreativität erzeugen“. Spannend wird für die nächste Forschungsphase vor allem, ob sich Umweltfaktoren wie Stress zeitlich mit Methylierungsänderungen verknüpfen lassen und ob das Muster dann in größeren, über längere Zeiträume beobachteten Kohorten bestätigt werden kann.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Epigenetik und Kreativität: Dopamin-Gen-Methylierung bei Teenagern" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Epigenetik und Kreativität: Dopamin-Gen-Methylierung bei Teenagern" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Epigenetik und Kreativität: Dopamin-Gen-Methylierung bei Teenagern« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!