NATIONAL HARBOR / LONDON (IT BOLTWISE) – Die U.S. Space Force bereitet neue Satellitenflotten vor, die bewegliche Ziele in der Luft und am Boden verfolgen sollen. Dafür laufen sowohl Ground-Moving-Target-Indicator-Programme als auch die ersten space-basierten Air-Moving-Target-Indicator-Satelliten an. Parallel wird die operative Struktur aufgebaut, um die Daten aus dem Weltraum mit anderen Quellen zu fusionieren und Entscheidungen für den Einsatz vorzubereiten. Offen bleibt dabei, wie schnell und wie präzise die Signalketten aus Satellit, Verarbeitung und Zielzuweisung in der Praxis zu verwertbaren Spuren zusammenfinden.

Die Planungen der U.S. Space Force zielen auf eine Lücke, die sich in der traditionellen Zielaufklärung immer deutlicher abzeichnet: Bewegliche Ziele wie Drohnen, Flugzeuge oder Bodenobjekte müssen nicht nur gefunden, sondern auch in Echtzeit so verfolgt werden, dass daraus eine verlässliche Einsatzkette entsteht. In der Vergangenheit lief das häufig über große Flugzeuge wie die E-3 Sentry, doch die Sorge wächst, dass solche Plattformen durch moderne Langstreckenwaffen verwundbar sind. Genau hier setzt die aktuelle Ausrichtung an, die auf eine stärkere Verlagerung dieser Tracking-Fähigkeiten in den Weltraum setzt und damit auch die Robustheit gegen Anti-Access-/Aerial-Denial-Szenarien erhöhen soll.
Technisch betrachtet steht dabei die Frage im Zentrum, wie aus Aufklärungsdaten „klare Spuren“ (Tracks) für dynamische Ziele werden, die zeitlich und in der Genauigkeit zu den nachgelagerten Entscheidungsschritten passen. Laut den Angaben aus dem Umfeld der Programme gilt das Vorhaben als noch im Aufbau befindlich: Noch müsse sich zeigen, ob eine Satellitenkonstellation die nötige Aktualität liefert, um bewegliche Flugbahnen kontinuierlich zu verfolgen und nutzbar aufzubereiten. Die grundsätzliche Idee ist jedoch bereits vorgeprägt: Der National Reconnaissance Office (NRO) hat im Rahmen seiner multimission-fähigen proliferated low-Earth-orbit-Konstellation bereits Ground Moving Target Indicator, kurz GMTI, Satelliten gestartet. Damit existiert ein technischer Startpunkt, an dem die spätere Systemkette ansetzen kann.
Während GMTI-Ableitungen aus dem erprobteren NRO-Ansatz weiterlaufen, konkretisiert die Space Force die nächsten Schritte für den space-basierten GMTI. Lt. Gen. Gregory Gagnon, Leiter der Combat Forces Command, sagte am 16. September, die Space Force erwarte, innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre eine neue GMTI-Fähigkeit namens Resilient Radar System-Ground zu starten. Die zuständige Industrie baut diese Raumfahrzeuge demnach durch Northrop Grumman. Parallel entsteht damit auch der Pfad für AMTI, den Air Moving Target Indicator: Hier kündigte Air Force Secretary Troy Meink am 14. September an, dass die ersten space-based AMTI-Satelliten noch in diesem Monat gestartet werden sollen.
Beim operativen Rollout zeigt sich außerdem, wie eng Beschaffung, Integration und Einsatzarchitektur miteinander verzahnt werden. Laut der Beschreibung haben Acquisition-Officials bislang keine Detailzahlen zu der Menge der Satelliten genannt und auch keinen festen Starttermin über die erwartete Monatsplanung hinaus kommuniziert. Als einziger, öffentlich geführter Start in diesem Monat gilt laut dem angegebenen Kontext USSF-259: ein klassifizierter Payload, der am 16. September vom Vandenberg Space Force Base in Kalifornien mit einer SpaceX Falcon 9 abheben soll. Bereits zuvor hat die Space Force im Mai einen Vertrag vergeben, der laut Quelle ein Volumen von bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar für den Aufbau der AMTI-Konstellation vorsieht und SpaceX als einen von zwölf ausgewählten Anbietern einbindet.
Auf der Zeitschiene nennt Col. Ryan Frazier, portfolio acquisition executive für space-based sensing und targeting, eine Zielmarke: Die Space Force erwarte eine usable space-based AMTI-Fähigkeit bis 2028. Gleichzeitig betont die Quelle, dass es sich dabei zunächst um den ersten Baustein einer größeren Architektur handelt und nicht um eine vollständige Endlösung. Für die Systemperspektive ist das entscheidend: Erst wenn die nachgelagerten Funktionen greifen – also die Verarbeitung der Sensordaten, das Battle Management der eingehenden Informationen und die Übergabe an die „shooters“ inklusive der notwendigen Zeitlatenzen – wird aus einem Signal überhaupt ein einsatzreifes Targeting. Frazier verweist zudem darauf, dass die ersten AMTI-Deliveries als baseline dienen sollen, um Konstellationsparameter sowie Verarbeitungsalgorithmen zu kalibrieren.
Damit die Architektur nicht nur auf dem Papier steht, wird parallel die organisatorische Seite hochgefahren. Laut den Angaben ist am 31. Juli das 77th Surveillance Squadron innerhalb der Space Delta 7 aktiviert worden. Diese Einheit soll die durch AMTI- und GMTI-Satelliten gesammelten Informationen so aufbereiten und bereitstellen, dass Entscheidungsträger über einen möglichen Angriff auf ein konkretes Ziel befinden können. Gagnon beschreibt den Arbeitsmodus dabei als datengetriebene Fusion: Informationen aus der „space layer“ werden mit weiteren Quellen und Intelligence-Inhalten zusammengeführt, bevor Entscheidungen über Waffenengagement getroffen werden.
Auf der Kommandowebene wird schließlich ein Concept of Operations vorbereitet, das beschreibt, wie Operatoren den neuen Mission-Cluster in der Praxis nutzen. U.S. Space Command arbeitet dafür laut Quelle mit anderen combatant commands sowie mit der Intelligence Community an diesem Dokument. Der Commander, Gen. Stephen Whiting, sagte am 16. September, man solidifiziere zusammen mit Space Force und NRO einen Übergabeplan: Sobald die Satelliten als operations-ready gelten, sollen sie vom Systemkontext in die Kommandoverantwortung überführt werden. Whiting ordnet das als „neues und anderes“ Vorgehen ein, hebt aber zugleich hervor, dass Erfahrungen aus AMTI und GMTI in anderen Domänen bereits als Lernbasis dienen.
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