LONDON (IT BOLTWISE) – Gen. Douglas Schiess hat auf der Air, Space & Cyber Conference seine Prioritäten vorgestellt, um die Einsatzfähigkeit der Space Force zu stärken. Er setzt dabei auf ein einheitliches Guardian-Ethos, den Ausbau von Fähigkeiten im All sowie die direkte Einbindung von Space-Spezialisten in den Joint-Battle. Bemerkenswert ist der Hinweis auf eine on-demand Reaktion auf eine Bedrohung im Orbit innerhalb von 17 Stunden. Ergänzt wird das Konzept durch eine Trainings- und Einsatz-Pipeline sowie Unterstützungssysteme für Familien.

Space Force: Schiess setzt auf Guardian Ethos, skalierbare Einsatzkraft und Abschreckung
Space Force: Schiess setzt auf Guardian Ethos, skalierbare Einsatzkraft und Abschreckung (Foto: IT BOLTWISE)
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Gen. Douglas Schiess hat seine Agenda für die nächsten Jahre in einer Keynote auf der 2026 Air, Space & Cyber Conference umrissen – und dabei bewusst den Blick weniger auf einzelne Programme, sondern auf die Funktionsfähigkeit der Space Force als kampfgleiches System gerichtet. Der Chief of Space Operations stellte heraus, dass die Guardians als gemeinsames Team auftreten sollen: Jeder Guardian sei zuerst „Guardian“, bevor er sich in Rollen wie Beschaffer (acquirer), Space Operator, Intelligence Analyst oder Cyber Operator spezialisiert. Diese Schwerpunktsetzung ist inhaltlich mehr als Rhetorik, weil sie die gesamte Ausbildungs- und Organisationslogik auf einen gemeinsamen Auftrag zuschneidet: schneller handeln, koordiniert liefern und die Handlungsfähigkeit über Domänengrenzen hinweg sicherstellen.

Technisch betrachtet beginnt das Fundament mit Werten und einer operativen Kultur. Schiess verankerte die erste Linie („Forge the Guardian Ethos“) in Character, Connection, Commitment und Courage. Entscheidend ist, dass die Space Force dabei laut seinen Ausführungen als eine Einheit denkt, die „zusammen als ein Guardian team“ agiert und auf Training und Ausstattung setzt, um einen besonderen Vorteil im „space warfighting“ zu schaffen. Ergänzend verwies er auf Space Force Military Training Instructors, die neue Rekruten im Basic Military Training vorbereiten, und auf den Umstand, dass die jüngsten Guardians heute Aufgaben übernehmen, die vor wenigen Jahren noch als Science-Fiction galten. Damit wird eine Brücke geschlagen zwischen Ausbildung, Rollenwechseln und dem Tempo, mit dem sich operative Fähigkeiten in neuen Einsatzrealitäten beweisen müssen.

Die zweite Linie („Arm and Grow the Guardian Force“) verknüpft diese Kultur mit der harten Realität gegenläufiger Entwicklung: Schiess betonte, dass die Vorteile von heute nicht automatisch für morgen gelten. Angreifer seien entschlossen und glaubwürdig unterwegs, bauen und stationieren „counterspace“-Systeme in sehr hoher Geschwindigkeit, um gezielt den US-Vorteil im Weltraum anzuvisieren. In der Keynote wird deshalb der Ansatz sichtbar, nicht nur die Domäne zu beobachten („monitor the domain“), sondern verteidigungsbereit zu bleiben. Zentral ist dabei die Aussage, dass Guardians „on-orbit weapons“ betreiben, die das Joint Force gegen Angriffe aus dem Weltraum schützen können. Daraus folgt ein nicht-triviales Belastungsprofil für Planung und Betrieb: Fähigkeiten müssen nicht nur verfügbar sein, sondern im Ernstfall auch in eine abgestimmte Reaktionskette übergehen – mit klaren Entscheidungen, verantwortungsbewusstem Aufbau und konsequenter Skalierung der Antwortfähigkeit.

Für die praktische Dimension brachte Schiess außerdem ein konkretes Beispiel: eine Mission namens VICTUS HAZE, die demonstriert habe, dass ein Start und eine Reaktion auf eine Bedrohung im Orbit innerhalb von 17 Stunden möglich sind. Laut seinen Worten entstand diese Geschwindigkeit durch Zusammenarbeit mit Industriepartnern sowie durch die Nutzung mehrerer Akquisitions- und operativer Space-Force-Einheiten. Genau hier liegt der technische und organisatorische Kern: Eine solche „Launch-and-respond on-demand“-Kette verlangt abgestimmte Workflows zwischen Beschaffung, Integration, operativer Steuerung und der Fähigkeit, Bedrohungslagen schnell in Handlungen zu übersetzen. Schiess verband das mit einem Hinweis, dass „Space Systems Command“, Industriepartner und Combat Forces Command der Welt gezeigt hätten, dass ein Angriff auf die Space Force nicht zu langen Reaktionszeiten führt. Für Unternehmen, die im Zuliefer- und Integrationsumfeld arbeiten, ist das zugleich ein Signal: Reaktionsgeschwindigkeit entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern durch wiederholbare Prozesse, saubere Schnittstellen und den Mut, Transformationsschritte nicht nur zu planen, sondern in laufenden Operationen zu testen.

Die dritte Linie („Integrate Guardian Power at Scale“) verschiebt dann den Schwerpunkt auf die Einbettung in reale Gefechtsräume. Schiess beschrieb die Notwendigkeit, Guardians an den „frontlines“ zu platzieren und Space-Expertise direkt in die „Joint battlespace“ zu bringen. Als anschauliches Beispiel nannte er eine Geschichte eines Guardians, der mit dem 42nd Electronic Warfare Detachment in den CENTCOM-Verantwortungsbereich entsandte. Kurz nach Beginn von „Operation Epic Fury“ musste das Team laut Darstellung sein Waffensystem neu konfigurieren und „critical non-kinetic fires“ durchführen, während Raketenangriffe liefen; die Person habe bis zur Anordnung zur Sicherheit am Arbeitsplatz (am console) verblieben. Diese Schilderung soll nicht nur die Einsatzhärte zeigen, sondern auch einen organisatorischen Punkt stützen: Guardians würden nicht „from the sidelines“ agieren – also nicht als „nice to have“ am Rand, sondern als „need to have“ mit direkter Wirkung in den Komponenten von U.S. Central Command und Space Command, unterstützt durch Komponenten bei European Command und Pacific Command.

Der Ausblick schließt dabei nicht mit reiner Vision, sondern mit operativen Anforderungen an die Zukunftsfähigkeit. Schiess forderte eine nachhaltige „pipeline“ aus trainierten Guardians, die mit fortgeschrittenen Fähigkeiten ausgerüstet sind, damit Kommandierenden (combatant commanders) Space-Expertise sowohl im Heimatbetrieb als auch im Ausland verlässlich zur Verfügung steht. Ergänzend setzte er auf Familienunterstützung: Er und seine Frau Debbie seien verpflichtet, Stresspunkte anzugehen und Netzwerke zu stärken. Als Zielrahmen endete er mit der Logik der Abschreckung: Deterrence sei dann am stärksten, wenn eine glaubwürdige Kraft existiere und der politische Wille, sie einzusetzen, vorhanden sei. Seine Formulierung bringt das als Kreis zurück zum Ausgangspunkt – die Space Force liefere „space superiority“ und sorge dafür, die Interessen des Landes „in, from and to space“ durchzusetzen.


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