IFA-GELÄNDE / LONDON (IT BOLTWISE) – Sony bringt mit dem WH-1000XM4C einen neuen ANC-Kopfhörer der Oberklasse auf den Markt und knüpft dabei eng an den WH-1000XM4 an. Das besondere Versprechen: Ohrpolster und Akku lassen sich unkompliziert selbst austauschen. In ersten praktischen Tests zeigt sich vor allem beim ANC und im Transparenzmodus ein vertrautes Verhalten. Gleichzeitig übernimmt der neue Ableger keine zentralen Komfort- und Funktionsverbesserungen aus den neueren WH-1000XM5- und WH-1000XM6-Generationen.

Beim WH-1000XM4C folgt Sony offenbar einem Zielkonflikt: Einerseits steht im Portfolio weiterhin die neueste ANC-Leistung im Fokus, andererseits adressiert das Unternehmen mit dem WH-1000XM4C bewusst Nutzer, die beim beliebten WH-1000XM4 vor allem den Sitzkomfort und die Alltagstauglichkeit schätzen. Dass der neue Kopfhörer als direkter Ableger konzipiert ist, merkt man nicht nur am Marketing-Vibe, sondern auch an der Design- und Funktionslogik: Das Gehäuse entspricht weitgehend dem WH-1000XM4, beide Modelle lassen sich platzsparend zusammenfalten. Genau diese Nähe macht den WH-1000XM4C für Käufer interessant, die von neueren Generationen zwar gehört haben, aber nicht bereit sind, auf den bekannten Tragekomfort und die bewährten Features zu verzichten.
Technisch betrachtet liegt der Kern des WH-1000XM4C weniger in einer radikalen Neuentwicklung, sondern in konkreten „Lifetime“-Verbesserungen für ein Gerät, das typischerweise mehrere Jahre im Einsatz ist. Seit dem WH-1000XM6 lassen sich die Ohrpolster unkompliziert austauschen; diese Möglichkeit übernimmt Sony auch beim WH-1000XM4C. Neu hinzu kommt die Option, den Akku bei Bedarf selbst zu wechseln. Damit rückt der Kopfhörer stärker in Richtung Wartbarkeit: Statt auf eine fest eingebaute Energielaufzeit zu setzen, adressiert Sony Austauschfähigkeit als Teil der Produktstrategie und erfüllt damit laut Angaben EU-Vorgaben.
Bei der aktiven Geräuschunterdrückung (ANC) zeigt sich in frühen Praxiserfahrungen vor allem Kontinuität. Im Vergleichstest ohne Musikzuspielung haben die Tester beurteilt, wie gut sich eine reale Umgebungsschallkulisse dämpfen lässt, etwa bei Gesprächen in der Nähe. Dabei liefert der WH-1000XM4C eine so gute Leistung wie der alte WH-1000XM4 und kann Gespräche ebenfalls merklich dämpfen. Gleichzeitig bleibt er hinter dem WH-1000XM6 zurück, dessen ANC offenbar spürbar stärker optimiert wurde; außerdem ist die ANC-Optimierung nicht automatisiert: Sie muss per Tastendruck angestoßen werden. Seit dem WH-1000XM5 ist diese Automatik ein Unterscheidungsmerkmal vieler neuerer Sony-Modelle, das hier wieder fehlt.
Auch bei Windgeräuschen setzt Sony beim WH-1000XM4C wieder auf ein eher manuelles Konzept, das viele Nutzer vom WH-1000XM4 kennen. Die Windgeräuschreduzierung funktioniert demnach nicht automatisch, sondern wird weiterhin in der App bzw. per manueller Aktivierung zugeschaltet. In aktuellen Generationen ab WH-1000XM5 sieht es anders aus: Dort ist die Windproblematik im Transparenzmodus durch entsprechende Maßnahmen weitgehend entschärft. Im Transparenzmodus selbst bestätigten die ersten Tests ebenfalls das bekannte Muster: Die Umgebung klingt nicht sehr natürlich, und es werden Geräusche stärker betont, die man sonst weniger wahrnimmt. Gespräche anderer sind stark gedämpft, wodurch Unterhaltungen im Alltag deutlich schwieriger werden als bei den neueren Modellen.
Ein weiterer Punkt, an dem der WH-1000XM4C den Anschluss an die jüngeren Serien nicht vollständig schafft, ist die Interaktion zwischen Modi. Wie beim WH-1000XM4 soll ein direkter Wechsel vom Transparenzmodus zum ANC-Betrieb nicht per Tastendruck möglich sein; eine entsprechende Softwarekonfiguration wurde beim alten Modell nicht nachgereicht und fehlt beim Neuling weiterhin. Ebenso fehlt dem WH-1000XM4C eine Mikrofonsteuerung per Taste, die bei späteren Modellen seit dem WH-1000XM6 verfügbar ist. Für viele Nutzer ist das mehr als „nur Komfort“: Wenn das Umschalten in Situationen wie Bahn, Büro oder Straßenverkehr nicht schnell und intuitiv klappt, steigen die Hürden, den idealen Modus wirklich ständig zu verwenden.
Beim Klang selbst deutet das erste Anspielen auf solide Weiterentwicklung ohne Brüche hin. Sony nutzt weiterhin 40-mm-Treiber und spricht von Optimierungen, allerdings sollen sich diese Veränderungen möglicherweise erst im ausführlicheren Testlabor zeigen. Auffällig ist, dass beim Equalizer-Setup mehr Stellschrauben zur Verfügung stehen: Der WH-1000XM4C bietet einen 10-Band-Equalizer, während der WH-1000XM4 noch mit einem 5-Band-Equalizer startet. Zusätzlich gibt es einen Spiele-Equalizer, und Sony bindet den Kopfhörer mit einer Partnerschaft rund um Apache 207 ein, ergänzt durch in Deutschland und Österreich bereitgestellte digitale Inhalte. Für Herbst 2026 kündigt Sony als Update außerdem eine bassintensivere Apache-207-Voreinstellung an, was zeigt, dass das Unternehmen die Personalisierung über Software-Profile weiterdenkt.
Unter dem Strich wirkt der WH-1000XM4C wie eine bewusste Rückbesinnung: Er übernimmt die bekannten Stärken des WH-1000XM4 und ergänzt sie um Wartbarkeit durch austauschbaren Akku sowie leicht überarbeitete Details beim Zubehör. Sony bringt den Kopfhörer im September 2026 zum Preis von 250 Euro in Farben wie Schwarz, Platin-Silber und Lavendel. Schon dieser Einstiegspreis macht klar, dass Sony nicht versucht, den Kopfhörer als „Budget-Version“ zu positionieren, sondern als durchdachte Alternative für jene, die den Komfort und die Austauschbarkeit priorisieren. Allerdings bleibt der neue Ableger in mehreren Funktionen hinter WH-1000XM5 und WH-1000XM6 zurück, gerade bei ANC-Feinsteuerung und Transparenz-Qualität. Für eine endgültige Empfehlung wird daher vor allem entscheidend sein, wie stark sich die angekündigten Klangoptimierungen im Langzeittest wirklich auswirken und ob sich der Mehrwert der Austauschbarkeit in der Praxis auch gegen die Komfort- und Leistungsgewinne der neueren Generationen behaupten kann.
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