GENF / LONDON (IT BOLTWISE) – Laut einem Bericht der Streubombenkoalition hat die Zahl der getöteten oder verletzten Streubombenopfer im Jahr 2025 deutlich angezogen. Gegenüber dem Vorjahr soll sie sich mehr als verdreifacht haben; mindestens 1.063 Menschen wurden demnach getötet oder verletzt. 87 Prozent der Betroffenen waren Zivilisten, wobei die Ukraine erneut besonders stark betroffen ist. Der Bericht ordnet das Problem zudem in die fortbestehende Gefahr von Blindgängern über Jahre ein.

Der Anstieg der Streubombenopfer im Jahr 2025 ist kein kurzfristiger Ausschlag, sondern ein Muster, das vor allem die Zivilbevölkerung trifft. Laut Angaben der Streubombenkoalition hat sich die Zahl der getöteten oder verletzten Menschen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifacht. Insgesamt nennt der Bericht mindestens 1.063 Opfer, womit 2025 zu den höchsten Jahreswerten seit Beginn des Streubomben-Berichts 2010 zählt. Besonders auffällig ist dabei der hohe Zivilistenanteil: 87 Prozent der Betroffenen sollen nicht am Kampfgeschehen beteiligt gewesen sein.
Wenn man die Zahlen technisch und operational betrachtet, wird schnell klar, warum Streumunition so lange nachwirkt. Streubomben bestehen teils aus Hunderten Minibomben und werden typischerweise von Flugzeugen oder Raketenwerfern abgeschossen. Die Submunition verteilt sich bei der Explosion in der Luft über große Flächen; ein Teil der Sprengsätze funktioniert dabei nicht vollständig und bleibt als Blindgänger im Boden zurück. Genau diese nicht explodierten Komponenten erhöhen das Risiko auch für Menschen, die erst Jahre später Land betreten, arbeiten oder durch Trümmerregionen gelangen. Der Bericht macht damit sichtbar, dass die humanitären Folgen nicht an den Moment des Angriffs gebunden sind, sondern als lang anhaltende Kontamination wirken.
In der regionalen Verteilung sticht die Ukraine erneut deutlich hervor. Mindestens 927 Menschen seien dort in 2025 verletzt oder getötet worden, und zwar bereits zum vierten Mal in Folge mehr als in jedem anderen Land weltweit. Gleichzeitig nennt der Bericht weitere betroffene Staaten wie Afghanistan, Kambodscha, Irak, Laos, Libanon, Myanmar, Syrien sowie Russland. Für Unternehmen und Behörden, die in Bereichen wie Infrastruktur, Katastrophenschutz oder Planung von Rückkehrprogrammen agieren, bedeutet das: Die Bewertung von Risiken auf Karten und in Einsatzplänen muss stärker berücksichtigen, dass Streumunition nicht nur eine akute, sondern eine strukturelle Gefahr darstellt. Selbst wenn die Kampfhandlungen zurückgehen, bleibt ein Teil des Schadens in der Fläche bestehen.
Der Bericht geht über Opferzahlen hinaus und adressiert auch die Frage nach Produktion und Lieferketten. Dem Text zufolge gibt es Hinweise auf neue Produktion in Russland. Zudem heißt es, Nordkorea habe Streumunition an Russland geliefert, die in der Ukraine eingesetzt worden sei; gleichzeitig sei auch die Ukraine in Russland mit den Waffen in Verbindung gestanden, so die Darstellung im Bericht. Wichtig ist dabei die juristische und analytische Trennschärfe: Solche Aussagen beschreiben Behauptungen und Indizien, deren belastbare Verifikation im Einzelfall oft aufwendige Untersuchungen erfordert. Dennoch ist der Kern für die Fachwelt klar: Wenn Herstellung, Transfer und Nutzung weiter stattfinden, bleibt das Verbot der Oslo-Konvention zwar normativ bestehen, wird aber in der Praxis unterlaufen.
Rechtlich ordnet der Bericht die Entwicklung in den Rahmen des „Übereinkommens über das Verbot von Streumunition“ ein, das auch als Oslo-Konvention bekannt ist. Laut Bericht haben 112 Länder das Abkommen ratifiziert, darunter Deutschland. Zentral ist das Abkommen als kategorisches Verbot von Einsatz, Entwicklung, Herstellung, Lagerung und Transfer von Streumunition. Gleichzeitig wird im Text betont, dass weder Russland noch die Ukraine das Übereinkommen ratifiziert haben. Für die politische und völkerrechtliche Debatte heißt das: Die Normen wirken zwar in den ratifizierenden Staaten unmittelbar, die Durchsetzung gegenüber nicht gebundenen Akteuren erfolgt aber wesentlich über Beobachtung, Dokumentation, Reputationsmechanismen und humanitäre Unterstützungssysteme.
Praktisch stellen die Ergebnisse vor allem eine Herausforderung für die Nachsorge dar. Wenn Blindgänger über Jahre im Boden verbleiben, wird das Thema Kampfmittelräumung zu einer Daueraufgabe statt zu einem einmaligen „Reset“ nach einem Friedensmoment. Das wirkt sich auf Budgets, Einsatzprioritäten und Zeitpläne aus, etwa in Bereichen wie Straßenbau, Landwirtschaft, Energieversorgung und kommunaler Infrastruktur. Daneben steigt der Bedarf an systematischer Datenerfassung: Opferzahlen sind dafür ein Ausgangspunkt, reichen aber allein nicht aus, um betroffene Flächen sicher zu bewerten. Genau deshalb ist das Monitoring, das im Bericht beschrieben wird, als kontinuierlicher Prozess relevant – nicht nur für die humanitäre Lageeinschätzung, sondern auch als Grundlage für die Frage, wie Prävention und Risikominderung künftig organisiert werden.
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