LONDON (IT BOLTWISE) – Arthur Hayes rechnet damit, dass Bitcoin zum Jahresende ein neues Hoch erreichen könnte. Ausschlaggebend sei weniger die US-Zins-Erwartung als vielmehr Japans Einfluss auf die Geldströme, etwa durch Umschichtungen des GPIF. Hayes macht außerdem deutlich, dass das Ergebnis davon abhängt, was sowohl Japan als auch die US-Notenbank tatsächlich tun. Neben Bitcoin sieht er Ethereum als größere Position in seinem Umfeld.

Arthur Hayes, CEO der Investmentfirma Flop Labs, stellt in den Vordergrund, was in Kryptowährungsmärkten oft unterschätzt wird: die Liquiditätsseite. In seiner Argumentation ist Bitcoin weniger primär an einzelne Kursmodelle gekoppelt, sondern an den Weg des Kapitals in „Risk Assets“. Hayes verbindet das mit einem möglichen Schwung zum Jahresende: Wenn der US-Dollar gegenüber dem japanischen Yen weiter nachgibt, könnte eine neue Liquiditätswelle entstehen, die Krypto strukturell stützt. Entscheidend ist für ihn dabei nicht nur, dass Japan „will“, sondern ob und wie es die Finanzierungskosten und die Verfügbarkeit von Kapital über verschiedene Kanäle verändert.
Der konkrete Auslöser, den Hayes herausgreift, liegt in Tokio. Er sieht Japan als zentralen Katalysator dafür, dass sich ein Teil der Gelder von Auslands- hin zu Inlandsanlagen verschiebt. Im Mittelpunkt steht dabei die Rolle des Government Pension Investment Fund (GPIF), der laut den Angaben Hayes’ in seiner Darstellung zunehmend Druck spürt, ausländische Positionen zu reduzieren und in japanische Anlagen umzuschichten. Zusätzlich bringt Hayes das Thema einer möglichen Ausweitung von Repo-Fazilitäten ins Spiel: Er erwähnt einen „uncapped“ Ansatz für eine Facility, die im internationalen Kontext Liquidität bereitstellen könnte. Für das Marktgeschehen ist das deshalb relevant, weil Repo-Mechaniken und Sicherheiten-Umfelddaten oft kurzfristig darüber entscheiden, wie viel „sofort verwendbares“ Kapital für risikoreichere Investments bereitsteht.
Hayes’ Blick schwenkt anschließend von der japanischen Seite zu den USA, ohne dabei die zweite Hälfte seines Thesenpakets zu verwässern. Sein Kerngedanke lautet: Das Ganze ist „eine Liquiditätsgeschichte“. Er verweist darauf, dass Aktien in seiner Beobachtung phasenweise seitwärts tendierten, während Krypto stärker anzog. Damit meint er sinngemäß, dass der Markt Liquidität nicht gleichmäßig in allen Asset-Klassen abbildet, sondern je nach Risikoappetit und Finanzierungskonditionen unterschiedlich reagiert. Gleichzeitig adressiert Hayes die erwartete US-Zinspolitik: Er erwartet, dass die Federal Reserve ihren Kurs im Zeitraum um das September-Treffen beibehält und keine zusätzliche Zinserhöhung durchsetzt; in seiner Darstellung liegt die Zielspanne bei 3,50 % bis 3,75 %. Ob das tatsächlich ein „Gegenwind“-Thema entschärft, hängt aber für ihn daran, wie die Fed und Japan zugleich handeln und welche Wirkung das auf den USD/JPY-Wechselkurs sowie auf die globale Risikobereitschaft hat.
Für die Einordnung ist zudem wichtig, wie Hayes die Positionierung im eigenen Portfolio beschreibt. Er sagt, dass seine Firma Ethereum als größere Position hält, während Bitcoin für ihn der sichtbarere „Schnellläufer“ innerhalb einer potenziellen Liquiditäts-Rally sein kann. Dieses Bild nutzt Hayes als Metapher: Bitcoin sei in dem „komplexen“ Zusammenspiel aus Marktmechanik und Makro ein „fastest horse“, aber nicht das einzige Bein. Er verwendet dafür ein Barbell-Konzept: Eine Seite steht für Investments, die in Phasen profitieren, in denen Liquidität knapper wird, während die andere Seite auf die Rückkehr von mehr Geld in den Markt zielt. Technisch übersetzt heißt das für Anleger vor allem: Sie sollten nicht nur auf die Richtung eines Kurses schauen, sondern darauf, über welchen Transmissionskanal Liquidität in ihren jeweiligen Vermögensklassen ankommt.
In den Details betont Hayes außerdem, dass der frühere Hype rund um den „AI capex trade“ für ihn bereits hinter den schnellsten Gewinnern liegt. Wenn jedoch das Zurückfahren von überdehnten KI-Kreditkonstrukten erforderlich wird, brauche es in seiner Logik erneut mehr „printed money“, also mehr geschaffenes Zentralbankgeld bzw. eine expansivere Unterstützung. Für Hard Assets – und damit auch für das Risiko-Cluster, in dem Krypto oft als Symbolwert geführt wird – könne das kurzfristig Rückenwind erzeugen. Auch wenn Hayes hier keine exakten Modellparameter nennt, zeichnet die Aussage ein Muster: In Phasen, in denen Finanzierung über Kredit und Leverage kippt, entstehen Gegenbewegungen, sobald die Geldschöpfung oder die Liquiditätsversorgung wieder sichtbar wird.
Damit die These in der Praxis funktioniert, muss der Markt mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllen. Auf der japanischen Seite ist für Hayes nicht allein die politische Absicht entscheidend, sondern die tatsächliche Umsetzung der Umschichtungen und die Gestaltung der Finanzierungskanäle, die an Repo- und Sicherheitenstrukturen hängen. Auf der US-Seite wiederum bleibt abzuwarten, ob die Fed in der realen Datenlage – Inflation, Arbeitsmarkt, Finanzierungsbedingungen – tatsächlich auf dem von Hayes beschriebenen Pfad bleibt. Zudem verweist Hayes auf einen politischen Zeitfaktor: US-Politiker könnten laut seiner Einschätzung vor der Midterm-Wahl zurückhaltend kommunizieren, was kurzfristig die Erwartungshaltung im Markt verschieben kann. In der Summe ist seine Botschaft deshalb weniger „Bitcoin muss steigen“, sondern „Liquidität muss in eine Form kommen, die riskante und gleichzeitig leicht handelbare Anlagen bevorzugt“.
Für Unternehmen und Marktteilnehmer, die Krypto nicht als reines Trading-Thema behandeln, lässt sich daraus eine nüchterne Ableitung ziehen: Makroindikatoren wie USD/JPY und Finanzierungsbedingungen sollten stärker mit Krypto-Liquidität verknüpft werden, statt nur über Schlagzeilen zur Regulatorik oder über Tech-Narrative zu laufen. Ein Wechselkurs wie USD/JPY ist dabei nicht der „Kurs-Treiber“, sondern eher ein sichtbares Signal für globale Kapitalbewegungen, die sich dann in Risiko-Assets niederschlagen. In Hayess Szenario wäre Bitcoin vor allem dann gut positioniert, wenn die von ihm erwartete Kombination aus japanischen Liquiditätsimpulsen und einem stabilen US-Zinsumfeld tatsächlich eintritt. Ob das gelingt, hängt letztlich daran, was Japan und die Fed konkret umsetzen – und wie schnell der Markt diese Effekte in den Orderbüchern einpreist.
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