ABU DHABI / BERLIN (IT BOLTWISE) – Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen ihre Verteidigungszusammenarbeit mit Deutschland ausbauen und dabei auch den Bereich Künstliche Intelligenz gezielt einbeziehen. In Aussicht gestellt wird unter anderem der Aufbau von Fähigkeiten für die Drohnenabwehr. Hintergrund sind die Erfahrungen aus dem Konfliktgeschehen rund um Raketen und Drohnen, die nach Darstellung der emiratischen Seite die Schwächen heutiger Schutzkonzepte offenbart hätten. Zugleich wird der Export bestimmter Rüstungsgüter im Kontext laufender Kriegs- und Sicherheitslagen als flexibler diskutiert.

VAE wollen mit Deutschland enger bei Verteidigung und KI zusammenarbeiten
VAE wollen mit Deutschland enger bei Verteidigung und KI zusammenarbeiten (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen den Draht zu Deutschland in der Sicherheitspolitik deutlich enger knüpfen – und nennen als konkretes Stichwort sowohl Verteidigung als auch Künstliche Intelligenz. Anwar Gargasch, Berater des emiratischen Präsidenten Mohammed bin Sajid, stellte im Vorfeld eines Staatsbesuchs in Berlin die Beziehungen beider Länder als „sehr wichtig“ dar und betonte, es sei „jetzt der Moment“, die Zusammenarbeit „auf die nächste Stufe“ zu heben. Damit steht nicht nur der klassische Austausch über Ausrüstung im Raum, sondern auch die Frage, wie sich moderne Bedrohungen technologisch und organisatorisch abfangen lassen.

Besonders deutlich wurde der Fokus auf Schutzsysteme gegen Drohnen: Gargasch sprach die Möglichkeit an, gemeinsam Fähigkeiten bei der Drohnenabwehr aufzubauen. Seine Argumentationslinie lautet, dass die Kriege in der Ukraine und im Zusammenhang mit dem Iran gezeigt hätten, dass Raketen und Drohnen der Gegenwart nicht ausreichend „gewachsen“ sei – also dass Schutz und Abwehrstrukturen vielerorts hinter der Bedrohungsrealität herhinken. In diesem Kontext setzte er auch einen Vergleich zu Deutschlands Aufgaben: Deutschland müsse sich seiner Ansicht nach auf Anforderungen einstellen, die nicht zwangsläufig denen der Vergangenheit entsprechen. Für die Praxis bedeutet das, dass Sensorik, Entscheidungsprozesse und gegebenenfalls automatisierte Reaktionen schneller zu einem wirksamen Gesamtsystem zusammenspielen müssen.

Parallel wird die Künstliche Intelligenz als Beschleuniger in den Mittelpunkt gerückt. Die Emirate zeigten sich nach Gargaschs Aussagen „sehr interessiert“, während das Land – ähnlich wie Saudi-Arabien in der Region – aggressiv in Technologiefelder investiert. Technisch betrachtet geht es dabei in der Regel um die Unterstützung von Lagebildern und Zielzuordnung, etwa indem KI Informationen aus unterschiedlichen Quellen verdichtet, Muster erkennt und Prioritäten ableitet. Entscheidend ist allerdings, dass KI nicht im luftleeren Raum wirkt: Gerade bei dynamischen Drohnen- und Raketenprofilen müssen Latenz, Datenqualität und die Robustheit der Modelle in realen Störumgebungen zusammenpassen, sonst bleibt der Vorteil der Automatisierung theoretisch. Genau diese Schnittstelle – von der Modellentscheidung bis zur operativen Wirkung – ist häufig der Engpass in der Verteidigungsintegration.

Der sicherheitspolitische Druck kommt aus der Region selbst. Im Text ist die Rede davon, dass der Golfstaat im laufenden Iran-Konflikt besonders stark angegriffen worden sei; genannt werden 3.000 iranische Raketen und Drohnen, von denen laut Gargasch 97 Prozent abgefangen worden sein sollen. Zudem wird angeführt, dass ein Großteil der getroffenen Ziele auf zivile Infrastruktur gerichtet gewesen sei. Diese Schilderung wird in den deutschen Kontext gespiegelt: Auch hier wird die Gefahr durch Drohnen und die mögliche Abwehr im Rahmen von hybriden Angriffen diskutiert. Unter hybriden Angriffen versteht die Quelle die Kombination aus militärischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln, inklusive Cyberangriffen und Desinformation – also ein Wirkmix, der nicht nur die Schutztechnik, sondern auch Resilienz gegen digitale Angriffe betrifft.

Damit verknüpft ist ein weiterer Themenstrang: Exportkontrollen. Die Quelle berichtet, dass Deutschland im Zuge des Iran-Konflikts Regeln für den Export bestimmter Rüstungsgüter für die Emirate und weitere Golfstaaten sowie für die Ukraine im März gelockert habe. Eigentlich gelten für sogenannte Drittländer, die nicht der NATO oder EU angehören, strenge Auflagen. Aus Sicht von Gargasch „müssten“ Beschränkungen offener und pragmatischer werden, weil frühere Begrenzungen von Ereignissen „überholt“ worden seien. Für Entscheidungsträger bedeutet das eine Abwägung zwischen dem legitimen Ziel, Rüstungsexporte zu steuern, und dem Druck, in beschleunigten Sicherheitslagen schneller zu handeln – etwa wenn Hersteller, Integratoren und Betreiber auf eine Bedrohungsentwicklung reagieren müssen, die sich innerhalb weniger Monate verschiebt.

Aus technologischer und industriepolitischer Perspektive verschiebt sich damit der Blick von einzelnen Systemen hin zu Lieferketten und Betriebsmodellen. Wenn Drohnenabwehr und KI-Unterstützung tatsächlich gemeinsam weiterentwickelt werden, rückt die Frage nach standardisierten Schnittstellen, Trainingsdaten, Wartungszyklen und Monitoring in den Vordergrund – also jene Bausteine, die aus einer einmaligen Beschaffung eine dauerhaft funktionsfähige Abwehrlinie machen. Gleichzeitig kann eine engere Kooperation mit Deutschland für die Emirate bedeuten, schneller in erprobte Kompetenzfelder zu investieren, während Deutschland im Gegenzug Zugänge zu regionalen Einsatzrealitäten und zu Anforderungen aus einem Umfeld mit hoher Angriffsfrequenz gewinnen kann. Genau diese wechselseitige Rückkopplung zwischen realer Bedrohung, Abwehrbetrieb und KI-Entwicklung ist in der aktuellen Phase für beide Seiten strategisch.

Offen bleibt dabei, wie lange der Konflikt aus Sicht der Region andauern wird. Gargasch sagt, man werde „sehr lange“ mit einem instabilen Iran umgehen müssen – nicht nur in den Golfstaaten, sondern auch in Europa – und sieht sich in einer Phase, in der man mit der Lage umgehen müsse, statt schnelle Lösungen zu erwarten. Diese Erwartung hat eine direkte Konsequenz: Abwehrkonzepte müssen auf Dauerresilienz ausgelegt werden, und KI-gestützte Systeme brauchen Mechanismen, die sich nicht nur auf die Modellgüte im Labor konzentrieren, sondern auch auf den Betrieb unter wechselnden Bedingungen. In diesem Sinne wird die angekündigte Zusammenarbeit mit Deutschland weniger wie ein kurzfristiges Projekt wirken, sondern eher wie ein Aufbauprogramm für Fähigkeiten, das Verteidigungsplanung, Technologieinvestitionen und Exportpolitik übergreifend zusammenbindet.


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