CHRISTCHURCH, NEW ZEALAND / LONDON (IT BOLTWISE) – Südkorea schiebt sein Verteidigungsbudget im kommenden Jahr um 8,2 % nach oben und erreicht mit 73,28 Billionen KRW ein Rekordniveau. Die Regierung verknüpft die Aufstockung mit dem Ziel, von einer truppenzentrierten hin zu einer stärker hoch-technisierten Streitkraft zu wechseln. Zudem will Seoul den Übergang der operativen Kriegsführung (OPCON) bis 2029 abschließen und setzt dabei auf neue Informationsverteilung sowie mehr Reserven. Im Fokus stehen außerdem KI-Ansätze und eine deutliche Ausweitung von Drohnenverbänden und Gegen-Drohnen-Kapazitäten.

Südkoreas Verteidigungsplanung wirkt in diesem Schritt weniger wie eine symbolische Haushaltskorrektur und mehr wie ein Umbau der Einsatzarchitektur: Die Regierung hat am 3. September einen Zuwachs von 8,2 % für das kommende Jahr angekündigt. Damit steigt das Budget auf 73,28 Billionen KRW (rund 53,9 Milliarden US-Dollar), also auf den höchsten Stand, den das Land laut Regierungsangaben je erreicht hat. Als Treiber nennt die Planung vor allem die sich verschärfenden Sicherheitsrisiken in der Region, mit Blick auf Nordkorea, aber auch auf die Rolle von China und Russland.
Im Hintergrund steht zudem die politische Erwartungshaltung gegenüber der eigenen Fähigkeit zur Selbstverteidigung. In dem Zusammenhang wird auf Druck des US-Präsidenten verwiesen, der Seoul zu höheren Ausgaben drängte und zugleich militärische Übungen stärker an Erwartungen koppeln wollte. Für die koreanische Seite spielt das militärische Zusammenspiel mit den USA zwar weiterhin eine Rolle, aber die Budgetlogik verschiebt sich klar: Das Verteidigungsministerium beschreibt das Programm als Reaktion auf ein „sich schnell veränderndes Sicherheitsumfeld“ und auf weniger verfügbare Ressourcen für den Wehrdienst. Ziel ist ein Übergang von einer Armee, die primär auf Truppenstärke setzt, hin zu einer Streitkraft, die sich stärker auf Technik, Systeme und schnellere Entscheidungsabläufe stützt.
Technisch verdichtet sich dieser Umbau besonders an zwei Stellen: Erstens geht es um die Übernahme der operativen Kriegsführung. Für die Vorbereitung der geplanten Übergabe der wartime operational control aus den USA sind 35 % mehr Mittel vorgesehen. Der Plan lautet, die OPCON-Übergabe bis 2029 abzuschließen, was im Konfliktfall auf der Halbinsel bedeuten soll, dass Seoul sowohl eigene als auch amerikanische Truppen führt. Zweitens sieht die Planung neue Kommandostrukturen vor: Der Ausbau von Command-and-Control-Funktionen soll durch ein neues „wartime military information distribution system“ unterstützt werden, das für den gemeinsamen Combined Forces Command gedacht ist. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, wie schnell Lagebilder geteilt, Befehle verteilt und Reaktionen automatisiert oder zumindest stark beschleunigt werden können.
Daneben adressiert das Budget ein zentrales strukturelles Problem: Südkoreas militärische Stärke hängt historisch stark vom Wehrdienst ab, während die Alterung die Zahl der Rekruten langfristig reduziert. Die Regierung nennt deshalb Maßnahmen zur Stärkung der Reserven und zur Auslagerung nicht-kampfbezogener Aufgaben an den Privatsektor. Gleichzeitig setzt man auf unbemannte Systeme, weil sie nicht wie Personalstrukturen altern und weil sie sich in einer modernen Einsatzkette skalieren lassen. Laut Plan steigen Ausgaben für KI-basierte Anwendungen und unbemannte Bodensysteme, außerdem will das Verteidigungsministerium Drohnen als Hauptkampfmittel einsetzen. Der Etat dafür liegt fast 20 % über dem Vorjahresniveau.
Operational übersetzt heißt das: Seoul will in die Breite der Fähigkeiten investieren, nicht nur in einzelne Plattformen. Die Budgetprioritäten umfassen Verbundverbände für Drohnenschwärme, Aufklärungsdrohnen, verschiedene „loitering munitions“ sowie ein übergeordnetes Gegen-Drohnen-System. Dazu kommt ein personal- und prozessbezogener Ansatz, der die Nachwuchsfrage indirekt entschärft: Geplant ist, 500.000 „Drohnenkrieger“ auszubilden. Ergänzend werden andere Bereiche mitgezogen, etwa bessere Leistungen bei Wohnen, Bezahlung und Wohlfahrt. Das wirkt wie ein Versuch, die Attraktivität militärischer Laufbahnen zu erhöhen, während parallel die Technologieachse die Effektivität pro eingesetzter Ressource steigern soll.
Über den unmittelbaren Gefechtswert hinaus versucht das Programm, industrielle Souveränität aufzubauen. Das Budget sieht mehr Investitionen in zukünftige Verteidigungstechnologien vor, um Abhängigkeiten zu reduzieren und die heimische Hightech-Industrie zu stärken. Konkret nennt das Dokument Felder wie Halbleiter, Flugantriebe, Hard-Kill-Lasersysteme und Quanten-Technologien. Für die Wirtschaftspolitik relevant ist außerdem, dass kleinere und mittlere Unternehmen stärker in das Ökosystem eingebunden werden sollen, inklusive verbesserten Exportchancen. Bei den großen Einzelposten werden unter anderem das Langstrecken-L-SAM Luftverteidigungssystem und MUAV-Mittelhöhen-Aufklärungsdrohnen genannt. Beim Kampfflugzeugprojekt KF-21 Boramae steigt die Zuteilung auf fast das 2,5-fache mit 3,3 Billionen KRW; die Fertigung der ersten Serienmaschinen soll bereits laufen. Auch im Marinebereich wird investiert: Für nuklear angetriebene U-Boote sind nahezu 100 Milliarden KRW eingeplant, während das Programm laut Planung Fahrt aufnimmt. Gleichzeitig bleibt ein politisches Ziel als Vergleichsmaßstab im Raum: Der US-Präsident habe höhere Verteidigungsausgaben von 3,5 % des BIP gefordert, aktuell liege der Haushalt jedoch bei 2,33 % – trotz des Rekordvolumens.
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