WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Vier von zehn Menschen in Österreich verzichten laut Allianz Gesundheitsbarometer 2026 aus finanziellen Gründen auf Zahnbehandlungen. Die repräsentative Studie basiert auf 1.600 Befragten und zeigt dabei ein deutliches Wissensplus beim Bewusstsein für Zahnpflege. Gleichzeitig nennt fast die Hälfte Kosten als Haupthindernis, während nur 19 Prozent die Behandlung selbst fürchten. Bei voller Kostenübernahme würde die Behandlungsbereitschaft in mehreren Bereichen teils sprunghaft steigen.

Allianz Gesundheitsbarometer 2026: Zahngesundheit scheitert oft an den Kosten
Allianz Gesundheitsbarometer 2026: Zahngesundheit scheitert oft an den Kosten (Foto: IT BOLTWISE)
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Das Allianz Gesundheitsbarometer 2026 zeichnet ein erstaunlich klares Bild: In Österreich ist das Bewusstsein für gesunde Zähne vorhanden, an der Umsetzung hakt es jedoch an der finanziellen Planbarkeit. 85 Prozent achten gewissenhaft auf ihre Zahnpflege und 73 Prozent gehen mindestens einmal jährlich zur Kontrolle. Trotzdem verzichten 40 Prozent bereits einmal auf eine Behandlung, weil sie zu teuer war. Genau an dieser Lücke zwischen Vorsatz und Realisierung setzt die Studie an: Nicht die Einstellung sei das Problem, sondern die Umstände, wie Dr. Jörg Hipp, CPO Allianz Österreich, es auf den Punkt bringt.

Technisch-medizinisch lässt sich das Verhalten in der Studie gut nachvollziehen, denn viele zahnmedizinische Leistungen sind in ihrer Kostenstruktur schwer vorhersehbar, vor allem wenn im Verlauf mehrere Behandlungsschritte nötig werden. Im Ergebnis zeigt sich auch eine klare Kosten-Wahrnehmung: 47 Prozent nennen Kosten als Haupthindernis, während die Angst vor der Behandlung selbst mit 19 Prozent deutlich dahinterliegt. Besonders sichtbar wird das bei den Leistungen, die als teuer empfunden werden: Zahnersatz liegt mit 87 Prozent vorn, gefolgt von Zahnkorrekturen (80 Prozent) und ästhetischen Eingriffen (75 Prozent). Der „Bohrer“-Faktor ist damit weniger dominierend als der finanzielle Teil der Rechnung.

Für Anbieter und Entscheider im Gesundheitswesen ist der Zusammenhang mit dem Einkommen besonders relevant, weil er die Wirkung von Preissignalen auf Prävention illustriert. Bei Haushalten mit bis zu 1.999 Euro pflegen 78 Prozent gewissenhaft, in der Spanne von 5.000 bis 5.999 Euro sind es 92 Prozent. Damit wirkt Zahngesundheit wie ein Spiegel der verfügbaren Ressourcen: Wer mehr finanzielle Spielräume hat, kann Vorsorge zuverlässiger in den Alltag integrieren. Gleichzeitig ordnet das Barometer die Motivation differenziert ein: 36 Prozent wollen spätere Zahnprobleme vermeiden, 26 Prozent nennen ästhetische Gründe. Interessant ist dabei auch die Geschlechterverteilung: Ästhetik spielt für Frauen deutlich stärker eine Rolle als für Männer (32 zu 21 Prozent).

Die Studie macht zudem einen Generationenwechsel sichtbar – weg von der reinen Reparatur hin zu stärker präventiv und ästhetisch geprägten Leistungen. Insgesamt sind sechs von zehn Menschen mit ihren Zähnen zufrieden; bei der Zahnfarbe ist jedoch nur die Hälfte zufrieden, was Bleaching in die Wunschliste rückt. Die Generation Z zeigt sich laut Erhebung besonders offen für Behandlungen wie Bleaching, Kieferregulierung oder professionelle Mundhygiene. Bei Babyboomern würden hingegen häufiger Implantate und Prothesen die Zufriedenheit steigern. Dr. Jörg Hipp beschreibt diese Verschiebung als positive Entwicklung: Die jüngere Generation verstehe Zahngesundheit als Teil der Selbstfürsorge und nicht erst als Notfallthema. Für die Versorgungsplanung heißt das, dass Kommunikation über „wann“ und „warum“ ebenso wichtig wird wie die Frage nach der Wirtschaftlichkeit einzelner Leistungsbausteine.

Auch das Kosten-Leistungs-Verhältnis sorgt für Reibung: 71 Prozent halten die zahnmedizinische Versorgung in Österreich für sehr gut oder eher gut, die fachliche Kompetenz erhält sogar 81 Prozent. Beratung und moderne Behandlungsmethoden liegen bei 70 Prozent, während Wartezeiten mit 42 Prozent deutlich schlechter bewertet werden. Das größte Sorgenkind ist aber das Kosten-Leistungs-Verhältnis: Nur 28 Prozent bewerten es als sehr gut oder eher gut. Dr.in Birgit Vetter-Scheidl von der österreichischen Zahnärztekammer ordnet das historisch ein: Der Leistungskatalog sei „bis heute stark auf Reparatur ausgelegt“, auch wenn sich die Verschiebung hin zur Prävention bereits abzeichne, aber nur langsam. Genau hier wird klar, warum Kosten in der Praxis nicht nur ein „Zahlenproblem“ sind, sondern die Erwartungshaltung an die Versorgung strukturell beeinflussen.

Damit verbunden ist eine zweite Schwachstelle: mangelnde Information. Nur 36 Prozent fühlen sich gut über Behandlungskosten informiert, ebenso wenige kennen die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ausreichend. Gleichzeitig wissen 65 Prozent nicht, dass Karies eine Infektionskrankheit ist; rund die Hälfte kennt zudem die möglichen Risiken von Zahnfleischerkrankungen in der Schwangerschaft nicht. Noch deutlicher wird ein Wissensgap bei den Zusammenhängen zwischen Kariesbakterien und Allgemeinerkrankungen: 49 Prozent wissen das nicht. Dass diese Lücken gerade bei der jüngsten Generation ausgeprägt sind, bezeichnet Dr.in Birgit Vetter-Scheidl als „alarmierendes Ergebnis“: Karies sei eine Infektionskrankheit und Zahnfleischentzündungen blieben nicht auf den Mund beschränkt, beides sei in der Bevölkerung zu wenig präsent.

Für die Marktdynamik liefert das Barometer einen direkten Handlungshebel: Wer Kosten besser absichern kann, nimmt Behandlungen häufiger in Angriff. Von den Befragten haben 40 Prozent eine Behandlung aus Kostengründen ganz ausgelassen und 38 Prozent verschoben. Um die Preiswirkung isoliert zu betrachten, fragt die Studie hypothetisch nach voller Kostenübernahme: Dann steigt die Behandlungsbereitschaft in mehreren Kategorien deutlich, etwa Zahnspangen und Korrekturen von 29 auf 71 Prozent oder Implantate von 47 auf 81 Prozent. In der Praxis könnte eine Zahnzusatzversicherung als finanzieller Puffer daher nicht nur die individuelle Entscheidung beeinflussen, sondern auch den Weg von „später“ zu „früher“ unterstützen. Aktuell besitzen 5 Prozent eine private Zahnzusatzversicherung, 38 Prozent können sich eine Absicherung vorstellen, und Privatversicherte nutzen aufwendigere Leistungen erkennbar häufiger. Das Barometer formuliert am Ende als Fazit genau diese Dreiklang-Logik: Reparatur stärker durch Prävention ersetzen, Aufklärung über Mund- und Allgemeingesundheit intensivieren und die finanzielle Planbarkeit verbessern.


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