DALLAS / LONDON (IT BOLTWISE) – Der US-Israelische Verteidigungs-Startup Covenant beendet nach rund zwei Jahren weitgehender Geheimhaltung seine Stealth-Phase. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben über 250 Millionen US-Dollar eingesammelt und bewertet die Firma laut Schätzungen mit mehr als 1 Milliarde US-Dollar. Im Fokus steht „Anthem“, ein weitreichendes System mit schwerer Nutzlast, das auf Serienfertigung ab 2027 ausgelegt ist. Covenant will dabei vor allem die Stückkosten und Lieferzeiten gegenüber etablierten, langjährig gewachsenen Plattformen deutlich reduzieren.

Nach zwei Jahren nahezu vollständiger Abschirmung bringt Covenant sein Langstrecken-Programm nun an die Oberfläche. Der 2024 gegründete Anbieter entwickelt „Anthem“ als weitreichendes, schwer bepacktes Waffensystem, das in hoher Stückzahl produziert werden soll. Laut den Angaben von Covenant flossen insgesamt mehr als 250 Millionen US-Dollar in drei Finanzierungsrunden; die letzte Runde bewertet das Unternehmen nach Branchen- und Marktschätzungen mit über 1 Milliarde US-Dollar. Für die Tech- und Industrieperspektive ist weniger die Zahl allein entscheidend, sondern der konkrete Produktplan: Serienproduktion soll 2027 starten, flankiert von einem Ausbau der Fertigungskapazitäten, der sichtbar macht, dass es hier nicht nur um einen Demonstrator, sondern um Skalierung geht.
Technisch beschreibt Covenant Anthem als End-to-End-Lösung, die mehr umfasst als nur den eigentlichen Flugkörper. Das System soll Speicherung, Transport, Start und Nachladen abdecken, ergänzt um eigene Komponenten für Mission Planning sowie Command-and-Control, damit im Verbund koordiniert massenweise Starts möglich sind. Diese Architektur ist für die operative Wirkung zentral, weil sie den Aufwand für Infrastruktur und Personal reduziert, der in der Praxis häufig entlang der gesamten Kette entsteht. Covenant betont außerdem einen Bausteinansatz mit vielen „Commercial Off-the-Shelf“-Teilen, während bei besonders kritischen Komponenten langfristige strategische Vereinbarungen die Verfügbarkeit sichern sollen. Für Anwender ist das vor allem im Blick auf Beschaffungs- und Wartungsprozesse relevant: Je stärker sich ein System über standardisierte Bauteile und planbare Lieferketten industriell anfahren lässt, desto eher kann es in Krisenzeiten durchgehend produziert und genutzt werden.
Die Finanzierungs- und Produktionsmeldung fällt in eine Phase, in der Verteidigungsministerien und Beschaffungsstellen westlicher Staaten öffentlich zunehmend unter Druck stehen, Präzisionsmunition schneller zu beschaffen als zuvor. Covenant argumentiert, dass langreichweitige Präzisionsraketen in jüngeren Konflikten schneller aufgebraucht wurden, als die Verteidigungsindustrie nachliefern konnte. Genau an dieser Lücke setzt das Unternehmen an: Anthem soll mit Produktion „in the thousands“ geliefert werden, um auch bei länger andauernden Einsätzen ausreichende Bestände aufrechtzuerhalten. Covenant nennt dafür ein Zielbild, das nicht nur die Reichweite und die schwere Nutzlast adressiert, sondern auch die Durchsatzlogik der Beschaffung. Damit wird das Projekt auch zum industriepolitischen Signal: Wer nicht nur ein neues System entwickelt, sondern gleichzeitig auf hohe Stückzahlen und verkürzte Produktionszyklen setzt, verändert die Planungsannahmen in der Beschaffung.
Ein wichtiger Hebel dafür ist die Umstellung von Entwicklung auf Serienfertigung. Covenant verlegt einen Teil der Produktion in die USA und plant die Fertigung an einem neuen Standort mit rund 105.000 Quadratfuß Fläche in Dallas, Texas. Der Standort ist laut Meldung bereits eröffnet und soll in der ersten Hälfte 2027 in die Serienproduktion gehen; parallel will das Unternehmen die Rate hochfahren. Als Zielgröße nennt Covenant eine Kapazität in Richtung 5.000 Einheiten pro Jahr. Hinzu kommt eine Produktions- und Zulieferstruktur in Deutschland: Die Firma betreibt in Sachsen eine weitere Anlage mit 110.000 Quadratfuß und stützt sich dabei auf eine europäische Lieferkette. In Nordisrael läuft ergänzend ein 32.000 Quadratfuß großes Paket aus Forschung, Entwicklung und Fertigung, was zeigt, dass Covenant auch organisatorisch mehrere Stufen der Wertschöpfung verteilt.
Für die technische Verifikation verweist Covenant auf bereits durchgeführte Flüge: Seit dem ersten Maiden-Flight im August 2025 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 200 Anthem-Flüge absolviert, inklusive mehrerer Flight Tests mit dem US Army sowohl in den USA als auch im Ausland. Solche Testprogramme sind in der Regel darauf ausgelegt, Designannahmen unter realen Bedingungen zu prüfen, etwa zu Aerodynamik, Steuerung, Antriebs- und Nutzlastintegration sowie zu den Abläufen im Gesamtsystem. Covenant adressiert außerdem den internationalen Charakter des Programms: Für Tests in Israel im Juni wurden laut Angaben auch Vertreter mehrerer Verteidigungsressorts aus verschiedenen Ländern eingeladen, wobei Deutschland ausdrücklich genannt wird. Die Entwicklung geht zudem parallel in Richtungen, die über eine reine terrestrische Variante hinausreichen: Covenant hat mit dem Rapid Capabilities Office der US Navy einen Vertrag unterzeichnet, um eine maritime Variante zu entwickeln. Dieses Programm wird mit rund 70 Millionen US-Dollar beziffert und soll das bodengestützte System in eine „Maritime Anthem“-Konfiguration überführen, inklusive „Defense Exportability Features“ zur Beschleunigung von Ausfuhren an US-Verbündete und -Partner.
Organisatorisch ist Covenant eng an der Person Michael Kaufman gekoppelt. Der amerikanisch-israelische Unternehmer zählt als Co-Gründer und CEO; er wird mit Stationen bei der Peter Thiel-Stiftung in Verbindung gebracht und soll zuletzt nach Israel umgezogen sein, um die Aktivitäten des Unternehmens aufzubauen. Die Firma hat ihren Hauptsitz in Washington, D.C.; in Deutschland, Dallas und Israel sind weitere Standorte für Fertigung und Entwicklung vorgesehen. Einen konkreten Mitarbeiterbestand nennt Covenant nicht, doch Schätzungen gehen von einigen Dutzend Beschäftigten in Israel aus. Im laufenden Ausbau sucht das Unternehmen aktuell Rekruten in den USA, in Deutschland und Israel, um Engineering, Fertigung sowie Program-Management über die drei Regionen hinweg zu erweitern. Für die Branche ist das ein typischer Engpass-Hinweis: Serienproduktion gelingt selten allein durch Hardware, sondern hängt an Programmsteuerung, Qualitätsmanagement, Testkapazität und skalierbaren Lieferketten.
Der strategische Kern bleibt dabei die Frage, ob Covenant die Kombination aus skalierbarer Fertigung, niedrigeren Stückkosten und schneller Einsatzbereitschaft real in ein operationelles System überführt. Covenant sagt selbst, Anthem sei für schnellen Ausbau konzipiert worden und solle als End-to-End-Lösung die für den Betrieb nötige Infrastruktur und den Personalaufwand reduzieren. Bis Ende des Jahres erwartet das Unternehmen weitere Auszeichnungen und nennt bereits etwa 150 Millionen US-Dollar an gebuchten Aufträgen, darunter Qualifikationsleistungen, Entwicklungsanteile und mehrere Produktionsverträge. Dazu läuft ein Other Transaction Agreement mit der US Army für ein beschleunigtes Test- und Qualifikationsprogramm. Damit verdichtet sich Covenant zu einem Fall, in dem „Go-to-Production“-Geschwindigkeit zum Wettbewerbsfaktor wird – und in dem die Verteidigungsindustrie sich daran messen lassen muss, ob die angekündigte Planbarkeit auch unter Einsatzdruck standhält.
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