BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Am Donnerstag wird deutschlandweit um 11.00 Uhr getestet, wie gut Warnmeldungen die Bevölkerung im Ernstfall erreichen. Dazu laufen bundesweit Probealarme über Sirenen, Handy-Optionen und digitale Kanäle. Zusätzlich gibt es gegen 11.45 Uhr eine Entwarnung, damit auch das Ende der Gefahr zuverlässig kommuniziert wird. Wer mitmachen will, sollte sein Smartphone aktiv und ohne Flugmodus nutzen.

Um 11.00 Uhr soll es in vielen Orten kurz laut werden: Sirenen heulen, und das Handy kann mit einem Alarmton folgen. Der Hintergrund ist jedoch kein Anlass zur Panik, sondern ein bundesweiter Warntag, der jährlich stattfindet und gezielt überprüft, ob Warnsysteme im Ernstfall wirklich ankommen. Das Bonner Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) beschreibt den Test dabei als Simulation: Entscheidend ist nicht nur, ob eine Warnung technisch ausgelöst wird, sondern ob Menschen sie wahrnehmen und anschließend auch richtig einordnen können.
Die Auslösung erfolgt zentral über das Modulare Warnsystem des Bundes. Dabei handelt es sich um ein öffentliches Warn- und Kommunikationssystem, das in der Praxis vor allem auf Datenübertragung per Satellit setzt, zur Redundanz aber auch Kabelverbindungen nutzt. Für Kommunen bleibt zugleich Spielraum: Sie können eigene Warnkanäle testen und damit je nach lokaler Infrastruktur beispielsweise unterschiedliche Zusatzwege zur Bevölkerung anstoßen. Genau diese Verzahnung ist für den Warntag wichtig, weil sie zeigt, wie robust ein Mix aus zentralen und regionalen Komponenten in unterschiedlichen Lagen funktioniert.
Bei der Frage, welche Wege eine Warnung erreichen können, nennt das BBK ein breites Spektrum: Sirenen, digitale Anzeigetafeln, Apps auf dem Handy sowie UKW-Rundfunk und Digitalradio. Ergänzt wird das durch Cell Broadcast, eine Funktechnik, die Warnmeldungen an alle vorbereiteten Endgeräte in einer bestimmten Funkzelle überträgt. Zusätzlich können Lautsprecherwagen Hinweise geben, wobei ob und wie sie eingesetzt werden, in der Verantwortung der Kommunen liegt. Für die Auswertung spielt auch die akustische Codierung eine Rolle: Ein an- und abschwellender Sirenen-Heulton steht für die Warnung, ein heulender Dauerton signalisiert das Ende des Probealarms beziehungsweise im Ernstfall, dass die Gefahr vorüber ist.
Damit die Bevölkerung nicht nur die Warnung, sondern auch das Ende der Lage bekommt, wird der Test bewusst zweistufig durchgeführt. Gegen 11.45 Uhr sendet das System eine Entwarnung. Das BBK hebt dabei hervor, dass eine verlässliche Entwarnung das Vertrauen in das gesamte Warnsystem stärkt. Gerade für Unternehmen, Schulen oder Veranstalter, die ihre internen Abläufe an Warnmeldungen ausrichten, reduziert das die Unsicherheit: Es geht nicht um eine unklare Signalwiederholung, sondern um einen klaren Zeitplan mit einer Phase „Warnung“ und einer Phase „Gefahr vorbei“.
Praktisch relevant ist zudem, dass nicht überall automatisch jede Sirene zu hören ist. Die Teilnahme am Warntag ist nach Angaben des BBK für Kommunen freiwillig; dadurch kann es vorkommen, dass zwar Warnkanäle geplant sind, Sirenen aber lokal nicht auslösen oder in der Umgebung schlicht keine Sirene vorhanden ist. Für den technischen und organisatorischen Effekt bedeutet das: Die Erreichbarkeit wird nicht nur durch Technik bestimmt, sondern auch durch Infrastruktur und lokale Umsetzung. Das BBK nennt als Orientierung, dass im vergangenen Jahr 66 Prozent der Menschen in Deutschland über eine Sirene erreicht wurden – demnach mit steigender Tendenz.
Auch beim Blick auf den technischen Unterbau lohnt die Differenzierung. Cell Broadcast adressiert alle vorbereiteten Handys in einer Funkzelle, also auch Touristen oder Personen mit ausländischen Mobilfunknummern. Laut BBK ist das Verfahren dabei anonym, Mobilfunknummern oder andere Daten der Empfänger müssen nicht bekannt sein – ein wichtiger Punkt, weil Warnkommunikation in Stresssituationen nicht zusätzlich durch datenschutzrechtliche Komplexität erschwert werden soll. Neu im aktuellen Jahr ist außerdem, dass über Cell Broadcast erstmals auch Entwarnungen verschickt werden; das soll laut BBK seit Ende November des Vorjahres funktionieren. Parallel wird im laufenden Jahr auch über das Digitalradionetz DAB+ gewarnt: Der Automatic Safety Alert soll Hörerinnen und Hörer erreichen, selbst wenn Mobilfunk und Internet nicht funktionieren, und bei Bedarf Radios im Standby-Betrieb aktivieren.
Für die Einordnung in die Infrastrukturentwicklung verweist das BBK zudem auf den Ausbau der Sirenenlandschaft. Einen zentralen Überblick gibt es nicht, weil Länder und Kommunen die Standorte betreiben. Das BBK nennt aber rund 48.000 aktive Sirenenstandorte und zusätzlich mobile Sirenen. Nach dem Ende des Kalten Krieges hätten Sirenen in vielen Regionen als unnötig gegolten; heute gebe es ein Umdenken, unter anderem wegen der Erfahrungen bei der Flut im Ahrtal 2021 und wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Der Bund unterstützt die Errichtung, Reparatur und Modernisierung seit 2021: Im vergangenen Jahr wurden im Rahmen des Förderprogramms rund 11.868.700 Euro für die Errichtung von Sirenen abgerufen, im laufenden Jahr bisher rund 4.089.800 Euro in den Ausbau der Sireneninfrastruktur investiert.
Für die Frage, wie gut die Bevölkerung tatsächlich erreicht wird, verweist das BBK auf Umfragen zum Warntag. Im vergangenen Jahr waren laut Angaben mehr als 90 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer über mindestens einen Warnkanal erreichbar. Technisch lässt sich das jedoch nur wirksam machen, wenn Endgeräte korrekt vorbereitet sind: Wer Warnungen erhalten will, sollte das Handy eingeschaltet halten und nicht im Flugmodus sein. Außerdem empfiehlt die Bundesregierung, das Betriebssystem aktuell zu halten. Daneben gibt es spezielle Warn-Apps wie „Nina“, die ebenfalls einen Ort benötigen, für den Hinweise gelten sollen – damit Informationen auch zu lokaleren Ereignissen, etwa Bränden, passend eingeordnet werden können.
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