LONDON (IT BOLTWISE) – Der Anthbot M9 Pro kombiniert LiDAR- und RTK-Navigation, damit der Mähroboter auch in verschatteten Bereichen zuverlässig seine kartierten Bahnen abfährt. Im Test liefert er ein ruhiges Schnittbild und kommt für 90-Wh-Akku-Kapazität auf eine Flächenleistung von 95 m² pro Stunde bei einer gut planbaren Konfiguration. Beim Tempo und vor allem beim Kantenschnitt an festen Begrenzungen zeigt sich jedoch ein klarer Nachteil gegenüber Modellen mit breiterem Schnittwerk. Zudem scheitert er in der geprüften Engstelle von 70 Zentimetern und bleibt an mehreren Bordsteinsituationen unerreichbar.

Der Anthbot M9 Pro tritt in eine Kategorie ein, die für viele Gartenbesitzer inzwischen fast so wichtig ist wie die Mähhöhe selbst: Navigation, die nicht nur im Idealfall funktioniert. Das Gerät setzt auf eine Kombination aus LiDAR und Net-RTK, also einer Lokalisierung, die Satellitendaten durch Korrekturen deutlich genauer macht. Der praktische Vorteil liegt dort, wo rein GPS-basierte Systeme häufig unsauber werden: in Abschattungen unter Bäumen oder in Bereichen, in denen der Empfang nicht stabil genug ist. Dass Anthbot hier konsequent auf zwei Techniken baut, zeigt sich auch daran, dass der Roboter seine LiDAR-Position um RTK-Korrekturdaten ergänzt, statt sich allein auf die Sichtlinie zu Satelliten zu verlassen.
Technisch auffällig ist die kompakte Hardware. Mit 49,8 × 39,2 × 25,1 cm und 10,4 kg gehört der M9 Pro zu den eher leichten und handlichen Vertretern dieser Bauform. Der LiDAR-Sensor ist nicht als klassische Kuppel sichtbar, sondern sitzt in einem Zylinder, dessen Oberseite eine Abdeckung schützt. Solche Schutzmaßnahmen sind bei empfindlicher Sensorik entscheidend, weil ein unkontrolliertes Umkippen sonst schnell teuer werden kann. Zusätzlich kommen vorne zwei HDR-Kameras zum Einsatz: Sie unterstützen nicht nur die Navigation, sondern erkennen Hindernisse per KI und leiten Ausweichmanöver ab. Ein Livestream der Kamerabilder bietet die Anthbot-App dabei laut Test nicht, was die Bedienung zwar schlanker macht, aber den direkten Blick auf die Sensoransicht verwehrt.
Für RTK setzt Anthbot auf zwei Wege: eine mitgelieferte Antenne ist vorhanden, zwingend ist sie aber nicht. Stattdessen kann die Korrekturinfo über ein integriertes Mobilfunkmodul alternativ aus der Anthbot-Cloud bezogen werden. In den ersten zwei Jahren nach Inbetriebnahme sei der Datentarif kostenlos, danach kostet der Net-RTK-Dienst 40 Euro pro Jahr. Damit entsteht für Nutzer eine echte Abwägung zwischen Installationsaufwand (geeigneter Aufstellort für Satellitenempfang) und laufenden Betriebskosten. Im Test zeigte sich außerdem, dass die Planung und das Zurückfinden zur Ladestation funktionierten: Der M9 Pro respektierte die kartierte Fläche, fuhr keine Ausflüge in angrenzende Beete und kam zuverlässig an die Station zurück.
Die Stärken zeigen sich besonders in der Mählogik. Auf dem Prüfgrundstück mit drei Rasenflächen, steilen Hängen, einer nur 70 Zentimeter breiten Durchfahrt und Einfassung durch mehrere Zentimeter hohe Bordsteine machte der Roboter im Kern das, was man von LiDAR-gestützter Bahnplanung erwartet: nahezu exakt parallele Linien und ein gleichmäßiges Schnittbild. In einer 216 m² großen, ebenen Fläche mit mehreren No-Go-Zonen brauchte er zwischen 2:17 und 2:22 Stunden. Daraus ergibt sich eine Flächenleistung von 95 m² pro Stunde; die 90-Wh-Akkukapazität reichte dabei so, dass zwischendurch kein Nachladen nötig war. Sobald die Rahmenbedingungen aber mehr Zeit für Manöver kosten, sinkt die Leistung: Auf einer 60 m² großen Fläche mit deutlich mehr Hindernissen fiel der Wert auf knapp 84 m².
Beim Tempo entscheidet am Ende jedoch nicht nur die Navigation, sondern vor allem das Schnittwerk. Der M9 Pro arbeitet mit fünf Klingen und einer Schnittbreite von 20 cm. Genau diese Dimensionierung wird zum Flaschenhals, wenn der Garten großflächig ist oder wenn viele Bahnen pro Lauf erforderlich sind. Im Vergleich zu Modellen mit deutlich breiterem Schnittwerk verliert der Anthbot das „Tempoduell“ spürbar. Dazu passt auch die in den Angaben gestaffelte Flächenempfehlung: Der M9 Pro ist für bis zu 1.000 m² vorgesehen, während die kleinformatige M5-Pro-Variante bis 500 m² abdecken soll. Die Schlussfolgerung aus dem Test ist pragmatisch: Wer viele Quadratmeter in einem zusammenhängenden, gut zugänglichen Layout hat, profitiert stärker von breiteren Schnittwerken.
Noch deutlicher wird das Bild beim Kantenschnitt und in verwinkeltem Gelände. Der Roboter schnitt im Übergang zwischen Rasen und angrenzendem Weg so sauber, dass eine Nacharbeit ausfiel. An festen Begrenzungen blieb hingegen ein etwa 12 cm breiter Streifen ungemäht zurück, was mit dem Abstand zwischen Klingensystem und Gehäuserand zusammenhängt. Modelle, die seitlich ein ausfahrbares Mähdeck nutzen oder einen integrierten Trimmer einsetzen, erledigen diese Aufgabe daher deutlich überzeugender. Hinzu kommt: In der geprüften Engstelle von 70 cm scheiterte der M9 Pro trotz aktueller Firmware (1.0.56) – andere, teils größere LiDAR-Mäher passierten die Stelle. Auch Randsteine im Bereich von fünf bis sechs Zentimetern bilden in der getesteten Gartenkonfiguration ein hartes Hindernis: Diese Rasenzone blieb für den Roboter unerreichbar.
Die Detailprobleme liefern zugleich den Stoff für eine bessere Einschätzung der Betriebspraxis. In einem Abschnitt, der mit Terrassenplatten durchsetzt war, reagierte der M9 Pro zunächst irritiert: Er kurvte hin und her und fuhr sich sogar fest. Erst ein Firmware-Update löste das Problem, eine praxistaugliche Fehlerkorrektur also nach dem ersten Set-up. Auch die Hinderniserkennung ist konfigurationsabhängig: Auf höchster Stufe registriert sie sogar flache Gegenstände wie Bälle oder einen Gartenschlauch und umfährt sie. Bei niedriger Empfindlichkeit entgehen ihr dagegen kleinere Objekte, was besonders im Tagesrandbetrieb relevant ist. Der Test empfiehlt deshalb, nachts nicht zu fahren, um Tiere nicht zu gefährden; und diese Vorsicht gilt prinzipiell auch für vergleichbare Geräte. Für den Diebstahlschutz gilt ebenfalls: Der M9 Pro ist mit app-gebundenem Nutzerkonto gekoppelt und lässt sich ohne erneutes Koppeln nicht einfach weiterverwenden. Zusätzlich kann eine App-Funktion einen Alarm auslösen, sobald der Roboter mehr als 50 Meter außerhalb der kartierten Zone erkannt wird; außerdem gibt es einen abnehmbaren Sicherheitsschlüssel, ohne den das Gerät nicht betrieben werden kann.
Für die Markt- und Kaufentscheidung lohnt am Ende der Blick auf Preis und Zielgruppe. Der Anthbot M9 Pro kostet für Rasenflächen bis 1.000 m² regulär 1.468 Euro, im Angebot lag er im Test bei 1.299 Euro. Das ist ein stolzer Preis, insbesondere wenn man die Ergebnisse zur Schnittbreite und zum Kantenschnitt gegenrechnet. Der Test ordnet den Mäher daher vor allem für überschaubare, gut zugängliche Gärten bis rund 1.000 m² ein, in denen sein geringes Gewicht und die präzise LiDAR-Navigation ausspielen können – etwa auf Hanglagen, wo schwerere Modelle eher Spuren hinterlassen. Wer dagegen enge Durchfahrten, Bordsteinsituationen und viele abgegrenzte Zonen hat, fährt mit Allradmodellen und mehr Bodenfreiheit häufig besser. Für Anwender, die Wert auf einen wirklich durchgehend sauberen Rand legen, sind zudem Geräte mit ausfahrbarem Mähdeck oder integriertem Trimmer die naheliegendere Alternative. Unterm Strich liefert der M9 Pro ein stimmiges Navigationserlebnis, aber die Kombination aus 20 cm Schnittbreite und der beobachteten Schwäche beim Kantenschnitt limitiert die Effizienz dort, wo Konkurrenzmodelle mit breiterem Schnittwerk und besserer Randbearbeitung schneller und sauberer bleiben.
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