LONDON (IT BOLTWISE) – Coinbase-CEO Brian Armstrong geht davon aus, dass Bitcoin im laufenden Zyklus den Boden erreicht hat. Er erwartet für die kommenden ein bis zwei Jahre einen anziehenden Kursverlauf bis zur nächsten Halving-Etappe. Die Argumentation stützt sich auch auf nachlassenden Verkaufsdruck im Markt sowie auf eine breitere Dynamik jenseits von Bitcoin. Parallel rückt Coinbase Stablecoin-Zahlungen auf der Base-Umgebung in den Fokus, die laut Angaben kräftig zugelegt haben.

Brian Armstrong, CEO von Coinbase, stellt zur aktuellen Bitcoin-Phase eine klare These in den Raum: Der Kurs habe den Tiefpunkt des laufenden Zyklus bereits gesehen, und die nächste Bewegung nach oben dürfte sich über den Zeitraum von etwa ein bis zwei Jahren verstärken. Der Bezugspunkt ist dabei nicht nur der kurzfristige Chart, sondern die erwartete Annäherung an das nächste Halving-Event. In einem TV-Interview beschrieb Armstrong diesen Übergang als eine Phase, in der sich der Trend langsam dreht und Richtung Aufwärtsbewegung einschwenkt.
Spürbar wird die Einordnung durch die Marktdaten, mit denen die Aussage zeitlich unterfüttert wird. Bitcoin wurde zu Beginn des Tages laut den Angaben im Beitrag bei rund 78.000 US-Dollar gehandelt, lag damit innerhalb von 24 Stunden um 1,7 % niedriger und rund 38 % unter dem zuvor genannten Rekordhoch von etwa 126.000 US-Dollar. Gleichzeitig heißt es, dass sich der Vermögenswert bereits von seinen sommerlichen Tiefs erholt habe. Für Tech- und Handelsplattformen ist das relevant, weil sich solche Bewegungen typischerweise in Volumen, Liquidität und Risikomodellen spiegeln – und genau hier entscheiden sich oft, ob ein „Rebound“ nur ein Flackern ist oder in einen stabileren Trend mündet.
Auch die fundamentale Marktmikrostruktur spielt in der Argumentation eine Rolle. In einer Research-Notiz, auf die der Beitrag Bezug nimmt, beschreibt Glassnode einen Anstieg des größten Kryptowerts nach Marktkapitalisierung um 23 % innerhalb von 21 Sessions bis zum 9. September. Parallel wird ein Rückgang des Verkaufsdrucks genannt: Als Bitcoin sich einem Widerstandsband zwischen 83.000 und 86.000 US-Dollar näherte, habe sich laut der Notiz der „Selling Pressure“ abgeschwächt. Konkreter wird es über Kennzahlen wie das „Seven-day Sell-Side Risk Ratio“, das in der Darstellung bei 7 Basis-Punkten pro Tag lag – weniger als die 16 Basis-Punkte, die am August-Hoch gemessen worden seien.
Für Unternehmen, die mit KI- und Datenpipelines im Krypto-Umfeld arbeiten, ist die Brücke zwischen Kurs und Nachfrage oft die Frage, welche Signale über den reinen Preis hinausreichen. Armstrong verweist deshalb explizit auf Wachstum jenseits von Bitcoin: Stablecoin-Zahlungen auf Base sollen demnach im Jahresvergleich um 700 % gestiegen sein. Das ist technisch interessant, weil Zahlungsvolumen auf einer spezifischen Umgebung weniger „global“ von der Krypto-Fantasie getrieben ist als Preisbewegungen, sondern stärker von Nutzerinteraktionen, Integrationen (Wallets, Merchant-Tools, Zahlungsroutinen) und der Stabilität der Ausführung abhängt. Dazu passt auch, dass im Beitrag weitere Entwicklungslinien genannt werden: Payments, Tokenisierung, Prediction Markets und „agentic finance“ als zentrale Felder für Coinbase in Richtung 2027.
Der Marktkontext liefert dabei einen weiteren Verstärker: Stablecoins werden in vielen Roadmaps als Brücke für nutzbare Zahlungsflüsse betrachtet, weil sie Volatilität im Alltag reduzieren sollen. In der Darstellung wird zudem eine Prognose genannt, nach der das Stablecoin-Marktvolumen bis 2030 auf 3 Billionen US-Dollar steigen könnte. Auch wenn solche Reichweiten naturgemäß mit Unsicherheit behaftet sind, unterstreicht die Größenordnung, warum Plattformbetreiber zunehmend in Infrastruktur und Produktisierung investieren: Nicht nur Handel, sondern auch Ausführung (Zahlungsrouting), Compliance- und Betriebsprozesse, sowie die technische Anbindung an Ökosysteme werden zu Kernkompetenzen.
Historisch betrachtet ist die Kombination aus Halving-Bezug und Risikometriken kein Zufall. Seit früheren Halving-Zyklen hat sich wiederholt gezeigt, dass sich Erwartungen oft vor dem konkreten Event aufbauen und dann durch Liquidität, Positionierung und makroökonomische Rahmenbedingungen überlagert werden. Die Aussage „Bitcoin hat Boden erreicht“ ist damit eher als Szenario für den nächsten Zyklusabschnitt zu verstehen als als Garantie für einen geradlinigen Verlauf. Für Entscheider in FinTech, Trading-Engineering und Plattformteams heißt das: Modelle und Limits müssen sowohl „Trendwechsel“-als auch „Seitwärts/Volatilitäts“-Szenarien abdecken, gerade wenn sich der Markt einem bekannten Widerstandsbereich nähert oder wenn sich Kennzahlen wie das Sell-Side Risk Ratio drehen.
Unterm Strich verbindet Armstrong in seiner Darstellung drei Ebenen: eine Marktthese für Bitcoin (Boden im Zyklus, Aufwärtstrend bis zum nächsten Halving-Umfeld), eine datenbasierte Begleitstory zu Verkaufsdruck und Widerständen sowie eine strategische Verschiebung hin zu Stablecoin-basierten Zahlungen auf Base. Für die nächsten Monate dürfte der entscheidende Punkt weniger sein, ob der Kurs kurzfristig über oder unter bestimmten Marken liegt, sondern ob sich die Dynamik in wiederholten Aktivitätsfenstern zeigt – also ob Nachfrage, Ausführung und Nutzerinteraktion so stark bleiben, dass sie den Trend tatsächlich stabilisieren. Gleichzeitig verschiebt sich der Produktfokus: Wenn Zahlungsflüsse und Tokenisierung an Tempo gewinnen, entsteht für Plattformen ein breiterer Angriffspunkt als allein der Kryptomarktzyklus. Genau dort entscheidet sich oft, wie schnell sich aus einem bullischen Marktgefühl ein nachhaltiges Umsatz- und Ökosystemwachstum ableitet.
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