HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – In Deutschland ist der Fischkonsum 2025 wieder spürbar gewachsen. Pro Kopf wurden auf Basis des Fanggewichts 13,9 Kilogramm Fisch und Meeresfrüchte verzehrt, 1,6 Kilogramm mehr als 2024. Gleichzeitig berichtet das Fisch-Informationszentrum von einem stabilen Fischpreisindex: 2025 lag er bei 130,2 Punkten. Für den Handel bleibt damit die Absatzfrage vor allem technologisch relevant, weil Nachfrage, Kühlkette und Sortiment effizient gemanagt werden müssen.

Der Appetit auf Fisch und Meeresfrüchte kehrt in Deutschland zurück: Laut Angaben des Fisch-Informationszentrums (FIZ) stieg der Konsum im Jahr 2025 auf 13,9 Kilogramm pro Kopf gemessen am Fanggewicht. Das sind 1,6 Kilogramm mehr als 2024. Damit erreicht der Markt zwar noch nicht das Niveau einzelner Spitzenländer wie Island (fast 84 Kilogramm pro Kopf), zeigt aber nach Jahren der Stagnation wieder eine klare Aufwärtsbewegung. Interessant ist außerdem der Handels-Hintergrund: Insgesamt kauften die Menschen in Deutschland im vergangenen Jahr fast 425.000 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte; der Vorjahreswert lag bei rund 415.000 Tonnen.
Auch preislich wirkt der Markt beruhigter als zuvor. Weigl betonte, dass Fisch im Lebensmittelmarkt nicht mehr zu den Preistreibern gehöre. Für den Zeitraum 2021 bis 2025 nennen FIZ und Geschäftsführung konkrete Preissteigerungen: Fischpreise stiegen um 27,6 Prozent, während Molkereiprodukte und Eier um 39,8 Prozent zulegten. Damit verschiebt sich das Entscheidungsumfeld der Kundinnen und Kunden spürbar; nicht nur der absolute Einkaufspreis, sondern auch seine Relation zu Alternativen wirkt auf Nachfrage. Gleichzeitig stiegen allerdings auch andere Lebensmittel stärker als die allgemeine Preisentwicklung einzelner Segmente, etwa Brot und Getreide (+35,2 Prozent) sowie Fleisch (+28,6 Prozent), wodurch der Markt insgesamt weiterhin in einem Wettbewerbsrahmen steht.
Die Zahlen spiegeln sich in den Indizes: Nach deutlichen Preissteigerungen 2022 und 2023 blieb der Fischpreisindex 2024 und 2025 weitgehend stabil. Für 2025 werden 130,2 Punkte ausgewiesen (Basis 2020 = 100), während der Index für Lebensmittel insgesamt bei 135,9 Punkten lag. Im ersten Halbjahr dieses Jahres betrug der Fischpreisindex 133,3 Punkte, gegenüber 137,7 Punkten beim Lebensmittelindex. Diese Differenz ist mehr als eine statistische Randnotiz: Wenn ein Segment weniger stark schwankt, können Handels- und Beschaffungsprozesse besser geplant werden, etwa bei Bestellungen mit längeren Vorlaufzeiten oder bei der Umstellung von Promotion-Frequenzen. Für Unternehmen bedeutet das, dass Planungsmodelle nicht nur Preis-, sondern auch Verfügbarkeits- und Nachfrageprofile abgleichen müssen.
Sortiment und Einkaufsgewohnheiten liefern weitere Ansatzpunkte. Lieblingsfisch bleibt der Lachs, gefolgt vom Alaska-Seelachs, der besonders für Fischstäbchen genutzt wird. Auf die Plätze drei bis fünf kommen wie im Vorjahr Thunfisch, Hering und Garnelen. Beim Format bevorzugen die Bundesbürger vor allem Fisch aus der Dose sowie Tiefkühlware; Frischfisch und Krebs- und Weichtiere folgen danach. Zusammen decken diese Kategorien laut Angabe mehr als 70 Prozent des Gesamtmarktes ab. Ebenso auffällig sind die Vertriebswege: 49 Prozent der Fische und Krustentiere werden in Discountern verkauft, 41 Prozent in Super- und Verbrauchermärkten; auf Fischfachgeschäfte entfallen lediglich vier Prozent.
Der regionale Vergleich zeigt außerdem, dass Konsum nicht nur Produkt- und Preisfrage ist, sondern auch Gewohnheit und Verfügbarkeit. Am meisten Fisch wird demnach in Bremen mit 6,2 Kilogramm pro Kopf konsumiert, gefolgt von Hamburg (6,0 Kilo) und Schleswig-Holstein (5,8 Kilo). Mecklenburg-Vorpommern fällt mit 4,4 Kilogramm und damit auf den vorletzten Platz aus; als mögliche Erklärung wurde ein geringeres Großstädte-Vorkommen sowie ein vergleichsweise eingeschränktes Angebot in Supermärkten und Discountern genannt. Den letzten Platz belegt das Saarland mit 4,0 Kilogramm, während der Bundesschnitt bei 5,1 Kilogramm liegt. Für Händler und Hersteller ist das relevant, weil regionale Sortimentstiefe, Marketingkanäle und Logistikplanung zusammenwirken.
Gerade hier wird der Einsatz moderner Technologien greifbar. Während die Meldung selbst keine neuen KI-Ergebnisse liefert, zeigt die Marktsituation eine praktische Lücke: Wer Nachfrage nach Lachs, Alaska-Seelachs oder Thunfisch genauer treffen will, braucht Daten über Preisrelationen, Promotionen, Abverkaufsraten und Haltbarkeitsfenster entlang der Kühlkette. KI-gestützte Prognosen (etwa für Bestellmengen, Nachfragerückgänge bei einzelnen Produktformen oder regionale Unterschiede zwischen Stadtstaaten und Flächenländern) können helfen, Überbestände zu reduzieren und gleichzeitig die Verfügbarkeit zu sichern. In einem Markt, in dem der Fischpreisindex zwar stabil bleibt, aber das Einkaufsverhalten stark segmentiert ist, wird „präzise Planung“ vom Bauchgefühl zur datenbasierten Disziplin.
Für die nächsten Monate dürfte daher weniger die Frage nach dem generellen Trend entscheiden als die nach der Aussteuerung: Die Stabilität des Fischpreisindex bietet die Grundlage, um Sortiment und Logistik auf Wachstum auszurichten, aber die Vorlieben nach Einfrier- und Konservierungsgrad sowie Vertriebsweg verlangen feingranulare Steuerung. Wenn der Markt gleichzeitig weiterhin über 600 Fischarten handelt, wird die Herausforderung komplexer: von der Disposition über Qualitätskontrolle bis hin zur Vermarktung im richtigen Kanal. Für Unternehmen im Lebensmitteleinzelhandel, in der Verarbeitung und in der Logistik bedeutet das, dass Effizienzgewinne künftig dort entstehen, wo Produktdaten, Preisentwicklung und regionale Konsummuster zuverlässig zusammengeführt werden.
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