KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – RTL testet zwischen 15:55 und 17 Uhr fünf KI-bearbeitete Folgen von „Ulrich Wetzel – Das Strafgericht“. Dabei werden nicht nur Bild, Sprache und Lippenbewegungen angepasst, sondern Figuren, Handlungsverläufe und sogar Urteile so umgeschrieben, dass teils andere Enden entstehen. Parallel betont der Sender eine „Pilot- und Lernphase“ und will die Inhalte redaktionell geprüft wissen. Umso mehr wirft die fehlende KI-Kennzeichnung im linearen Programm Fragen auf.

RTL erweitert die klassische Postproduktion im TV derzeit um einen ungewöhnlich ehrgeizigen KI-Praxistest: Fünf alte Folgen von „Ulrich Wetzel – Das Strafgericht“ werden gemeinsam mit Constantin Entertainment so überarbeitet, dass daraus neue Geschichten werden. Laut Sender erfolgt der Test im linearen Programm auf einem Sendeplatz zwischen 15:55 und 17 Uhr; technisch geht es damit deutlich über typische Workflows hinaus, bei denen KI etwa nur einzelne Bildhintergründe ersetzt oder Schnittvarianten schneller erzeugt. Im Zentrum steht vielmehr ein KI-gestütztes Rewriting der Inhalte, sodass am Ende nicht nur eine andere Optik, sondern auch andere Aussagen, Verläufe und teils neue Urteile stehen.
Aus technologischer Sicht ist besonders auffällig, dass in der KI-Fassung nicht eine einzelne Qualitätsebene verbessert wird, sondern mehrere Medienbausteine zusammenwirken: RTL verweist auf Verfahren für Bildbearbeitung, Sprachsynthese und Lipsync-Anpassungen. Die Wirkung wird im Vergleich direkt sichtbar, weil selbst die „Vortragsrolle“ der Staatsanwältin in der Original- und KI-Fassung inhaltlich unterschiedliche Aussagen transportiert. Das ist ein Hinweis darauf, dass das System nicht nur Mundbewegungen „auflegt“, sondern auch sprachlich-thematische Bestandteile der Szene neu produziert und dabei in das bestehende Setting integriert. Gleichzeitig bleibt aber ein entscheidender Hybridfaktor erhalten: Der neue Angeklagte ist laut Darstellung kein rein fiktiver Avatar, sondern ein Schauspieler, der per KI in die bestehende Produktion „eingepasst“ wird.
Genau dieser Mix aus kreativer Neucodierung und verbleibender Schauspiel-Realität macht den Test gleichzeitig spannend und angreifbar. Blickt man auf einzelne Folgen, fällt laut Beschreibung ein wechselhaftes Qualitätsniveau auf: An manchen Stellen wirken Wörter „genuschelt“, die Lippenbewegungen sind an anderen Stellen nicht synchron zum gesprochenen Text, und die Interaktion zwischen Figuren wirkt hölzern. Für den Sender ist das Ergebnis deshalb doppelt relevant: Zum einen zeigt der Ansatz, wie stark KI-basierte Sprach- und Bildanpassungen in ein serielles Format eingreifen können. Zum anderen liefert die tatsächliche Ausspielqualität eine praktische Messlatte dafür, welche Lücken bei Synchronität, Timing und konsistenter Figurendarstellung trotz redaktioneller Prüfung bestehen bleiben.
Während RTL damit technische Grenzen austestet, testet es parallel eine zweite Grenze: die Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte. Im Umfeld des Experiments ist vor allem die relativ neue KI-Verordnung der EU relevant, die eine Kennzeichnung von KI-Inhalten vorsieht, dabei aber für kreative und fiktionale Werke Ausnahmen und zugleich Kriterien für eine „offenlegende“ Darstellung in geeigneter Weise diskutiert. RTL wählt im linearen Programm offenbar den stärksten Schritt: Im laufenden TV wird auf eine Kenntlichmachung verzichtet. Anders als bei RTL+ gibt es am Ende der Folgen dort lediglich einen kurzen Hinweis im Abspann („Teile der Inhalte wurden unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz erstellt“), während das lineare Format ohne solche Einblendungen auskommt.
Für die Debatte sorgt zudem die Rückkopplung aus der Medienaufsicht: Die zuständige niedersächsische Landesmedienanstalt verweist auf Artikel 50 Absatz 4 der KI-Verordnung und hält eine Kennzeichnung im TV-Programm nach dieser Definition grundsätzlich für „folgerichtig“. Damit bleibt die zentrale Spannung bestehen, die Sender im Gespräch als „formatgerechte Transparenz“ umschreiben: Ein Vertreter betont, dass die Verordnung dem besonderen Charakter fiktionaler Werke Rechnung trage und man deshalb nicht unmittelbar im laufenden Programm kennzeichne. Ausschlaggebend sei auch, ob beim Publikum der Eindruck entstehen könne, es handele sich um authentische oder wahrheitsgetreue Aufnahmen. Kritisch ist dabei weniger die Frage, ob solche Eindrücke entstehen, sondern warum gerade in einem Pilotformat, auf das die Branche hinschaut, ausgerechnet keine unmittelbare Markierung erfolgt.
Auch für die Rechte- und Produktionspraxis ist der Fall ein Lehrbeispiel dafür, wie vorsichtig ein solcher KI-Ansatz gehandhabt werden muss. RTL geht nach eigener Darstellung davon aus, dass der Einsatz mit den betroffenen Personen abgeklärt wurde, nennt aber keine Details dazu, ob zusätzliche Vergütungs- oder Freigabeschritte etwa bei einer konkreten Sprecherrolle erfolgt sind. Zugleich macht der Sender klar, dass es sich im aktuellen Fall nicht um ein fest definiertes Produktionsmodell für die Zukunft handelt, sondern um einen Praxistest, der bewusst als „Pilot- und Lernphase“ gerahmt wird. Finanziell dürfte das Experiment angesichts des Aufwands und der überschaubaren Zahl von Folgen eher kein kurzfristiger Erfolgstreiber gewesen sein; interessant ist es vor allem als Machbarkeits- und Prozessstudie.
Damit stellt sich am Ende eine Frage, die über Technik und Regulierung hinausgeht: Sind es wirklich „neue“ Folgen, wenn aus fünf älteren Episoden durch KI-Bearbeitung Geschichten entstehen, die wie zwischen Wiederholung und Neuerfindung liegen? Für das Publikum wird der Unterschied vermutlich nicht nur im Marketing („neu“) sichtbar, sondern im Gefühl für Konsistenz: Wenn Urteile, Beziehungen und sogar das Geschlecht einer Hauptfigur verändert werden, entsteht eine andere Dramaturgie, aber auch die Erwartung, dass Grenzen sauber definiert sind. RTL versucht, diese Erwartung über redaktionelle Verantwortung und Qualitätsabsicherung zu managen. Perspektivisch bleibt aber offen, wie weit man mit generativ erzeugten Figuren, sensiblen Handlungen und dem Einsatz realer Gesichter gehen kann und welche Rechte- und Ethikfragen dabei in den Vordergrund rücken.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "RTL nutzt KI für „Das Strafgericht“: Neue Episoden, aber fragwürdige Kennzeichnung" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "RTL nutzt KI für „Das Strafgericht“: Neue Episoden, aber fragwürdige Kennzeichnung" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »RTL nutzt KI für „Das Strafgericht“: Neue Episoden, aber fragwürdige Kennzeichnung« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!