HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Malika Rabahallah, Leiterin des Filmfest Hamburg, erklärt im Podcast „Wie ist die Lage?“ das Konzept hinter dem kostenlosen Kinotag am 3. Oktober. Im Gespräch geht es auch um prominente Programmpunkte wie Helen Mirren sowie um die Suche nach weiteren Unterstützern für das Festival. Außerdem ordnet Rabahallah politische Debatten und Themen wie Bürokratie und den Elbtower ein. Dabei bleibt das Ziel klar: mehr Menschen sollen Kinoerlebnisse bekommen – auch ohne Filmfest-Erfahrung.

Dass ein Festival nicht nur aus Programmplänen besteht, sondern aus Reichweite, Zugängen und gesellschaftlicher Relevanz, zeigt das aktuelle Gespräch mit Malika Rabahallah eindrücklich: Sie beschreibt, wie das Filmfest Hamburg Menschen ins Kino holen will, die zuvor nie beim Filmfest waren. Der Ansatz wirkt simpel, ist aber operativ anspruchsvoll. Wenn der kostenlose Kinotag am 3. Oktober als Türsteher fungiert, muss die gesamte Kette dahinter funktionieren – von der Platzlogistik über die Kommunikation bis hin zu einer Erfahrung, die auch dann als „richtiges Festival“-Gefühl ankommt, wenn der Einstieg zum ersten Mal passiert.
Technisch betrachtet ist dabei weniger „die KI“ der Dreh- und Angelpunkt, sondern die Infrastruktur der Kulturvermittlung. Ein Festival bewegt sich zwischen analogen Erlebnissen und digitalen Kontaktpunkten, und im Gespräch wird das indirekt sichtbar: Rabahallah nennt den kostenlosen Kinotag als konkrete Maßnahme, die ohne spezielle Vorleistungen verständlich sein soll, während gleichzeitig über ein Podcast-Format regelmäßig Aufmerksamkeit erzeugt wird. Audio-Podcasts liefern dabei ein wiederkehrendes Vertriebs- und Bindungsinstrument, weil sie Zeitfenster nutzen, in denen Menschen sonst wenig Kultur konsumieren – etwa unterwegs. Gerade bei einem Ziel wie „auch Erstbesucher“ ist die Wahl des Kanals entscheidend: Der Ton trifft informell vor Ort ein, noch bevor jemand den ersten Kinobesuch als Event einordnet.
Im selben Gespräch tauchen konkrete inhaltliche Anker auf: Helen Mirren wird als Teil des Kontextes erwähnt, der den Festivalcharakter über die eigene Region hinausgreifbar macht. Dazu kommt die Suche nach weiteren Unterstützern – also das klassische Fundraising-Thema, das in der Praxis häufig mit Kalkulationen, Planbarkeit und Ressourcenbindung zusammenhängt. Interessant ist dabei, wie Rabahallah das Thema Bürokratie einordnet: Wer ein Festival ausrichtet, landet zwangsläufig in Genehmigungs- und Abstimmungsprozessen, die für Zuschauer unsichtbar bleiben, für Veranstalter aber über Zeitpläne und Umsetzung entscheiden. Damit wird „Kulturarbeit“ gleichzeitig zu Projektmanagement – und gerade in diesem Feld unterscheiden sich funktionierende von wackeligen Strategien.
Auch die politische Dimension wird nicht ausgeklammert: Die AfD kommt im Gespräch vor, ebenso Themen wie der Elbtower. Das ist weniger ein Zufallsdetail als ein Hinweis darauf, dass Filmfestivals im Stadtraum immer mit Deutungen verbunden sind. Besucherinnen und Besucher bringen eigene Fragen mit – etwa, wer entscheidet, wie Mittel verteilt werden, oder wie sich Kultur in eine breitere Medien- und Stadtdebatte einordnet. Für Veranstalter entsteht daraus ein Kommunikationsproblem: Man muss Stellung beziehen, ohne den gesellschaftlichen Austausch abzuschnüren. Gerade weil das Ziel am Ende ganz praktisch ist – Menschen kostenlos ins Kino zu bringen – darf die öffentliche Debatte den Zugang nicht blockieren, sondern sollte ihn erklären.
Der Podcast selbst macht zusätzlich deutlich, wie stark das Festival-Ökosystem von Menschen lebt, die nicht nur „Publikum“ sein wollen, sondern Mitwirkende. Rabahallah wird im Gespräch mit Lars Meier zusammengebracht, dessen Rolle im Podcast-Konzept darin besteht, unterschiedliche Perspektiven aus Hamburg einzufangen. Das ist ein relevanter Markt- und Branchenaspekt: In vielen Medienumfeldern konkurrieren Angebote um Aufmerksamkeit, doch für Kulturveranstaltungen zählt vor allem die Vor-Ort-Beziehung. Wenn Menschen über einen regelmäßigen Tonkanal den Einstieg in „Filmfest Hamburg“ bekommen, sinkt die psychologische Hürde für den ersten Besuch am kostenlosen Kinotag. Außerdem bleibt das Thema nicht bei großen Namen stehen: Es geht auch um Neugier, um Fragen und um das konkrete Erleben eines Programmpunkts.
Dass gleichzeitig der FC St. Pauli und die Idee aufkommen, einmal ein Spiel besuchen zu wollen, unterstreicht die Verknüpfung von Kultur mit dem lokalen Identitätsraum. Solche Querverbindungen sind mehr als Nostalgie: Sie zeigen, dass ein Festival seine Community nicht nur über Filmkenntnis baut, sondern über gemeinsame Stadtwahrnehmung. In der Praxis bedeutet das: Rabahallahs Gespräch adressiert sowohl Unterstützer als auch Zielgruppen, ohne das Publikum auf „Kenner“ zu reduzieren. Genau deshalb ist der kostenlose Kinotag am 3. Oktober strategisch: Er senkt die Einstiegskosten und schafft einen Moment, in dem aus Interesse eine Gewohnheit werden kann.
Für die weitere Entwicklung des Filmfest Hamburg dürfte vor allem entscheidend sein, wie gut die Organisation das Versprechen „kostenlos, niedrigschwellig, festivalnah“ in wiederholbare Abläufe übersetzt. Der Hinweis auf konkrete Informationsquellen im Umfeld einer begleitenden Veranstaltung – etwa der Verweis auf Tickets und Details über abicht.de – zeigt, wie wichtig verlässliche Informationskanäle sind, wenn kurzfristige Entscheidungen getroffen werden. Und selbst wenn der Kern weiterhin analog bleibt, gewinnt die digitale Schicht an Bedeutung: Sie entscheidet darüber, ob Menschen am richtigen Tag im richtigen Kino sitzen. Wer das schafft, stärkt nicht nur die Zuschauerzahlen, sondern auch die Planbarkeit gegenüber Förderern und Unterstützern, die wissen wollen, dass der Zugang nachhaltig funktioniert.
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