LONDON (IT BOLTWISE) – Kalshi und Polymarket sind in den USA zu einem Massenphänomen geworden und ermöglichen Wetten auf Ereignisse per sogenannten Event-Contracts. Die Plattformen geraten zugleich wegen Insiderhandel, Manipulationsversuchen und der Suchtdebatte zunehmend unter Druck. In mehreren Bundesstaaten laufen Verfahren, während Gerichte die Zuständigkeit unterschiedlich bewerten. Am Ende könnte der Supreme Court klären, wie Prediction Markets bundesweit reguliert werden.

Kalshi und Polymarket: So funktionieren Prediction Markets – und warum sie juristisch strittig sind
Kalshi und Polymarket: So funktionieren Prediction Markets – und warum sie juristisch strittig sind (Foto: IT BOLTWISE)
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Kalshi und Polymarket stehen derzeit sinnbildlich für einen neuen Typ von „Wetten“, der sich im Alltag bereits festgesetzt hat: Prediction Markets übersetzen zukünftige Ereignisse in handelbare Verträge, bei denen Nutzer im Kern auf ein binäres Ergebnis setzen. Der Reiz ist einfach zu erklären. Statt traditionelle Lotterien oder Sportwetten zu nutzen, können Teilnehmer über Event-Contracts auf konkrete Fragen tippen – etwa darauf, ob die US-Notenbank im September die Zinsen anhebt. Der Vertragswert wird als Preis abgebildet, der sich aus der Summe der Käufe ergibt: Der Gesamtpreis entspricht dabei 1 US-Dollar, einzelne Käufer zahlen beispielsweise 56 Cent, wenn sie eine „Ja“-Position einnehmen. Gewinnen ist dabei nicht „Glück“ im klassischen Sinn, sondern das Ergebnis von Erwartungen, die sich im Markthandel verdichten.

Technisch betrachtet funktionieren Prediction Markets ähnlich wie Märkte für Finanz- oder Warenkontrakte, nur dass das zugrunde liegende Objekt kein Rohstoff ist, sondern ein Ereignis. Ein Event-Contract stellt eine Frage als Bedingung dar; danach hängt die Auszahlung des gesamten Vertragswerts vom Ja-/Nein-Ergebnis ab. Die Plattformen verdienen typischerweise über Gebühren pro Handelstransaktion, nicht über die Richtung der Wette. Genau diese Mechanik hat auch andere Akteure angezogen: Branchen-Apps, die zunächst mit Börsenhandel oder Sport-/Game-Cashflow bekannt wurden, haben sich ebenfalls Prediction-Market-nahe Angebote angesehen. Auch auf Konzernseite wurde laut dem vorliegenden Text das Interesse deutlich, indem ein Team bei einem großen Tech-Unternehmen eine Smartphone-Lösung anstoßen wollte, die die Funktionsidee von Polymarket und Kalshi aufgreift.

Worüber Nutzer streiten, zeigt sich aber vor allem in der Frage, was dort eigentlich „verboten“ oder „erlaubt“ ist. Während die Märkte in vielen Teilen der Welt rechtlich weniger problematisch erscheinen, wird es in den USA kompliziert: Über etwa 20 Bundesstaaten hinweg versuchten Behörden, Prediction Markets mit bestehenden Anti-Gambling-Regeln zu stoppen. Minnesota wird im Text als erster Bundesstaat genannt, der in diesem Jahr ein Gesetz verabschiedete, das Prediction Markets verbieten soll. Die Gegenposition lautet jedoch, dass Kalshi und Polymarket sich nicht als klassisches Glücksspiel verstehen, sondern als Plattformen, die Verträge bereitstellen, die wie Commodity- oder Finanzinstrumente funktionieren – also als „Austausch“ von „Trades“, nicht als Lotterie.

Gerichte haben diese Zuständigkeitsfrage in unterschiedlichen Richtungen bewegt. In Nevada musste Kalshi im Juli Einschränkungen hinnehmen, die Nutzer daran hindern sollen, auf Sport, Wahlen und Entertainment zu wetten. Auch Washington wird erwähnt: Ein Richter in Seattle untersagte Kalshi dort im Wesentlichen die meisten Aktivitäten. Gleichzeitig haben Berufungsgerichte die Debatte weiter verschoben. Das U.S. Court of Appeals für den Ninth Circuit in San Francisco entschied laut Quelle, dass Bundesstaaten Prediction Markets regulieren dürfen. Diese Auffassung widerspricht aber einer früheren Entscheidung des Third Circuit aus Philadelphia, die Sport-Event-Contracts als Finanzwerkzeuge im Sinne des Commodity Exchange Act einordnete und damit auf eine Bundes-Vorrangstellung (federal pre-emption) verwies. Für die Branche ist genau diese Zersplitterung der Kern des Risikos: Selbst wenn ein Bundesstaat eine Linie verfolgt, kann eine übergeordnete Instanz sie im nächsten Schritt kippen.

Parallel zur Rechtsfrage wächst die technische und integrative Sorge um Marktqualität. Die Popularität der beiden Plattformen hat im Text ausdrücklich Ängste vor Insiderhandel und Manipulation befeuert. Obwohl die Sites Regeln gegen die Nutzung von nicht öffentlich zugänglichen Informationen anführen, seien den Angaben zufolge dennoch Manipulationsversuche aufgetaucht. Kalshi habe etwa mehrere Nutzer gesperrt, darunter George Santos. Dabei heißt es im Material, Santos habe Vorwürfen zufolge auf Grundlage von Insiderwissen gewettet, konkret im Zusammenhang mit der Frage, ob er an der State of the Union im Februar teilnimmt – und es wird beschrieben, dass er vor der Rede zunächst angekündigt habe, zu erscheinen, es dann aber nicht tat. Zusätzlich nennt der Text eine Behauptung aus dem Umfeld der Plattform: Kalshi erklärte, ein White-House-Teleprompter-Operator habe seine Position genutzt, um rund 100.000 US-Dollar mit Wetten darauf zu verdienen, was Präsident Trump in seinen Reden sagen würde.

Auch in anderen Fällen geht es um die Spannbreite von „Information“ und „Zugang“. Im April wurde im Text ein Soldat erwähnt, der dem Vorwurf zufolge klassifizierte Informationen genutzt habe, um über Polymarket mehr als 400.000 US-Dollar zu verdienen – in Bezug auf unterschiedliche Outcomes rund um eine Mission. Der Text hält fest, dass er sich nicht schuldig bekannte. Diese Beispiele machen deutlich, warum Prediction Markets nicht nur durch ihre Oberfläche spannend sind, sondern durch die Angriffsfläche an der Schnittstelle zwischen Informationsvorsprung und Handel. Daneben schwingt eine zweite Debatte mit: Einige Gesetzgeber und andere Stimmen äußerten laut Quelle die Sorge, dass solche Plattformen Glücksspielabhängigkeiten fördern und Nutzer ausnutzen könnten. Das ist weniger eine technische Frage als eine gesellschaftliche, wirkt aber indirekt auf die Geschwindigkeit von Regulierungsentscheidungen.

Die politische Dimension ist im Material ebenfalls auffällig und wirkt wie ein Brandbeschleuniger für die Kontrolle. Der Text beschreibt enge finanzielle Verbindungen von Teilen der Trump-Familie zur Branche: Donald Trump Jr. sei im vergangenen Jahr als Berater bei Kalshi eingestiegen und habe dabei laut Quelle Aktien im Wert von mehr als 300.000 US-Dollar erhalten; zudem habe er Polymarket begleitet und über 1789 Capital investiert, wo er als Partner gilt. Parallel dazu wird beschrieben, dass der Präsident laut Quelle Schritte unternommen habe, um die Branche zu fördern: Der vom Präsidenten ernannte Leiter der Commodity Futures Trading Commission habe sich laut Text enthusiastisch über die Unternehmen geäußert, und es wird berichtet, dass Staaten, die Regulierung versuchten, verklagt wurden. Gleichzeitig weist der Text auf die Abgrenzung hin, die Trump Jr. selbst vorgenommen habe: Er habe laut Quelle als privater Bürger investiert und keinerlei Rolle in der Administration gehabt.

Für Unternehmen und Entwickler stellt sich am Ende weniger die Frage „Sind Prediction Markets richtig oder falsch?“, sondern wie man die Logik der Plattform in robuste Systeme übersetzt, die Marktrisiken und Rechtsunsicherheiten gleichzeitig managen. Aus technischer Sicht ist die wichtigste Orientierung im Text sogar positiv gerahmt: Prediction Markets können Genauigkeit erreichen, wenn viele unterschiedliche Erwartungen zusammenfließen. Studien zur sogenannten „wisdom of crowds“ werden im Material als Hintergrund genannt. Für die Praxis bedeutet das: Datenpunkte aus solchen Märkten können nützlich sein, um Entwicklungen rund um Politik, Wirtschaft, Außenpolitik oder sogar Wetter zu antizipieren. Trotzdem bleibt der Realitätscheck zwingend – denn wenn Insiderzugang den Markt „verzerrt“, sinkt die Aussagekraft, und wenn Gerichte die Zuständigkeit neu ziehen, wird aus einer vermeintlich skalierenden Plattform schnell ein Compliance- und Betriebsrisiko. Wie sich das in Zukunft entscheidet, dürfte weniger von einzelnen Vertragsdesigns abhängen, sondern davon, ob der Supreme Court eine konsistente Linie für die Regulierung vorgibt.


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