PRENZLAU / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Evangelische Hospiz Prenzlau nimmt ab sofort Gäste auf und bietet bis zu zwölf Menschen Geborgenheit auf ihrem letzten Weg. Die Einrichtung ist mit drei miteinander verbundenen Gebäuden geplant und verzichtet bewusst auf eine Krankenhausanmutung. Das Haus arbeitet mit 26 hauptamtlichen und acht ehrenamtlichen Mitarbeitenden, die eine palliativ care Zusatzausbildung absolviert haben. Finanziert wird die Versorgung überwiegend über Krankenkassen, ergänzt durch Spenden und ehrenamtliches Engagement.

In Prenzlau entsteht ein Ort, der nicht auf medizinische Distanz setzt, sondern auf spürbare Nähe. Das Evangelische Hospiz Prenzlau öffnet seine Räume ab sofort und richtet sich an Menschen, die in den letzten Wochen ihres Lebens begleitet werden möchten. Nach Angaben der Einrichtung sind dabei bis zu zwölf Gäste gleichzeitig möglich. Ab dem 14. September sollen die ersten Betroffenen dort aufgenommen werden, damit sie nicht nur versorgt, sondern auch in ihrer Lebenssituation respektvoll begleitet werden können.
Beim Blick auf die bauliche Idee wird die Absicht schnell deutlich: Auf dem rund 6000 Quadratmeter großen Grundstück sind drei miteinander verbundene Gebäude entstanden, die ebenerdig organisiert sind. So können Betten auf Wunsch aus den wohnlich eingerichteten Zimmern bis zur Terrasse geschoben werden, etwa wenn der kurze Gang in den Außenbereich Teil des Alltags im Hospiz werden soll. Die Einrichtung beschreibt ausdrücklich ein Umfeld ohne Krankenhaus-Atmosphäre – weder die Gestaltung noch die Dienstkleidung der insgesamt 26 hauptamtlichen Mitarbeitenden soll den Eindruck eines Klinikbetriebs erzeugen. Zum Team gehören 18 Pflegefachkräfte, Hauswirtschaftskräfte, eine Seelsorgerin, eine Ehrenamtskoordinatorin sowie ein Hausmeister, ergänzt um acht ehrenamtliche Unterstützer.
Auch organisatorisch geht das Hospiz über Standardrollen hinaus. Laut Darstellung der Geschäftsführung haben alle haupt- und ehrenamtlichen Kräfte eine Zusatzausbildung in palliativ care absolviert, damit die Betreuung bereits „von der ersten Stunde an“ an der tatsächlichen Lebensphase ausgerichtet werden kann. Für die medizinische Einordnung spielt ein ärztliches Hospiz-Gutachten eine zentrale Rolle: Es weist eine verbleibende Lebenserwartung von drei bis vier Wochen aus. Damit wird die Zeitplanung in den richtigen Rahmen gesetzt – die Hospizarbeit zielt dann auf Schmerzfreiheit und darauf, die verbleibende Lebensspanne so lebendig wie möglich zu gestalten. Für Betroffene und Angehörige sollen dabei ausdrücklich auch finanzielle Sorgen eine geringere Rolle spielen; die Aufnahme erfolgt ohne Eigenanteil.
Diese Ausrichtung zeigt sich ebenso in der Finanzierung. Das Projekt in Prenzlau ist über eine Bauphase hinweg entstanden, an der 40 Firmen beteiligt gewesen sein sollen, darunter viele aus der Region. Die Investitionssumme wird mit 5,8 Millionen Euro beziffert. Krankenkassen übernehmen 95 Prozent des tagesbezogenen Bedarfssatzes; die verbleibenden fünf Prozent müssen nach dem beschriebenen Modell über Spenden und ehrenamtliches Engagement refinanziert werden. Damit hängt ein Teil der Stabilität nicht nur an Verhandlungen im System, sondern auch an der lokalen Mitwirkung: Allein die Bürgerstiftung der Sparkasse Uckermark habe 20.000 Euro für das Hospiz bereitgestellt. Dass im Hospiz-Gesamtmodell „Versorgungsvertrag und Vergütungsvereinbarungen“ unterschrieben seien, nennt die kaufmännische Leitung als weiteren Sicherheitspfeiler für den Betrieb.
Konkrete Spendensignale setzen daneben auch die Stadtgesellschaft und kirchliche Strukturen. Bei der Einweihung am 10. September kamen Vertreter aus Politik und Kirche zusammen, darunter die Landrätin Karina Dörk sowie Bürgermeister Marek Wöller-Beetz. In den Worten, die anlässlich der Eröffnung überliefert werden, wird das Hospiz als Teil der Gemeinschaft beschrieben: als Haus, in dem Gäste „bis zum letzten Lebenstag fester Bestandteil“ bleiben sollen, statt an den Rand des öffentlichen Lebens zu rücken. Symbolisch wurde ebenfalls ein Feigenbaum überreicht, der später den Gästen Schutz geben soll; in der biblischen Deutung steht er zugleich für Sicherheit, Wohlstand und Frieden. Das Motiv passt zur Raumidee: Lichtdurchflutete Bereiche, wohnliche Zimmer und eine Gestaltung, die Begegnungen ermöglicht, ohne sie aufzudrängen.
Gerade im Alltag zwischen Versorgung und persönlichem Erleben zeigt sich, dass das Konzept nicht bei Architektur und Personal endet. Das Gelände wird nicht umzäunt; im Oktober sollen weitere Bepflanzungen folgen und die Außenanlagen mit Verweilplätzen gestaltet werden, die zu Begegnungen einladen. So entsteht ein Schutzraum, der zugleich lebendig bleibt und das Hospiz nicht aus dem städtischen Leben herausnimmt. Für Pflegedienstleiterin Anne Böhnke wird dieser Ansatz als Teamhaltung formuliert: Man trage gemeinsam, was allein zu schwer ist. Neben dem wohnlichen Gesamteindruck wird das auch durch Angebote unterstützt, die über klassische Pflegestationen hinausgehen, etwa ein großzügiges Aroma-Pflegebad in einem separaten Raum.
Für den Betrieb in der Uckermark ist die Eröffnung zudem ein klarer Versorgungsschritt. Das Hospiz wird als einzige stationäre Einrichtung dieser Art in der Region beschrieben, also als Lücke, die zuvor bestand. Daphna Bongardt, Leiterin der BKK-Landesvertretung, wird mit dem Dank an das Diakonissenhaus Teltow verbunden, das mit dem Hospiz den „letzten weißen Fleck“ im Land Brandenburg „bunt“ gemacht habe. Auch geerbtes Equipment zeigt, wie das Haus in das soziale Gefüge eingebettet werden soll: Ein geerbtes Klavier wird dem Hospiz als Dauerleihgabe übergeben. Spenden- und Vereinsaktivitäten, etwa durch Seniorenvereine und weitere Initiativen, unterstreichen dabei, dass Hospizarbeit nicht nur ein medizinisches Setting ist, sondern ein gesellschaftliches Projekt mit kontinuierlichen Unterstützungsströmen.
Damit stellt sich am Ende nicht nur die Frage nach einem neuen Standort, sondern nach dem Modell, das dahintersteht. Das Zusammenspiel aus palliativ ausgebildetem Personal, wohnlicher Architektur, stadtweiter Vernetzung und einer Finanzierung, die überwiegend über Krankenkassen getragen wird und den Rest durch lokale Solidarität abfedert, macht den Ansatz übertragbar. Für Verantwortliche in Pflege- und Sozialträgern ist besonders interessant, wie das Hospiz die Brücke zwischen Betreuungsqualität und Akzeptanz in der Öffentlichkeit herstellt: Es schafft einen Rahmen, in dem Würde, Respekt und menschliche Zuwendung nicht als Zusatz, sondern als Leitprinzip in die Struktur eingezogen werden. Und mit Blick auf künftige Projekte bleibt die zentrale Botschaft: Wenn Versorgung gelingt, dann nicht nur mit Fachkompetenz, sondern auch mit einer Umgebung, in der Menschen sich wirklich „ausatmen“ können.
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