LONDON (IT BOLTWISE) – Laut einer Analyse von Grayscale Research fällt die Bilanz für Miner auf zwei Ebenen unterschiedlich aus. Auf der Skalierungsebene liegen die Gesamtbelohnungen klar bei Bitcoin, während Zcash pro Mining-Rig und vor allem pro verbrauchter Kilowattstunde deutlich besser abschneidet. Der Vorteil wird dabei mit der Preisstärke von ZEC verknüpft, die nach einer langen Phase wieder über 1.000 US-Dollar stieg. Gleichzeitig betont Grayscale, dass der Vergleich wegen unterschiedlicher Mining-Hardware und der starken Abhängigkeit von Strom- und Betriebskosten nur eingeschränkt direkt ist.

Die Frage, welche Kryptowährung sich „besser“ minen lässt, klingt auf den ersten Blick wie ein reines Rechenproblem. In der Praxis hängt die Antwort aber davon ab, ob man auf die Summe der ausgezahlten Blockbelohnungen schaut oder auf die Wirtschaftlichkeit für den einzelnen Betreiber. Eine aktuelle Auswertung von Grayscale Research stellt genau diese Zweiteilung in den Mittelpunkt: Bitcoin dominiert bei der absoluten Reichweite und damit auch bei den gesamten täglichen Rewards der Miner. Zcash hingegen sticht bei den Kennzahlen heraus, die die Effizienz pro Maschine und pro Energieeinheit abbilden.
Beim Scale-Vergleich nennt Grayscale für Bitcoin eine tägliche Ausschüttung von rund 35 Millionen US-Dollar an Miner-Rewards, während Zcash-Miner laut der gleichen Berechnung etwa 2 Millionen US-Dollar erreichen. Dieser Abstand erklärt sich wesentlich aus der Größenordnung des Bitcoin-Netzwerks und der daraus resultierenden Hashrate: Je mehr Rechenleistung im jeweiligen Proof-of-Work-System eingesetzt wird, desto stärker verteilt sich die Blockausbeute über die Miner-Landschaft. Für viele Marktteilnehmer ist das intuitiv, für Investoren und Betreiber wird es jedoch besonders relevant, wenn man nicht nur auf „wer hat mehr“, sondern auf „wie verteilt sich die Rendite“ achtet.
Der Befund kippt jedoch, sobald Grayscale die Perspektive der einzelnen Ausrüstung einnimmt. Für eine typische Zcash-Mining-Rig schätzt die Analyse eine tägliche Einnahme, die ungefähr doppelt so hoch ausfällt wie die eines vergleichbaren Bitcoin-Systems. Auf der Strombasis wird daraus laut Grayscale sogar ein deutlicher Vorsprung: Zcash liefere etwa das Vierfache an Revenue pro Megawattstunde im Vergleich zu Bitcoin. In einzelnen Fällen, so die Auswertung, könne dieser Wert sogar an Renditen bestimmter KI- und High-Performance-Computing-Cloud-Services heranreichen – ein Hinweis darauf, dass sich die Diskussion um Mining zunehmend entlang von „Energy-to-Compute“-Effizienz bewegt und nicht mehr nur entlang von Kursbewegungen.
Ein wesentlicher Treiber für diese Effizienzkennzahlen ist aus Sicht der Analyse die Preisentwicklung von ZEC. Grayscale verknüpft den Rückstand auf der Skalierungsebene und den Vorsprung bei der Rentabilität pro Energieeinheit direkt mit dem Marktwert der Belohnungswährung: Zcash habe die Marke von 1.000 US-Dollar erstmals seit nahezu einem Jahrzehnt überschritten, und der Kurs liege aktuell laut Bericht nahe bei 1.177 US-Dollar, was einem Wochenplus von etwa 15% entspreche. Genau diese Kombination – steigender ZEC-Kurs bei gleichzeitig relevanter Produktionsrate – kann die Einnahmen pro Gerät schnell nach oben ziehen und damit den Eindruck verstärken, dass Zcash-Mining „effizienter“ ist.
Trotzdem bleibt der direkte Vergleich schwierig, und das liegt vor allem an der technischen Differenz der Mining-Hardware. Bitcoin setzt auf SHA-256 ASICs, während Zcash auf Equihash optimierte Maschinen angewiesen ist. Dadurch können Betreiber ihre Hardware nicht einfach wöchentlich zwischen Ketten umschalten, je nachdem, welche Kryptowährung gerade die besseren Margen verspricht. Zusätzlich misst Grayscale in seiner Auswertung Revenue statt Net Profit. Das ist wichtig, weil die tatsächlichen Gewinne stark von lokalen Parametern abhängen: Stromkosten, Anschaffungspreis und Verfügbarkeit der Geräte, Kühlung sowie Wartung entscheiden häufig über die reale Spanne. Eine Kennzahl wie „Revenue pro Megawattstunde“ ist damit zwar ein starkes Indiz, aber keine fertige Gewinnprognose.
Grayscale argumentiert zudem mit einem selbstverstärkenden Mechanismus: Wenn die Mining-Ökonomie in einem Netzwerk attraktiv wird, zieht das zusätzliche Rechenleistung an. Das erhöht wiederum die Netzwerksicherheit und kann die Attraktivität für Anleger stützen. Für den Markt ist das nicht nur ein theoretisches Modell, denn Grayscale verweist auch auf die Dynamik der Aktivität: standardisierte Hashrate-Metriken zeigen demnach, dass die gesamte Mining-Aktivität von Zcash seit Jahresbeginn um mehr als 2,5x gestiegen ist. Gleichzeitig macht genau diese Dynamik deutlich, wie volatil Mining bleibt – denn Netzwerkschwierigkeit, schwankende Strompreise und Kursbewegungen können die eingetretene Effizienz rasch wieder einholen.
Über den Mining-Teil hinaus ergänzt die Analyse einen zweiten Impuls für den Markt: Grayscale hat den Zcash Trust in einen Spot-ETF umgewandelt, der unter dem Kürzel ZCSH am NYSE Arca gelistet wurde. Laut Bericht hatte dieser ETF nach sehr kurzer Zeit bereits mehr als 500 Millionen US-Dollar an Assets eingesammelt. Auch wenn das nicht direkt die Produktionskosten einer Mining-Farm beeinflusst, wirkt es auf der Nachfrage- und Erwartungsebene: mehr regulierter Zugang kann die Liquidität im Asset erhöhen und damit wiederum die Belohnungs- und Renditeerwartungen verändern. Für Betreiber bleibt aber die Kernaussage der Grayscale-Analyse bestehen: Bitcoin gewinnt tendenziell bei Größe und Gesamtumsatz, Zcash aber bei Effizienz – und wer heute investiert oder Kapazität aufbaut, muss die Rechnung strikt nach eigener Strom- und Betriebsrealität ausrichten.
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