TEHERAN/MASKAT / LONDON (IT BOLTWISE) – Demnach sollen Iran und Oman im omanischen Maskat neue Schiffsrouten in der Meerenge von Hormus verabreden. Laut Angaben von Präsident Massud Peseschkian sollen am Montag auch weitere Golfanrainer zu dem Treffen eingeladen werden, während Bahrain sich boykottierend verhält. Eine schnelle Öffnung der Meerenge für den internationalen Schiffsverkehr erwarten die Angaben jedoch nicht, weil zuvor Bedingungen auf US-Seite geklärt werden müssten. Parallel bleibt die Lage in der Region wegen Angriffen auf Schiffe und zivile Infrastruktur angespannt.

Treffen im Oman: Iran und Golfstaaten sollen neue Schifffahrtsrouten bei Hormus prüfen
Treffen im Oman: Iran und Golfstaaten sollen neue Schifffahrtsrouten bei Hormus prüfen (Foto: IT BOLTWISE)
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Das Treffen im Oman zielt weniger auf eine sofortige Entspannung als auf ein neues Stück „Routenlogik“ im anhaltenden Hormus-Konflikt. Nach iranischen Angaben will der Iran zusammen mit dem Oman am Montag in Maskat ein Abkommen über neue Schiffsrouten in der Meerenge unterzeichnen, die für den Handel zu einem zentralen Engpass geworden ist. Dass arabische Golf-Anrainer laut Berichten ebenfalls geladen sind, zeigt: Es geht nicht nur um Teheran und Maskat, sondern um die Frage, wie viele Akteure ihre Flotten, Versicherungen und Lieferketten auf alternative Korridore ausrichten können.

Technisch betrachtet ist der Engpass entlang der Hormus-Route ein Problem der maritimen Geometrie und der Planbarkeit unter Sicherheitsrisiken. Sobald eine Meerenge faktisch weniger zuverlässig passiert werden kann, verlagern Reedereien ihre Fahrpläne, müssen Umschlagzeiten neu kalkulieren und setzen häufiger auf „Routing-by-Constraints“: Fahrtstrecke, Geschwindigkeit, erwartete Wartezeiten und die Verfügbarkeit von Seeräumen werden gegeneinander abgewogen. In den Angaben ist außerdem die Vorstellung enthalten, dass Teilnehmer Karten mit neuen Routen erhalten und die Vereinbarung an die Internationale Seeschifffahrts-Organisation übergeben werden soll. Für die Praxis bedeutet das: Erst die Kombination aus veröffentlichten Referenzrouten und operativer Umsetzung in der Flotte macht Umroutungen wirklich „buchbar“.

Gleichzeitig bleibt der Hinweis wichtig, warum die große Öffnung ausbleibt: Laut iranischen Angaben müssten zunächst Bedingungen auf US-Seite akzeptiert werden, konkret ein Ende der US-Seeblockade und ein Ende militärischer Handlungen der US-Armee. Genau hier liegt der Unterschied zwischen regionalem Koordinationsversuch und globaler Systemwirkung. Regionale Einigungen können zwar Gewicht geben und Verhandlungen zwischen Teheran und den USA anschieben, doch ohne Entschärfung der Hauptkonfliktlinie bleibt das Risiko für Schiffe bestehen, und Versicherer sowie Verlader bleiben vorsichtig. In einem Markt, der auf Ausfallzeiten reagiert, wirkt das oft in Form höherer Risikoaufschläge und damit indirekt in den Kosten der gesamten Transportkette.

Dass die Lage auch außerhalb der Hormus-Meerenge nicht zur Ruhe kommt, unterstreichen Berichte über Angriffe: Bei einem Angriff auf ein iranisches Containerschiff sei nach Teheraner Angaben ein Mann getötet und vier weitere Besatzungsmitglieder verletzt worden. Außerdem meldete die britische Behörde UKMTO, dass an Bord eines Schiffs ein Feuer ausgebrochen sei. Solche Ereignisse sind für die operative Schifffahrt nicht nur punktuelle Risiken, sondern beeinflussen auch die Entscheidungslogik für Kursanpassungen, Hafenanläufe und die Wahl von Begleitschutz. Gerade im Kerngebiet zwischen Persischem Golf und Routen über das Rote Meer entsteht so eine Kette aus Sicherheitsannahmen, die jedes „neue Routing“ wieder in Frage stellen kann, wenn Vorfälle die Lage am selben oder nächsten Tag verändern.

Auch die Energiemärkte zeigen, wie eng Sicherheit und Preisbildung zusammenhängen. Laut den Angaben ist der Streit um den Seeweg noch ungelöst; vor Kriegsbeginn war die Meerenge für den Schiffsverkehr offen. In der Folge steigen die Kosten: Der Preis für ein Barrel Rohöl der Referenzsorte Brent sei zuletzt fast auf 110 US-Dollar geklettert, während er im Februar vor Kriegsbeginn bei rund 70 US-Dollar pro Barrel gelegen habe. Parallel drängt Saudi-Arabien offenbar weiter auf Ausweichoptionen und ringt mit deren Stabilität: Eine Pipeline ans Rote Meer, die nach Drohnenangriffen aus dem Irak vorsorglich stillgelegt wurde, gilt als potenzielle Lebensader für die saudischen Exporte, steht aber bei Druck durch die Huthi-Miliz im weiteren Verlauf ebenfalls unter Belastung. Selbst wenn eine Leitungsroute wieder hochfährt, verschiebt sich damit das Risiko nur teilweise.

Der Jemen-Kontext liefert dafür den direkten Hintergrund. Nach den Angaben kontrolliert die Iran-treue Miliz inzwischen die Westküste des Landes am Roten Meer; es sei zu erneuten Angriffen der Regierungstruppen auf Huthi-Ziele gekommen, während die Huthi ihre Angriffe auf Waffenlager und Kommandozentren in Saudi-Arabien behaupten. Dazu passt, dass die Huthi laut einem Sprecher die Sicherheit der Schifffahrt gewährleisten wollen, allerdings mit Ausnahmen bei saudischen Schiffen. Für Unternehmen bedeutet das: Wer Transportkorridore auswählt, muss nicht nur geografische Distanz betrachten, sondern auch politische Signalwirkung und das Verhalten bewaffneter Akteure entlang der einzelnen Teilabschnitte. Damit werden „Route“ und „Risikoprofil“ praktisch zu einem einzigen Planungsobjekt.

Am Ende zeigt sich die humanitäre Dimension in der Region als zusätzlicher Stabilitätsfaktor, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht direkt in eine Reedereikalkulation gehört. UN-Schätzungen von 2021 zufolge seien mehr als 150.000 Menschen bei Kämpfen getötet worden, 220.000 weitere durch indirekte Kriegsfolgen wie Hunger und Krankheiten. Rund 22 Millionen Menschen seien derzeit auf humanitäre Hilfe angewiesen, und neue Fluchtbewegungen würden Berichten zufolge anhalten. Für die technische und organisatorische Seite der Logistik heißt das: Instabile Zustände beeinflussen verfügbare Ressourcen, Hafen- und Binneninfrastruktur, Zoll- und Hilfsströme sowie die Gesamtverlässlichkeit von Lieferketten. In einer solchen Gemengelage wird selbst ein „Abkommen über Karten und Routen“ zu einem dynamischen Prozess, bei dem laufende Sicherheitslage und marktseitige Erwartungen permanent gegeneinander justiert werden müssen.


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