INTERNATIONAL SPACE STATION (ISS) / LONDON (IT BOLTWISE) – NASA-Astronautin Jessica Meir erklärt in einem 5,5-minütigen Video, wie sie ihre Locken in Mikrogravität wäscht, trocknet und zwischendurch pflegt. Sie setzt auf No-Rinse-Shampoo mit Fokus auf die Kopfhaut, trocknet mit einem „dedicated T-shirt“ und arbeitet die Haare mit den Händen statt mit Bürsten. Parallel ordnet Meir die Botschaft ein: Auch im All geht es um Selbstbild, Repräsentation und darum, wie Vielfalt im Alltag sichtbarer wird. Wer ähnliche Locken hat, bekommt damit nicht nur praktische Hinweise, sondern auch einen emotionalen Kontext aus dem echten Leben.

Wenn im Orbit wirklich alles „schwebt“, wirkt selbst eine alltägliche Routine wie Haarpflege plötzlich wie ein Mini-Engineering-Problem. Genau das macht die neue Anleitung von NASA-Astronautin Jessica Meir bemerkenswert: In einem 5,5-minütigen Video, das sie von der International Space Station (ISS) über X teilt, beschreibt sie, wie sich Locken in Mikrogravität anders verhalten und welche Handgriffe in dieser Umgebung praktisch funktionieren. Entscheidend ist dabei weniger Glamour als Physik: In der Schwerelosigkeit gibt es kein klassisches „Runterlaufen“ von Wasser, und Flüssigkeit aus einer Tube oder Pouch kann sich anders verteilen als im Badezimmer. Meir versucht deshalb nicht, irdische Gewohnheiten 1:1 zu kopieren, sondern passt den Ablauf an die Bedingungen des Raumfahralltags an.
Technisch betrachtet startet Meirs Routine mit einem gezielten Ansatz beim Waschen. Sie sagt, dass sie in der Schwerelosigkeit auf No-Rinse-Shampoo setzt und dabei besonders die Kopfhaut in den Mittelpunkt stellt, weil sich dort Schweiß und Salz ablagern können. Das ist auch plausibel, weil die Kopfhaut bei vielen Menschen der Bereich ist, der am ehesten „mehr Input“ aus dem Alltag sammelt – im Orbit kommen dann die Grenzen hinzu, die ihr Produktangebot im Vergleich zu zu Hause setzt. Laut Meir bleibt es deshalb bei einem kontrollierten Vorgehen: Sie drückt Wasser aus einer eigenen Pouch-Kapsel dosiert heraus, arbeitet dieses Wasser entlang der Haarwurzeln ein und reibt es zusätzlich auf der Kopfhaut ein, statt Wasser wild zu verteilen. Zum Trocknen nutzt sie ein separates, dafür vorgesehenes T-Shirt; es passt als weiches, flächiges Hilfsmittel zur Aufgabe, ohne dass man Bürsten und vergleichbare Werkzeuge braucht, die in Mikrogravität schnell Unordnung erzeugen können.
In den Zwischenphasen setzt Meir konsequent auf „hands-on“ statt auf mechanische Werkzeuge. Sie vermeidet Bürsten aus naheliegenden Gründen, weil das bei lockigem Haar typischerweise Frizz begünstigt und in einer Umgebung, in der man Dinge nicht einfach „auswaschen“ kann, das Ergebnis schneller dauerhaft wirkt. Stattdessen arbeitet sie die Haare mit Händen und Fingern „ein“ – eine Methode, die sich in der Lockenpflege ohnehin etabliert hat, aber hier eben durch die Logik der ISS verstärkt wird. Außerdem erwähnt sie, dass Feuchtigkeit auf der ISS weniger problematisch ist als auf der Erde, und dass sie Leave-in-Conditioner verwendet. Besonders interessant ist ihre Einordnung der Lockenveränderung: Ihre „3a curls“ würden sich in der Mikrogravität eher in Richtung „3c“ bewegen. Für viele Betroffene ist das vor allem ein verständlicher Hinweis darauf, dass sich Lockenmuster nicht nur durch Produkte, sondern auch durch Umgebung und Handhabung ändern können.
Gerade weil die Tipps so konkret sind, wirkt die zweite Ebene der Story wie ein bewusst gesetzter Kontrast: Meir dient hier nicht als bloße Lifestyle-Ikone, sondern als Beispiel dafür, dass selbst scheinbar „kleine“ Themen wie Haare im Raum für Identität stehen können. Die Autorin des Textes knüpft an Meirs Video eine persönliche Biografie an: In den 1990er-Jahren wurde das Tragen von Locken in der Schule abgewertet, während vor allem ein flacher, stark stylinggeprägter Look als „normal“ galt. Das ging von Beschimpfungen bis zu Gerüchten über Haarläuse. Rückblickend ordnet die Autorin das als Lernprozess ein: Repräsentation ist nicht nur ein ästhetisches Thema, sondern beeinflusst, wie Menschen sich in einer Gruppe erleben. Wenn Locken „sichtbar“ sind, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie als Abweichung behandelt werden. Gleichzeitig wird in dem Text betont, dass Inklusion nicht eindimensional ist – sie betrifft sowohl Aussehen als auch soziale Dynamiken, Herkunft und Perspektiven.
Von der ISS zurück auf die Erde bleibt die Frage: Funktioniert das auch außerhalb des Weltraums? Die Autorin liefert dafür einen erdnahen Vergleich, ohne Meirs Angaben zu „überhöhen“: Sie berichtet von einem zweiwöchigen Aufenthalt 2014 an der Mars Desert Research Station in ländlichem Utah, einem Analog-Setting, bei dem man unter realistischen Einschränkungen lebt. Dort habe sie No-Rinse-Shampoo verwendet, die Haare nur im nassen Zustand mit einem Kamm (nie mit Bürste) behandelt und sie meist als Dutt getragen, um Locken zu schützen. Der Effekt: Nach anfänglicher Gewöhnungsphase fühlte sie sich wieder „normal“, und ihr Haar sprang schnell in einen vertrauten Zustand zurück. Das ist insofern relevant, als es die Grundlogik bestätigt: Locken können mit dem richtigen Handling robust bleiben, wenn man Wasserverbrauch reduziert, die mechanische Belastung minimiert und die Haare nicht unkontrolliert „anfässt“, sobald sie nass sind. Genau diese Kombination aus Praktikabilität und Materialverträglichkeit erinnert an die technische Denkweise, die man auch im Habitat-Design braucht: nicht nach Perfektion streben, sondern nach stabiler Funktion unter Randbedingungen.
Auch das Beispiel prominenter Raumfahrt mit Locken fehlt als Kontext nicht. Im Text wird erwähnt, dass Christina Koch während der Artemis-II-Mission Locken getragen habe und später über ihre „moon-mission braids“ bei einem Event gesprochen habe, das in der kanadischen Stadt der Autorin stattgefunden habe. Das ist weniger eine „Funktionserklärung“ als ein Signal: Haare sind im öffentlichen Raum längst Teil von Sichtbarkeit. Für die Tech- und Raumfahrtcommunity hat das zudem eine praktische Nebenbedeutung: Wenn mehr Menschen mit unterschiedlichen Merkmalen in neuen Rollen sichtbar sind, werden auch Anforderungen an Produkte und Arbeitsabläufe leichter als „normal“ wahrgenommen. Insofern berührt die Geschichte nicht nur Mikrogravität und No-Rinse-Shampoo, sondern auch, wie Teams im Alltag mit Vielfalt umgehen und wie Kommunikationsformate – wie das Video aus der ISS – Barrieren senken können.
Unterm Strich zeigt Meirs Routine, wie sich Haarpflege in Mikrogravität an veränderte Verteilung von Flüssigkeiten, eingeschränkte Ressourcen und die Notwendigkeit zur Vermeidung von Frizz anpassen lässt: Kopfhautfokus, kontrolliertes Einarbeiten, sanftes Trocknen mit einem vorgesehenen Textil und Styling über Hände statt Bürste. Gleichzeitig setzt die Begleitgeschichte den gesellschaftlichen Rahmen: Wer in seinem Alltag allein wegen des Aussehens Ziel von Spott wird, bekommt mit Repräsentation einen entlastenden Referenzpunkt. Für Leserinnen und Leser mit Locken liegt die praktische Einladung daher auf der Hand – aber der Text macht auch deutlich, dass Erfahrungen nie identisch sind. Mikrogravität ist extrem, Analog-Situationen sind begrenzt, und dennoch bleibt der Kern übertragbar: Mit der passenden Routine kann man auch unter schwierigen Bedingungen „besser aussehen, weil man sich besser fühlt“ – und das ist letztlich eine Technologie des Alltags, nur eben ohne Software.
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