LONDON (IT BOLTWISE) – Der Benzinpreis in Deutschland markiert ein neues Allzeithoch: Super E10 kostet im Tagesdurchschnitt 2,273 Euro. Auch Diesel steigt weiter und liegt laut ADAC bei 2,404 Euro pro Liter. Vertreter aus der Branche warnen vor Spritkosten um drei Euro je Liter und machen dafür vor allem teure Rohölpreise und Lieferwege verantwortlich. Während Politiker Entlastungen wie einen Preisdeckel fordern, bleibt unklar, wie schnell sich die Lage an der Zapfsäule beruhigt.

Die Preisschilder an deutschen Tankstellen setzen ihre Aufwärtsbewegung fort: Am Sonntag erreichte Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt laut ADAC in München einen Preis von 2,273 Euro pro Liter. Damit wurde der frühere Höchststand von März 2022 übertroffen. Der Dieselpreis zog ebenfalls nach; er lag nach ADAC-Angaben am Sonntag bei 2,404 Euro pro Liter. Für Autofahrer ist das vor allem deshalb spürbar, weil sich die höheren Beschaffungskosten nicht nur kurzfristig in einzelnen Regionen zeigen, sondern im Tagesdurchschnitt breit durchschlagen.
Aus Sicht des Tankstelleninteressenverbandes (TIV) ist der nächste Schritt bereits absehbar: Herbert Rabl sagte demnach, man müsse sich darauf einstellen, dass Spritpreise „um drei Euro“ erreicht werden. In derselben Einordnung kritisierte er das Vorgehen der Mineralölkonzerne und betonte: „Es wird abkassiert. Und auch die Tankstellenbetreiber leiden unter den hohen Preisen.“ Technisch betrachtet trifft diese Kritik an zwei Stellen: Erstens wird der Preis an der Tankstelle über mehrere Wertschöpfungsstufen gebildet, in denen sich teure Rohöl- und Produktkomponenten sowie Margen und Kostenblöcke aufsummieren. Zweitens erhöht eine gleichgerichtete Preisbewegung über Benzin und Diesel hinweg den Druck, dass es nicht bei einzelnen Ausreißern bleibt, sondern der Marktpreis als Referenz für weitere Preisanpassungen fungiert.
Als unmittelbarer Preistreiber wird in dem Bericht vor allem das Rohölregime beschrieben. Angesichts weiter zunehmender Spannungen in der Golfregion stieg der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent am Montagmorgen auf über 107 Dollar, während die US-Sorte WTI bei fast 103 Dollar lag. Seit Februar seien Öl- und Gasmengen auf dem Weltmarkt deutlich verknappt; als Gründe werden wiederholte Angriffe auf US-Stützpunkte und Energieinfrastruktur in den mit den USA verbundenen Golfstaaten sowie die faktische Blockade der für Öl- und Gastransporte wichtigen Route von Hormus genannt. Dazu kommt eine zusätzliche Belastung für die Logistik im Roten Meer: Die Meerenge Bab al-Mandab steht laut Text zunehmend unter Druck, weil die Huthi-Miliz die Kontrolle über die Meerenge übernommen haben will und zudem eine wichtige Ost-West-Pipeline nach Huthi-Drohnenangriffen zeitweise geschlossen wurde.
Politisch und gesellschaftlich wächst daraus der Druck auf Entlastungsmaßnahmen. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke forderte einen Spritpreisdeckel; er sagte, „Wir brauchen dringend einen Spritpreisdeckel“. Zugleich verwies er auf das Argument von Gerechtigkeit und auf die politische Motivation, dass „Niemand darf sich an der Not anderer bereichern“. In die gleiche Richtung zielt der Vorwurf, der in der Debatte regelmäßig auftaucht: Wenn Rohstoff- und Logistikkosten steigen, sollen nicht zugleich Gewinneffekte bei den Konzernen überproportional in der Endabrechnung landen. Woidke machte außerdem Beispiele aus anderen Ländern geltend, in denen Preisbewegungen an der Zapfsäule nach seiner Darstellung flexibler an die Marktlage angepasst werden, und versprach „Planungssicherheit“ für Verbraucher.
Auch die Prognosen aus dem Bankenumfeld stützen die Sorge, dass sich die Marke nach oben weiter verschiebt. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Ing-Diba-Bank, schloss gegenüber „Bild“ einen Preis von 3 Euro je Liter Diesel nicht aus und warnte, dass die Marke „leider gefährlich nahe“ komme, falls der Ölpreis länger über 110 Dollar je Barrel bleibt; bei Benzin wären dann rund 2,50 Euro je Liter fällig. Gleichzeitig liefert der Blick auf bisherige fiskalische Maßnahmen einen wichtigen Kontext: Von Anfang Mai bis Ende Juni galt ein Tankrabatt von 16,7 Cent pro Liter, der den Bund laut einer Schätzung des Finanzministeriums rund 1,6 Milliarden Euro kostete. Die Bundesregierung lehnte eine Neuauflage ab, unter anderem weil die deutschen Staatsfinanzen wegen des schuldenfinanzierten Investitionspakets in den roten Zahlen seien.
Die Diskussion spaltet sich damit in zwei technische Zielrichtungen: Entweder der Staat greift direkt in die Preisbildung ein, etwa über eine Begrenzung oder eine temporäre Steuerentlastung, oder er versucht, die Nachfrage- und Kostenkomponente über Energiepolitik und Infrastrukturmaßnahmen zu dämpfen. In dem Text äußerte der FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki gegenüber der Zeitung, der beste Spritpreisdeckel sei „wenn der Staat seine klebrigen Hände bei sich behält“. Er argumentierte, Steuern müssten runter und die heimische Energieförderung ausgebaut werden; außerdem kritisierte er „Gefummel an den Preisen“ durch die Regierung. Demgegenüber stellte Robert Crumbach (SPD) die Idee einer gesetzlichen Begrenzung des Preissprungs am Mittag vor und nannte als Ziel eine Höchstgrenze von fünf Prozent, während Katherina Reiche (CDU) eine Deckelung bisher ablehnt.
Unterdessen bleibt die Ursachenlage international. Monika Schnitzer, Wirtschaftsweise, ordnet das Problem als Folge der Militäroffensive der mit dem Iran verbundenen Huthi-Miliz im Jemen ein und erwartet „weiter steigende Verbraucherpreise in Deutschland“. Sie stellte zudem heraus, dass sich die Lage entgegen erhoffter Entspannung nicht beruhige: Das werde sich bei Preisen an der Tankstelle und insgesamt auf die Verbraucherpreise bemerkbar machen und „uns alle belasten.“ Damit verschiebt sich die Frage weg von einzelnen Verhandlungspunkten an der Zapfsäule hin zu einem längerfristigen Transport- und Rohölrisiko: Solange alternative Routen, Förder- und Transportkapazitäten nicht stabiler verfügbar sind, bleibt der Preis in einem Spannungsfeld aus globaler Verknappung, Wechselkurs- und Raffinerieeffekten sowie nationaler Steuer- und Entlastungslogik.
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