LONDON (IT BOLTWISE) – Eine wachsende Zahl von US-Kundinnen und -Kunden kauft immer häufiger per Smartphone, Laptop oder Tablet statt im Laden vor Ort. Laut Visa ist der Anteil des Online-Umsatzes im Inland von 48% (2019) auf 58% (2026) gestiegen. Gleichzeitig nimmt der Anteil aktiver Karteninhaber zu, die mindestens zehn Transaktionen pro Monat tätigen. Dazu kommt: Streaming, Abo-TV und Food-Delivery verschieben die Ausgaben – und KI hilft zunehmend beim Finden von Angeboten.

Der Begriff „Couch Economy“ wirkt zunächst wie ein Marketingetikett. In der Praxis beschreibt er aber eine messbare Verschiebung in der Art, wie Menschen in den USA konsumieren: Kaufentscheidungen fallen immer häufiger in Apps und Browsern, ohne dass der Weg zu einer physischen Filiale überhaupt nötig wäre. Visa hat dafür Daten über sein Netzwerk ausgewertet und sieht dabei nicht nur mehr Online-Umsätze, sondern auch eine stärkere Verankerung des digitalen Einkaufs im Alltag. Damit rückt ein Verhalten in den Fokus, das früher vor allem in Pandemie-Zeiträumen sichtbar wurde, jetzt jedoch dauerhaft in den Routinen ankommt.
Technisch betrachtet verläuft diese Entwicklung weniger über „neue“ Waren, sondern über eine andere Transaktionslandschaft: Mobile Payment, eingeloggte Nutzerkonten, gespeicherte Zahlungsarten und in-app Checkout-Flows reduzieren Reibung. Visa nennt als Ergebnis, dass der Anteil des inländischen Ausgabeverhaltens online von 48% im Jahr 2019 auf 58% im Jahr 2026 gestiegen ist. Auch die Intensität der Nutzung verschiebt sich: Der Anteil der frequenten Online- oder In-App-Käufer – definiert als Karteninhaber mit zehn oder mehr Transaktionen pro Monat – stieg von 13,1% (2018) auf 25,4% (2026). Für Unternehmen heißt das: Nicht nur die Reichweite digitaler Kanäle wächst, sondern die Kadenz, mit der Kundinnen und Kunden innerhalb kürzerer Zeiträume entscheiden und bezahlen.
Für die Nutzerseite verschiebt sich dadurch der Charakter des „Freizeitkonsums“. Visa beschreibt, dass mehr Menschen über Streaming-Plattformen und Streaming-Services ihren Abend zuhause gestalten – als Alternative zum Restaurantbesuch oder zum Ausgehen. Im Detail nennt Visa für die USA, dass Abo- und Pay-TV-Käufe von 10% der Kartenausgaben (2019) auf nahezu 17,5% (2026) gestiegen sind. Gleichzeitig fällt die Ausgabenposition für Kino und Konzerte: von ungefähr unter 5% (2019) auf etwas mehr als 6% (2026). Das ist eine Verschiebung innerhalb derselben Zahlungswelt – es geht also nicht um „weniger Budget“, sondern um andere Formate, die sich durch Bequemlichkeit und Verfügbarkeit gegenseitig verstärken.
Daneben spielt KI bereits eine Rolle, allerdings eher als unscheinbare Schicht im Hintergrund. Visa verweist darauf, dass KI hilft, beim Onlineshopping die „besten Preise und Deals“ zu finden. Wayne Best, Chief Economist bei Visa, fasst das in einem Zitat so zusammen: „digital behaviors are now starting to become habits, with consumers increasingly engaging through a lot of their applications that they have available to them“. Entscheidend ist, was in dieser Aussage mitschwingt: KI ist nicht nur eine einzelne Empfehlungskomponente, sondern wird in viele Touchpoints eingebettet – von Suche über Preisvergleich bis hin zu personalisierten Angeboten. Damit nimmt der Einfluss von Optimierung auf den Kaufpfad zu, während der aktive Vergleichsaufwand für Kundinnen und Kunden sinkt.
Die „Couch Economy“ bleibt dabei nicht auf Entertainment beschränkt. Visa nennt Food-Delivery als weiteren Hebel: Etwa 10% der Karteninhaber nutzen 2026 Apps für die Lieferung von Essen. Gleichzeitig ergänzt eine zweite Analyse des Bank of America Institute das Bild, indem sie Abo-Ausgaben – einschließlich Streaming-Services – mit +7,7% im Juli gegenüber dem Vorjahr beziffert, obwohl Konsumentinnen und Konsumenten insgesamt kostenbewusster handeln. Für Händler und Plattformbetreiber ist das eine praktische Erkenntnis: Selbst unter Sparzwängen funktionieren Abo-Modelle und „bequeme“ Bestellstrecken häufig weiter, wenn der wahrgenommene Mehrwert (Zeitersparnis, Komfort, Kuratierung) stabil bleibt.
Ein weiterer Punkt, der in solchen Auswertungen oft unterschätzt wird, betrifft den Alltag zuhause – inklusive Haustieren. Visa hebt hervor, dass steigende Pet-Ownership und Ausgaben für Haustiere im Haushalt mit dem mehr am häuslichen Alltag orientierten Konsum zusammenhängen. In den USA zeigen demnach 8% der Kreditkarten regelmäßige pet-bezogene Ausgaben. Genau hier wird die Marktdynamik greifbar: Wenn Menschen weniger unterwegs sind, verlagern sich nicht nur große Ausgaben, sondern auch viele wiederkehrende Käufe in digitale Kanäle – vom Futter bis zum Zubehör. Für die KI-gestützte Preisfindung bedeutet das zudem mehr Datenpunkte pro Kundin oder Kunde, was wiederum die Qualität von Segmentierung und Personalisierung verbessern kann, sofern Prozesse sauber instrumentiert sind.
Für die Unternehmenspraxis folgt daraus vor allem eine Anpassung der Commerce-Architektur. Wer als Marke oder Dienstleister in dieser Welt bestehen will, muss Checkout und Kundenbindung so auslegen, dass sie zu App-Logiken passen und nicht nur zu Webseiten-Flows: schnelle Ladezeiten, klare Zahlungsbestätigungen und eine Warenverfügbarkeit, die auch in kurzen Bestellzyklen funktioniert. Gleichzeitig verschieben sich Kennzahlen: Wichtig werden nicht nur klassische Conversion-Raten, sondern der Anteil aktiver Nutzer, die wiederholt innerhalb einer App kaufen, sowie die Frage, wie stark Preis- und Angebotsfindung als KI-Funktion den Kaufabschluss unterstützt. Die Couch Economy ist damit weniger ein Sondertrend als ein Systemwechsel im Nutzerverhalten – und er läuft bereits, denn die Transaktionsmuster haben sich seit 2019 deutlich in Richtung Online verlagert.
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