NATIONAL HARBOR, MARYLAND / LONDON (IT BOLTWISE) – Lockheed Martin erweitert das Vectis-Programm: Skunk Works baut vier weitere unbemannte Flugzeuge zusätzlich zum bereits laufenden Prototyp. Der erste neue Vectis-Satz soll bis Ende 2027 in der Luft sein. Lockheed verknüpft die zusätzliche Beschaffung mit dem Bedarf an überlebensfähiger, autonomer Multi-Mission-Fähigkeit. Parallel läuft die Air-Force-Planung für weitere CCA-Inkremente, während Lockheed seine Vectis-Fähigkeiten als internes, marktgetriebenes Investitionsprojekt positioniert.

Lockheed baut vier weitere Vectis-Drohnen – erster Flug soll 2027 starten
Lockheed baut vier weitere Vectis-Drohnen – erster Flug soll 2027 starten (Foto: IT BOLTWISE)
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Skunk Works baut die Vectis-Plattform planmäßig weiter aus: Nach einem bereits laufenden Prototyp sollen vier zusätzliche unbemannte Flugzeuge entstehen. Damit steigt die Zahl der Vectis-Prototypen laut Angaben des Unternehmens auf insgesamt fünf, und der erste dieser zusätzlichen Fahrzeuge soll bis Ende 2027 seinen Erstflug absolvieren. Die öffentliche Sichtbarkeit hat ebenfalls Fahrt aufgenommen: Ein großformatiges Vectis-Modell wurde erstmals auf der Air, Space & Cyber Conference in National Harbor, Maryland, gezeigt, was der Meldung eine klare Signalwirkung für alle Akteure gibt, die das Programm bei Luftwaffen und Zulieferern einordnen.

Vectis selbst ist als „Group 5“-collaborative combat aircraft ausgelegt, also ein Drohnendesign, das nicht als reiner Ersatz für bemannte Systeme gedacht ist, sondern als Partner im Verband. Lockheed beschreibt die Einsatzidee so, dass Vectis sowohl solo als auch gemeinsam mit bemannten Kampfflugzeugen wie der F-35 operieren kann. In der Vermarktung stehen dabei mehrere Rollen im Vordergrund: Präzisions-Strike-Fähigkeiten, ISR-Targeting, elektronische Kampfführung und Aufgaben im Bereich Counter-Air. Auffällig ist, dass Lockheed das Projekt nach eigenen Angaben selbst finanziert; damit bleibt der nächste Schritt formal unabhängig von der Frage, ob und in welchem konkreten Wettbewerb sich das System später für eine bestimmte Beschaffungscharge qualifizieren kann.

Technisch liefert Lockheed mehrere Hinweise, wie das Unternehmen seinen Entwicklungsweg beschleunigt. Laut Darstellung ging es vom ersten Vectis-Zeichnungsstand bis zum Windkanaltest in weniger als zwei Monaten; zusätzlich sei ein erster digitaler Build nach sechs Monaten abgeschlossen gewesen. Auch die Antriebswahl ist auf Tempo getrimmt: Für den Prototypen soll ein Williams International FJ44-4 zum Einsatz kommen, ein ziviler Turbofan, der mehr als 3.600 Pfund Schub erzeugt. Lockheed begründet die Motorentscheidung damit, dass auf eine bewährte Komponente zurückgegriffen werde, um den Zeitplan zu verkürzen. Für Unternehmen, die solche Programme später in Betriebskonzepte übersetzen müssen, ist genau dieser Punkt zentral: Beschleunigte Integration reduziert zwar das Risiko im Engineering, verschiebt aber die Herausforderungen häufig in Richtung Systemintegration, Missionssoftware und Zulassungs- bzw. Betriebsplanung.

Der Markt- und Programmkontext liefert den zeitlichen Rahmen, in dem sich Vectis positioniert. Für die Collaborative Combat Aircraft (CCA) hat die Air Force im Juni die Produktion für „Increment 1“ freigegeben und dabei Verträge an General Atomics und Anduril vergeben. Laut den vorliegenden Angaben hat Lockheed dagegen nicht zu den Unternehmen gehört, die für den ersten Produktionsabschnitt das komplette Flugzeug bauen; zugleich befindet sich Lockheed in einer anderen Rolle: Das Unternehmen habe einen von sechs Plätzen in einem Pool von Anbietern erhalten, die sich für die Entwicklung der Autonomie-Software bewerben können, die später in „Increment 1“-Flugzeuge integriert wird. Genau diese Trennung zeigt, wie die Beschaffungsarchitektur bei CCA funktioniert: Flugzeugzelle und Missionsautonomie werden nicht zwingend in einem Rutsch vergeben, sondern können über verschiedene Lieferketten und Kompetenzcluster abgedeckt werden.

Offen bleibt zugleich, wie viel „Vectis“ in den nächsten CCA-Schritten konkret einfließen kann. Die Air Force finalisiert weiterhin Anforderungen für „CCA Increment 2“. Aus Aussagen im Umfeld der Planungsphase geht hervor, dass es noch eine letzte Konzeptfeinerungsphase gibt, in der mehrere Anbieter parallel betrachtet werden, und dass danach eine Auswahl in Richtung Prototyping erfolgt; zudem können Firmen, die zuerst nicht in die Verfeinerung einbezogen waren, später noch nachrücken. Auf die Frage, ob Lockheed Martin zu den neun Unternehmen der Konzeptphase zählt, verwies Skunk-Works-seitig ein Sprecher darauf, dass die Vectis-Entwicklung intern finanziert sei und insbesondere auf Chancen in inländischen und internationalen Märkten ziele. Konkrete Fragen zu Increment 2 adressiere man demnach am besten direkt an die Air Force.

Für Entscheider in der Branche ist diese Kombination aus eigener Finanzierung, beschleunigter Aerodynamik- und Digital-Engineering-Iteration und der thematischen Passung zu CCA-Einsatzprofilen relevant. Wenn ein System wie Vectis autonom, überlebensfähig und multi-missionfähig sein soll, hängt der Erfolg nicht nur an der Flugplattform, sondern vor allem an der robusten Autonomie-Software: Sie entscheidet, wie zuverlässig Ziel- und Bedrohungsinformationen verarbeitet werden, wie koordinierte Handlungssequenzen im Verband ablaufen und wie das System in komplexen elektronischen Umgebungen reagiert. Dass Lockheed parallel an Autonomie-Fähigkeiten für CCA-Inkremente mitarbeitet, kann daher als Brücke verstanden werden, die Vectis technisch und organisatorisch näher an zukünftige Betriebsrealitäten heranführt. Gleichzeitig bleiben die entscheidenden kommerziellen Fragen – Kundenzuordnung, Vertragsrahmen und Stückpreis – weiter offen, sodass sich der weitere Fortgang am Zusammenspiel aus Flugerprobung bis Ende 2027 und der späteren Programmauswahl für Increment 2 entscheiden dürfte.


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