DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Höhle der Löwen startet am 21. September 2026 mit sechs neuen Geschäftsideen. Von einem wiederverwendbaren Abflussreiniger ohne Chemie bis zu einem autonomen System zur Fensterreinigung reicht das Spektrum. Besonders auffällig sind die Pitch-Mechaniken: Beim Einstieg entscheidet ein Glücksrad über die Konditionen, nicht nur über die Überzeugungskraft der Gründer. Für Investoren wird damit zugleich der Fit aus Produkt, Nachfrage und Bewertung auf die Probe gestellt.

Höhle der Löwen 2026: Pflanzwand, Eis ohne Zucker und Fensterputz-Drohne im Pitch-Test
Höhle der Löwen 2026: Pflanzwand, Eis ohne Zucker und Fensterputz-Drohne im Pitch-Test (Foto: IT BOLTWISE)
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Am 21. September 2026 wird in der Höhle der Löwen wieder nicht nur über Technik gesprochen, sondern auch über den Weg dorthin: Wie gut lässt sich eine Idee vom Prototypen in ein skalierbares Produkt übersetzen, und welche Konditionen akzeptieren Gründer unter Zeitdruck? Der Abend bündelt sechs sehr unterschiedliche Ansätze aus dem Familienalltag und aus ambitionierter Automatisierung. Das reicht vom kompakten Werkzeug gegen verstopfte Duschabflüsse über genussorientierte Lebensmittelkonzepte bis hin zu einer Fensterputzdrohne, die das Reinigen als wiederkehrende Routine versteht.

Technisch beginnt die Runde bei DEKADOME mit einem Problem, das viele Haushalte kennen: Haare sowie Shampoo- und Seifenreste verstopfen Duschabflüsse oder lassen das Wasser langsam ablaufen. Die Gründer aus Düsseldorf und Köln setzen dabei auf einen wiederverwendbaren Abflussreiniger, der mit Druckstößen arbeitet und explizit ohne chemische Reiniger auskommen soll. Genau diese Trennschärfe – mechanische Lösung statt Chemie – ist für den Produkt- und Marktnachweis entscheidend, weil sie die Hürde für erste Käufe senken kann und die Argumentation im Pitch einfacher macht. Zusätzlich wird das Experimentierfeld durch die Verhandlungsform erweitert: Ein Glücksrad bestimmt, welches Investmentangebot auf dem Tisch liegt, mit möglichen Rahmen von 30.000 Euro für 15 Prozent bis zu 60.000 Euro für 30 Prozent der Firmenanteile. In der anschließenden Diskussion spielt dann die Frage eine Rolle, ob DEKADOME wirklich als eigenständige Innovation überzeugt oder eher als klassischer Pompel in neuem Packaging verstanden wird.

Zwischen Haushalt und Genuss setzt die Story von Poppy’s Eis an, die Alena Leeb aus Riefensberg in die Sendung bringt. Das Eis besteht aus Frucht und Gemüse, verzichtet auf Industriezucker und wird zudem mit veganer Ausrichtung sowie gluten- und laktosefreien Eigenschaften positioniert. Für die Pitch-Logik ist dabei nicht nur das Ernährungskonzept relevant, sondern auch die Validierung durch eigene Nachfrage: Leeb startete mit 10.000 Euro Ersparnissen, baute das Angebot auf und verkaufte innerhalb von vier Monaten 10.000 Eis. Mittlerweile findet man Poppy’s unter anderem in Schwimmbädern, Freizeiteinrichtungen und Familienhotels, also in Kanälen, die eher wiederkehrende Laufkundschaft als reine Spezialläden adressieren. Besonders stark wird die Argumentation durch die persönliche Komponente: Sie erzählt von einer drohenden Privatinsolvenz vor rund zehn Jahren und davon, dass ihr ein Buch von Frank Thelen Perspektiven eröffnet habe. Im Studio trifft sie nun auf denselben Mentor-typischen Referenzpunkt – angeboten werden 40.000 Euro für 40 Prozent des Unternehmens, was die Bewertung unmittelbar verhandelbar macht.

Provokanter und gleichzeitig produktionstechnisch anspruchsvoller wird es bei Penice. Markus Flagner aus Würzburg stellt ein Pflegegel vor, das unangenehme Gerüche im männlichen Intimbereich entgegenwirken soll, nicht über Parfüm-Überdeckung, sondern über Inhaltsstoffe wie Zink sowie Rhabarber- und Rettichextrakte. In so einer Produktkategorie geht es im Pitch selten nur um das “Warum”, sondern um die Substanz dahinter: Welche Rezeptur-Funktion erfüllt welche Aufgabe, wie wird sie konsistent hergestellt, und wie lässt sich das Ergebnis im Alltag reproduzieren? Dass Flagner sich mit der Inszenierung als „Prinz Penis“ zunächst Reichweite im Studio sichert, ändert nichts daran, dass danach Geschäftsmodell, Marktpotenzial und Skalierbarkeit auf den Prüfstand kommen. Gefordert werden 70.000 Euro bei einem Angebot von 25,1 Prozent der Firmenanteile, womit direkt die Balance aus Risiko und Marktchancen adressiert wird.

Noch stärker auf Automation und Hardware/Software-Integration fokussiert die Runde CompactGreens. Die 19- und 20-Jährigen aus Erlangen präsentieren eine automatisierte Pflanzenwand für den Indoor-Anbau von Kräutern, Salaten, Tomaten, Chilis oder Erdbeeren. Der technische Kern liegt in der Steuerung: Ein Wassertank, eine selbst entwickelte Bewässerungstechnik und eine App sollen den Pflegeaufwand reduzieren, während Licht und Bewässerung automatisch an die jeweiligen Pflanzen angepasst werden. Damit bewegen sich die Gründer in einem Feld, in dem mehrere Wettbewerbslogiken zusammentreffen: Pflanzenwachstum ist nicht nur ein “Feature”, sondern ein Regelproblem mit stark variierenden Rahmenbedingungen (Standort, Luftfeuchte, Saison, Pflanzenstadium). Genau hier werden Zahlen entscheidend. Nach zwei Jahren Entwicklungsarbeit und einem abgeschlossenen Beta-Test berichten die Gründer von mehr als 170 Kaufanfragen. Für 180.000 Euro bieten sie 15 Prozent ihres Unternehmens an – und der Pitch geht so weit, dass sich Rollen im Studio zeitweise drehen: Die Gründer nehmen auf den Sesseln Platz, während Investoren den Pitch übernehmen. Trotzdem bleiben Preisgestaltung, Marge und Unternehmensbewertung die eigentlichen Hebel, um aus dem Interesse eine skalierende Pipeline zu machen.

Zwischen den technischen Ausläufern und den Food-Claims kommt monobag als Reise- und Alltagshilfe ins Spiel. Gesa Vieting aus Dortmund präsentiert eine Handtasche mit integrierter Tragehilfe für Kinder, entwickelt gemeinsam mit Co-Gründerin Anja Dürrwang. Das Produkt zielt auf Situationen, in denen Kinder unterwegs nicht mehr weiterlaufen möchten – und genau dadurch auf einen klaren Bedarf im Familienalltag: längere Einkäufe, Reisen oder Übergänge zwischen Terminen. Die Tasche ist für Kinder bis maximal 20 Kilogramm ausgelegt, sucht aber nicht nur nach einem Käuferprofil, sondern auch nach strategischer Unterstützung. Vieting fordert 75.000 Euro für 25 Prozent der Firmenanteile und macht deutlich, dass Kapital allein nicht genügt: Vor allem unternehmerische Erfahrung und ein starkes Sparrings-Setup sollen bei Vertrieb und Skalierung helfen. Damit liegt der Fokus weniger auf einer neuen Technologie, sondern auf der Umsetzung, wie ein physisches Produkt mit verlässlichen Funktionen in wiederholbaren Vertriebskanälen landet.

Den technologisch ambitionierten Kontrapunkt setzt clearBee mit einem System zur Fensterreinigung mithilfe einer Drohne. Ronald Lilleg-Staudenherz und Naveen Rajan SK aus Wien kombinieren eine handelsübliche Drohne mit einem Reinigungsadapter und einer Ladestation. Die Drohne soll Fenster selbstständig anfliegen und regelmäßig reinigen; an der Station wird sie geladen und mit Reinigungsmittel versorgt. Der Ansatz ist dabei weniger “Einmal reinigen”, sondern kontinuierliche Pflege, was aus Produkt- und Serviceperspektive relevant ist: Wer Reinigung als wiederkehrenden Zyklus denkt, kann Prozesse, Wartung und Kundenerwartungen anders strukturieren als bei punktuellen Einsätzen. Bislang sind nach Angaben der Gründer rund 450.000 Euro in die Entwicklung geflossen; gesucht werden weitere 300.000 Euro für zehn Prozent. Genau hier zeigt sich das Spannungsfeld zwischen Vision und Marktreife: Eine autonome Drohnenlogik ist nur der Anfang, der Schritt Richtung voll einsatzfähiges Produkt hängt auch an Robustheit, Zuverlässigkeit im Alltag und einer klaren Installations- bzw. Betriebslogik, die ohne große Reibungsverluste funktioniert.

Unterm Strich macht die Staffel 2026 etwas sichtbar, das Investoren am Ende fast immer interessiert: Es zählt nicht nur, wie ungewöhnlich eine Idee wirkt, sondern ob Produkt, Nachfrage, Zahlen und Unternehmensbewertung zusammenpassen. Die sechs Pitches decken genau dieses Spektrum ab – von mechanischer Problemlösung bei Abflüssen über ernährungsnahe Differenzierung im Eis, von Pflege-Claims bis zur automatisierten Pflanzenwand. Dazwischen ordnet sich monobag als Beispiel dafür ein, wie physische Convenience-Produkte nicht an Technikdramatik scheitern müssen, sondern an Vertrieb und Skalierung. Am 21. September 2026 wird sich dann zeigen, welche Teams den Schritt vom überzeugenden Pitch zur belastbaren Investment-These schaffen, und bei welchen Ideen der kritische Hebel bei Validierung, Preislogik oder Entwicklungsstand sitzt.


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