WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Finanzmarktstabilitätsgremium (FMSG) hat seine Evaluierung zum Systemrisikopuffer und zum OSII-Puffer abgeschlossen. In der 50. Sitzung am 14. September 2026 empfiehlt das Gremium der Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Absenkung des Puffers für systemische Klumpenrisiken in zwei Schritten auf 0 %. Gleichzeitig soll der Puffer für systemische Verwundbarkeit vorerst bei 0,75 % (vor Überlappung) verbleiben. Für den antizyklischen Kapitalpuffer plädiert das FMSG hingegen für 0 % der inländischen risikogewichteten Aktiva.

Das Finanzmarktstabilitätsgremium (FMSG) hat in seiner 50. Sitzung am 14. September 2026 die Evaluierung des Systemrisikopuffers und des OSII-Puffers (Other Systemically Important Institutions) abgeschlossen und dazu eine Empfehlung an die Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) gerichtet. Der Kern der Entscheidung dreht sich um die Frage, wie stark sich systemische Risiken im österreichischen Bankensystem seit der Einführung des Systemrisikopuffers vor rund zehn Jahren tatsächlich zurückgebildet haben. Damals ging es vor allem darum, das Risiko teurer Bankenrettungen zu senken und den geordneten Übergang zu neuen Regeln für Aufsicht und Abwicklung zu unterstützen. In der aktuellen Bewertung verweist das Gremium darauf, dass diese Zielrichtung mittlerweile messbar Wirkung zeigt, auch wenn nicht alle Risiken verschwinden.
Technisch betrachtet wird der Systemrisikopuffer in der Empfehlung nicht als Einheitsgröße behandelt, sondern als Portfolio aus Teilkomponenten. Eine davon – der Puffer für systemische Klumpenrisiken – soll in zwei Stufen auf 0 % reduziert werden. Als Begründung nennt das Gremium, dass das systemische Klumpenrisiko insbesondere vor dem Hintergrund überwiegend besserer Länderratings in Zentral- und Osteuropa so weit gesunken sei, dass diese Pufferkomponente entfällt. Ergänzend kommt hinzu, dass die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors insgesamt zugenommen hat: höhere Kapitalisierung und Profitabilität sowie weitere Fortschritte in der Abwicklungsfähigkeit von Banken. In der Praxis bedeutet das: Die Kapitalpuffer werden dort zurückgenommen, wo der ursprüngliche Risikotreiber erkennbar weniger stark wirkt, ohne den gesamten Schutzmechanismus vorschnell auszuschalten.
Gleichzeitig betont das FMSG, dass trotz der insgesamt besseren Lage Herausforderungen bestehen bleiben. Besonders relevant sei weiterhin die Größe des österreichischen Bankensektors, weil diese weiterhin Systemrisiken indizieren kann. Zudem sei die Nachhaltigkeit hoher Gewinne und der Eigenkapitalausstattung nach Unternehmensakquisitionen sowie nach steigendem Wertberichtigungsbedarf für ausgefallene Kredite („NPL-Backstops“) noch mit Unsicherheiten behaftet. Auch wenn einzelne Risikofaktoren derzeit offenbar gedämpft sind, verweist das Gremium darauf, dass ein Belastungstest des derzeitigen europäischen Abwicklungsrahmens noch aussteht. Damit bleibt offen, wie gut Banken und Aufsichtsmechanismen in einem stressähnlichen Szenario zusammenwirken – gerade vor dem Hintergrund, dass die Realwirtschaft durch anhaltende geopolitische Verwerfungen und geringere fiskalische Spielräume anfälliger für Schocks wird.
Aus dem Zusammenspiel dieser Punkte folgt die Empfehlung für die feingliedrige weitere Puffersteuerung: Der Puffer für systemische Verwundbarkeit soll vorerst bei 0,75 % bleiben, und zwar „vor Überlappung“. Die Formulierung „vor Überlappung“ ist in diesem Kontext wichtig, weil in der europäischen Pufferlogik unterschiedliche Schutzebenen koexistieren können; dadurch entscheidet sich die effektive Gesamtbelastung der Banken am Ende auch an der Schnittstelle der Pufferarten. Das FMSG schlägt außerdem vor, die Nachhaltigkeit der erhöhten Widerstandsfähigkeit bei der nächsten Evaluierung im Jahr 2028 zu überprüfen. Auf diese Weise wird nicht nur ein statisches Niveau festgelegt, sondern ein erkennbar gefahrenorientierter Prüfzyklus etabliert, der das Risikoprofil aktiv nachjustiert, sobald neue Informationen – etwa aus künftigen Stresstests oder aus der Kreditqualität – verfügbar sind.
Parallel dazu bewertet das Gremium den OSII-Puffer, der „Too-Big-To-Fail“-Risiken systemrelevanter Institute mindern soll. Im Vergleich zum Vorjahr gab es bei der Einstufung der Banken als systemrelevante Institute keine Änderungen. Bemerkenswert ist dabei, dass einige Zukäufe österreichischer Banken im nächsten Zyklus berücksichtigt werden sollen: Hintergrund ist, dass diese in den relevanten Meldedaten zum Stichtag 31.12.2025 noch nicht enthalten waren. Für die Umsetzung bedeutet das: Selbst wenn sich die Einstufung aktuell nicht verändert, kann sich die Risikoprofilierung durch Konsolidierungseffekte in späteren Datenerhebungen verschieben. Dadurch wird der OSII-Puffer zwar nicht sofort „umjustiert“, bleibt aber methodisch auf die Dynamik der Institutsgruppen vorbereitet.
Ergänzend empfiehlt das FMSG der FMA, den antizyklischen Kapitalpuffer (AZKP) bei 0 % der inländischen risikogewichteten Aktiva zu belassen. Als stützende Datenbasis nennt das Gremium, dass zum zweiten Quartal 2026 nur drei von sechzehn Indikatoren auf erhöhte finanzzyklische Risiken hinwiesen. Zusätzlich blieben auch die beiden Indikatoren zur Kredit-BIP-Lücke, die laut Bemessungslogik höher gewichtet werden, unter den kritischen Schwellenwerten. Für die Transparenz stellt das Gremium ein Dashboard der Indikatoren zu systemischen zyklischen Risiken in einer interaktiven Version auf der Website der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) in Aussicht. Für Bankvorstände und Treasury-Teams ist das vor allem operativ relevant: Eine Null-Entlastung im AZKP reduziert kurzfristig den Kapitaldruck, während die Fokussierung auf Systemrisikopuffer und OSII-Puffer die Struktur der Kapitalanforderungen stärker an adressierten Risikotreibern ausrichtet.
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