WUPPERTAL-BARMEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Im denkmalgeschützten Concordia-Haus am Werth wechselt die Eigentümerstruktur. Seit dem 1. September 2026 gehört das Ensemble den Wuppertaler Projektentwicklern und Investoren Robert Düssel und Ulrich Volmer, die über die Düssel & Volmer Immobilien eGbR auftreten. Rund zwei Drittel der rund 9.400 Quadratmeter Nutzfläche stehen aktuell leer, gleichzeitig gilt es, denkmalschutzrechtliche Vorgaben bei allen Eingriffen einzuhalten. Die ersten Schritte zielen auf Ladenlokale und Fassaden, während die Obergeschosse langfristig wiederbelebt werden sollen.

Das Concordia-Haus in Wuppertal-Barmen ist wieder in Bewegung geraten – und zwar nicht als reine Kapitalmaßnahme, sondern als handfeste Revitalisierungsaufgabe. Seit dem 1. September 2026 gehört das denkmalgeschützte Gebäudeensemble am Werth den Projektentwicklern und Investoren Robert Düssel und Ulrich Volmer. Sie firmieren über die Düssel & Volmer Immobilien eGbR. Für die Stadt und insbesondere für Barmen bedeutet das vor allem eins: Ein seit Jahrzehnten prägendes Objekt bleibt im lokalen Umfeld verankert, während ein erheblicher Sanierungs- und Umstrukturierungsbedarf zugleich die nächsten Entscheidungen bestimmt.
Der Umfang der Arbeit ist dabei messbar. Von den rund 9.400 Quadratmetern Nutzfläche entfallen aktuell etwa zwei Drittel auf Leerstand. Das ist nicht nur ein betriebswirtschaftliches Thema, sondern schlägt sich unmittelbar in Planung, Bauablauf und Kostenrisiken nieder, weil bei Bestandsimmobilien typischerweise erst im Verlauf der Bestandsaufnahme klar wird, wie tiefgreifend Schäden, technische Defizite und Schnittstellenprobleme sind. Gleichzeitig sind bei allen Eingriffen die Vorgaben des Denkmalschutzes zu berücksichtigen. Genau diese Kombination aus substanzieller Sanierung und denkmalrechtlichen Restriktionen macht den Unterschied zwischen einem schnellen „Repositioning“ und einer wirklich tragfähigen Revitalisierung.
Technisch und organisatorisch wird der Startpunkt bewusst auf den öffentlich sichtbaren Bereich gelegt. Der erste Revitalisierungsschritt soll auf die Ladenlokale und die Fassaden zielen. Für die freiwerdenden Ladenflächen suchen Düssel und Volmer aktiv nach neuen Nutzern. Besonders im Fokus steht das ehemalige Kinocenter, bekannt als Fita-Palast: Der Gebäudeteil umfasst rund 3.000 Quadratmeter und weckt bei vielen Wuppertalern Erinnerungen an seine Blütezeit als größtes Kino Barmens mit 1.400 Plätzen – von 1948 bis 1998. Für diesen Bereich existieren bereits konkrete Nutzungsideen im Segment Kultur und öffentliche Nutzung, auch wenn die Planungen nach Angaben der Beteiligten noch in einem frühen Stadium stecken. Damit rückt ein Standortsegment in den Mittelpunkt, das Frequenz erzeugen kann, ohne allein auf klassische Einzelhandelslogik zu setzen.
Im Hintergrund zeigt sich außerdem, wie stark das Kaufinteresse mit Know-how und lokalen Netzwerken verknüpft ist. Eine zentrale Rolle im Verkaufsprozess spielte Michael Schmidt-Russnak, Direktor der Gesellschaft Concordia. Er begleitete den Eigentümerwechsel aktiv und sprach sich nachdrücklich für den Verkauf an Düssel und Volmer aus. Beratend wurde die Transaktion außerdem durch Brockhoff begleitet. Entscheidend war dabei die Idee, das Haus an lokale Käufer zu geben, die nicht nur investieren, sondern über eigene Baukompetenz und Erfahrung verfügen, um die Herausforderungen der Sanierung und Restrukturierung von Bestandsimmobilien zu meistern. Für solche Objekte ist das in der Praxis häufig ein kritischer Erfolgsfaktor: Wer den Umbauprozess inklusive Abstimmungen mit Auflagen, Bauausführung und späterer Vermietung end-to-end steuern kann, reduziert häufig die Zahl der späteren Überraschungen.
Die strategische Linie der neuen Eigentümer ist langfristig ausgerichtet. Robert Düssel betont, das Gebäude gehöre zu Barmen und solle wieder vollständig genutzt werden. Ziel sei, den Charakter des Hauses zu erhalten und ihm gleichzeitig eine tragfähige Zukunft zu geben – schrittweise und unter Einbindung des lokalen Netzwerks. Ulrich Volmer ergänzt, dass eine langfristige Haltedauer angestrebt werde; ein schneller Weiterverkauf stehe nicht im Fokus. Diese Haltung passt auch zur Perspektive der Stadtentwicklung: Die Entwicklung des Concordia-Hauses soll sich in die Ziele des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) Barmen einfügen. Die Wiederbelebung der Obergeschosse und der Ladenlokale soll die Frequenz in der Fußgängerzone Werth erhöhen. Direkt vor dem Gebäude soll zudem mit dem Kulturteppich Barmen ein „neuer Werth“ entstehen.
Wichtig ist dabei, dass es nicht bei einem einzelnen Objekt bleibt. Eine positive Innenstadtentwicklung hängt in der Regel davon ab, dass mehrere Liegenschaften parallel oder zumindest aufeinander abgestimmt aktiviert werden. Genau deshalb suchen Düssel und Volmer den Dialog mit der Stadt, der ISG Barmen-Werth und Barmen Urban. Dieses Vorgehen positioniert das Concordia-Haus als Katalysator: Statt nur Flächen zu „befüllen“, soll das Umfeld mitgenommen werden – insbesondere rund um die Maßnahmen, die Frequenz und Aufenthaltsqualität steigern sollen. Für Unternehmen und Projektentwickler ist das zugleich ein Signal, dass die Sanierung denkmalgeschützter Bestände nicht nur eine Frage von Subventionen oder Bauvorschriften ist, sondern auch eine Frage von Vermarktungsstrategie, Nutzerportfolio und konsequenter Abstimmung zwischen Eigentum, Stadt und lokalen Akteuren.
Auch aus historischer Perspektive ist die Lage relevant. Der Fita-Palast als kulturell geprägter Anker zeigt, wie sich Immobilien in Stadtquartieren über Jahrzehnte wandeln können – von der Massenunterhaltung hin zu heutigen Erwartungen an flexible Nutzungsmischungen. Dass die Gesellschaft Concordia die Säle langfristig im Gebäude behalten will, deutet darauf hin, dass bereits ein innerer Nutzungsverbund existiert oder aufgebaut werden soll. Gleichzeitig bleiben die größten Hürden typisch: die technische Ertüchtigung leerstehender Flächen, die Nachweise gegenüber dem Denkmalschutz sowie das Finden von Nutzern, die sowohl zur historischen Substanz als auch zu den neuen Frequenzzielen passen. In Summe wirkt der Eigentümerwechsel daher wie ein Startsignal für einen geordneten, mehrstufigen Umbauprozess – nicht als kurzer Zwischenschritt, sondern als Versuch, Barmen über das Concordia-Haus wieder stärker im Alltag erlebbar zu machen.
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