MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die EXPO REAL 2026 rückt den Umgang mit geopolitischen Risiken in den Mittelpunkt ihres Konferenzprogramms. Vom 5. bis 7. Oktober diskutieren internationale Investoren Europas Attraktivität, während Sicherheits- und Makrovorträge die Auswirkungen globaler Konflikte einordnen. Neu ist ein eigenes Forum für investierbare Infrastruktur, das Real Assets als wachsendes Segment adressiert. Das Rahmenprogramm umfasst mehr als 200 Panels und über 650 Sprechern und verknüpft Standortfragen mit konkreten Handlungsansätzen.

Wer in der Immobilienbranche gerade über Standorte, Renditen und Projektpipelines spricht, kommt an geopolitischen Brüchen kaum noch vorbei. Genau diese Gemengelage spiegelt die EXPO REAL 2026 in ihrem Konferenzprogramm wider: Die Messe findet vom 5. bis 7. Oktober in München statt und setzt ihren Schwerpunkt auf Orientierung in einem Umfeld, das durch Unsicherheit, verschobene Machtachsen und zeitweise harte Finanzierungslimits geprägt ist. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Frage, wie sich Risiken kurzfristig absichern lassen, sondern auch, welche strukturellen Entscheidungen Investoren in den nächsten Jahren treffen müssen, um in Europa handlungsfähig zu bleiben.
Das Programm startet am 5. Oktober um 11:00 Uhr mit einer Diskussion internationaler Investoren zur Attraktivität Europas als Immobilienstandort. Als Teilnehmer werden unter anderem Martin Towns von M& G Real Estate Ltd., Michael Neal von Savills Investment, Brad Gries von LaSalle Investment Management und David Green-Morgan von ANREV genannt. Bereits diese Reihenfolge im Tagesauftakt ist bemerkenswert: Statt mit rein makroökonomischen Variablen zu beginnen, greift die Konferenz das Kernproblem auf, das im Alltag vieler Portfoliomanager entsteht – nämlich wie sich strategische Allokation und Objektselektion unter schwankenden politischen und wirtschaftlichen Erwartungen realistisch planen lassen.
Ab 12:20 Uhr liefert dann Prof. Dr. Moritz Schularick, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, einen makroökonomischen Blick auf globale Entwicklungen und deren Effekte auf Deutschland. Damit wird die Brücke vom „Marktgefühl“ zur belastbaren Lagebeschreibung geschlagen: Stärken und Schwächen des Immobilienstandorts sowie notwendige politische Reformen stehen im Fokus. Der zweite Schritt folgt unmittelbar im Investment Forum am 5. Oktober bzw. am 6. Oktober: Dort hält Wolfgang Ischinger um 11:00 Uhr einen Vortrag zu „Geopolitische Risiken: Über Sicherheit in unsicheren Zeiten“ und analysiert die Auswirkungen weltweiter Konflikte, strategischer Rivalitäten großer Mächte und verschobener Machtachsen auf die Märkte. In dieser Kombination wird Stabilität als aktiver Prozess und nicht als gegebenes Stabilitätsversprechen behandelt – eine Sichtweise, die für Due-Diligence-Teams, Risikokomitees und die Projektentwicklung spürbar Konsequenzen hat.
Besonders auffällig ist in diesem Jahr die Erweiterung um investierbare Infrastruktur. Als Novum führt die EXPO REAL ein eigenes Forum ein, ergänzt durch das Konferenzprogramm und eine Sonderschau. Claudia Boymanns, Exhibition Director der EXPO REAL, beschreibt damit eine konsequente Portfolio-Erweiterung: Neben Gewerbe- und Wohnimmobilien rückt sie ein weiteres langfristig stabiles Investmentsegment in den Fokus, das die wachsende Konvergenz der Assetklasse Real Assets adressiert. Für Unternehmen, die bisher stark auf klassische Immobilienthemen gesetzt haben, entsteht daraus ein konkreter Erwartungsdruck: Wer Infrastruktur als Teil der Portfoliologik betrachtet, muss Schnittstellen zu Finanzierung, Betrieb und Laufzeitstrategie sauber definieren – vom Infrastruktur-Risiko bis zur Frage, wie Werttreiber über Zyklen hinweg stabiler funktionieren können als in rein standortabhängigen Modellen.
Die neue Infrastruktur-Linie zieht sich auch in die begleitenden Formate und Foren hinein. Insgesamt schaffen elf weitere Foren, Bö hnen und Konferenzen Raum für tiefere Branchengespräche und den Austausch mit Marktteilnehmern. Genannt werden das Flexible Housing Forum mit einer Sonderausstellung zu zukunftsweisenden Wohnkonzepten, die Grand Plaza Stage als zentraler Marktplatz in Halle B3 sowie das Transform & Beyond Forum, das Zukunftsthemen bündelt. Daneben werden konkrete Sessions aufgeführt, etwa die Asien Investment Conference am 06.10.2026 von 14:00 bis 17:00 Uhr in Halle B3, Raum B21, oder Diskussionsformate mit direktem Bezug zu regionalen Engpässen und Arbeitskräftebedarf. Damit reagiert die Veranstaltung auf eine zweite, oft unterschätzte Dimension von Geopolitik: Selbst wenn Finanzierungs- und Risikoparameter „nur“ indirekt wirken, schlagen Arbeitsmarkt- und Zuwanderungsthemen in der Projektrealität schneller durch als viele Modellannahmen.
Auch die inhaltliche Durchmischung zeigt, wie stark die Immobilienwirtschaft versucht, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Fragen zusammenzudenken. Unter den weiteren genannten Programmpunkten befindet sich eine Keynote von Mathias Gü nther vom Pestel Institut zum Wohnraumbedarf, ebenso eine Diskussion unter Beteiligung von Staatssekretä r Nils Hilmer vom Bundesministerium fü r Verteidigung zur Verteidigungsindustrie als Chance fü r die Immobilienwirtschaft. Ergänzt wird das Paket am 07.10.2026 durch den Konjunktur- und Kapitalmarktausblick von Gertrud Rosa Traud (Helaba) im Investment Forum. Für Entscheider bedeutet das: Der wirtschaftliche Rahmen wird nicht nur „erwartet“, sondern in mehreren Perspektiven durchgespielt – makroökonomisch, sicherheitspolitisch und industriebezogen – damit Teams ihre Annahmen für Standortentwicklung, Flächenstrategie und langfristige Investitionspfade aktualisieren können.
Für die nächsten Monate dürfte die wichtigste Wirkung der EXPO REAL 2026 weniger in einzelnen Vorträgen liegen, sondern in der Struktur der Debatten: erst das Urteil internationaler Investoren über Europas Attraktivität, dann Makroanalyse für Deutschland, anschließend Sicherheits- und Risikoblick, und schließlich die institutionelle Übersetzung über investierbare Infrastruktur in ein Real-Assets-Fahrwasser. Gerade weil das Programm mehr als 200 Panels und über 650 Sprecher vorsieht, ist die Veranstaltung auch ein Ort der schnellen Abgleichung – zwischen institutionellen Ansätzen und operativer Projektlogik. Wer jetzt investierbare Infrastruktur, Housing-Transformationspfade oder Transformationsprogramme für Bestandsportfolios bewertet, erhält auf der Messe Anknüpfpunkte, um KI-gestützte Auswertung von Standortdaten und Szenarien künftig stärker mit den Real-World-Anforderungen von Betrieb, Finanzierung und Umsetzung zu verzahnen.
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