LONDON (IT BOLTWISE) – US-Staatsanwälte werfen zwei chinesischen Unternehmen vor, Binance-Konten für Geldwäsche aus illegalen iranischen Ölgschäften genutzt zu haben. In einer beim US-Justizministerium eingereichten Einziehungsklage geht es um 61 Mio. US-Dollar, die über digitale Wallets in Größenordnungen von insgesamt mehr als 1,5 Mrd. US-Dollar weiterverteilt worden sein sollen. Die Anklage behauptet zudem, dass ein Teil der Erlöse zur Finanzierung von Terrorismus gedient habe. Binance betont, das Verfahren richte sich nicht gegen die Plattform, und verweist auf eine Nulltoleranz gegenüber Sanktions- und anderen missbräuchlichen Aktivitäten.

US-Vorwürfe: Chinesische Firmen sollen Binance für Geldwäsche aus iranischen Ölgeschäften genutzt haben
US-Vorwürfe: Chinesische Firmen sollen Binance für Geldwäsche aus iranischen Ölgeschäften genutzt haben (Foto: IT BOLTWISE)
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Die neue Einziehungsklage der US-Staatsanwaltschaft verbindet gleich mehrere Themen, die im Krypto-Ökosystem seit der letzten Regulierungswelle immer wieder aufeinanderprallen: Compliance im Handel, Rückverfolgbarkeit über Wallet-Netzwerke und die Frage, wie eng Plattformen Sanktionsrisiken und mögliche Missbrauchswege tatsächlich kontrollieren. Laut den vorgelegten Vorwürfen sollen zwei chinesische Firmen Binance-Konten genutzt haben, um Erlöse aus illegalen Käufen von iranischem Öl in Krypto-Transaktionen umzusetzen. Dabei habe es nicht nur um das „Umschichten“ von Geldern gehen sollen, sondern auch um das anschließende Zurückfließen der Mittel in Richtung der iranischen Regierung und ihrer Netzwerke.

Im Zentrum des rechtlichen Schritts steht die Summe: 61 Mio. US-Dollar aus Transaktionen, die nach Angaben der US-Prozessoren in den Monaten Mai und Juni des Vorjahres angefallen sein sollen. Diese Beträge seien später eingefroren worden, während das Verfahren zur Einziehung anläuft. Die Einziehungsklage zielt dabei nicht direkt auf Binance oder die beiden genannten Unternehmen, sondern auf „Currency“ in einer Reihe digitaler Wallets. Das ist technisch und juristisch relevant: Wenn der Anspruch nicht auf das Unternehmen, sondern auf die beweglichen Werte ausgerichtet wird, geht es in der Begründung vor allem darum, dass diese Gelder aus einer als rechtswidrig geltend gemachten Herkunft stammen und über Krypto-Transfers verteilt wurden.

Die Behörden beschreiben eine Kettenlogik über verschiedene Wallets, die als Empfangs- und Verteilknoten fungiert haben sollen. In Summe sei es dabei um mehr als 1,5 Mrd. US-Dollar an Erlösen gegangen, die laut US-Regierung aus dem illegalen Verkauf iranischen Öls stammen. Aus dieser Masse habe sich der Teil von 61 Mio. US-Dollar herauskristallisiert, auf den sich die Einziehungsanträge konzentrieren. In den Unterlagen ist zudem die Behauptung enthalten, mindestens ein Teil der Mittel sei zur Finanzierung von Terrorismus verwendet worden; die US-Prozessoren führen damit einen schweren Hintergrund für die behauptete Geldflusshistorie an, ohne dabei im vorliegenden Text die konkrete Terrororganisation oder die genaue Maßnahme näher zu benennen.

Binance stellt dem laut einer vorbereiteten Erklärung klar: Die Angelegenheit sei nicht gegen die Plattform eingereicht worden und mache keine Vorwürfe gegen Binance selbst geltend. Der Anbieter betont eine Nulltoleranz gegenüber Verstößen gegen Sanktionen oder anderer illegaler Aktivität und erklärt, dass keine Transaktionen mit sanktionierten Personen erlaubt worden seien. Gleichzeitig wird im Text auch deutlich, dass die Klage anders strukturiert ist, als es Schlagzeilen über „Binance wird angeklagt“ suggerieren könnten: Das rechtliche Ziel seien die Kryptowährungen in den Wallets, während die beiden chinesischen Unternehmen (Hexa Whale Trading und Blessed Trust) ebenfalls als Beteiligte in den Unterlagen genannt werden. Genau diese Trennung zwischen Plattform und konkreter Wallet-Kette prägt, wie solche Fälle später in der Praxis vor Gericht und in der Risikoarbeit der Marktteilnehmer behandelt werden.

Relevanter als die tagesaktuelle Schlagzeile ist jedoch der Blick auf den historischen Kontext rund um Binance. Das Unternehmen hatte bereits im Jahr 2023 in den USA strafrechtliche Vorwürfe im Zusammenhang mit Verstößen gegen Anti-Money-Laundering-Regeln mit einem Schuldeingeständnis beantwortet und eine Geldstrafe von 4,3 Mrd. US-Dollar gezahlt. Der Gründer Changpeng Zhao habe sich dem Text zufolge ebenfalls schuldig bekannt, weil er versäumt habe, ausreichende Schutzmaßnahmen gegen Geldwäsche zu gewährleisten, und wurde zu vier Monaten Haft im Bundesgefängnis verurteilt; später habe US-Präsident Donald Trump Zhao im Oktober begnadigt. Für Unternehmen in der Branche bedeutet das: Selbst wenn eine einzelne Klage nicht direkt gegen den Börsenbetreiber gerichtet ist, bleibt die Erwartung bestehen, dass Transaktionsketten und interne Kontrollen im Ernstfall als Teil eines Gesamtbilds betrachtet werden.

Auch deshalb sorgt die im Text erwähnte Plattform-„Aufsicht“ für Aufmerksamkeit. Binance unterliege den Angaben zufolge bis 2028 einem Monitorship im Rahmen einer Vergleichsvereinbarung mit US-Finanz- und Justizbehörden. Dass diese Überwachung länger läuft, als viele „Einzelfall“-Narrative vermuten lassen, zeigt den Trend der letzten Jahre: Regulatorische Lösungen werden zunehmend als mehrjährige Kontroll- und Berichtspflichten umgesetzt, statt nur als einmalige Zahlung oder kurzfristiger Maßnahmenkatalog. Für Fachabteilungen in Banken und für Krypto-nah arbeitende Treasury-Teams heißt das konkret, dass Due-Diligence-Modelle nicht nur Wallet-Risiken bewerten sollten, sondern auch Governance- und Kontrollmechanismen berücksichtigen, die aus solchen Vergleichsregimen entstehen.

Technisch stellt sich dabei die Frage, warum Wallet-basierte Transfers für Behörden so gut greifbar werden. Krypto-Transaktionen sind zwar öffentlich sichtbar, aber ohne Zuordnung zu Entitäten bleibt die Identifikation schwierig. Genau hier setzen viele forensische Workflows an: Sie koppeln Clustering-Ansätze, Zeitmuster und Wechselwirkungen zwischen Wallets mit zusätzlichen Informationen aus Exchanges, Compliance-Daten und gerichtsfesten Nachweisen. Auf Marktebene wirkt der Fall wie ein weiterer Stresstest für die Branche, denn selbst nach einem Schuldeingeständnis und einer langjährigen Aufsicht kann es zu neuen Einziehungs- oder Rechtsverfahren kommen, wenn Behörden eine weitere, konkrete Geldkette als missbräuchlich einstufen. Gleichzeitig verweist der Text auf Governance- und Finanzierungsdetails rund um Binance, etwa die Beteiligung eines Abu-Dhabi-Fonds und die Nutzung eines USD-gebundenen Stablecoins, wobei solche Angaben vor allem für die Einordnung der internen und externen Kapitalflüsse relevant sind, nicht als Beleg für den Ausgang der aktuellen Einziehungsklage.


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