BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Felix Haas erzählt, wie er während eines Deutschlandbesuchs im Berliner Hotel Adlon Barack Obama trotz strenger Bedingungen im Fitnessstudio traf. Er blieb zunächst in Bademantel und Schlappen vor Ort und kam mit Obama nach einem kurzen Laufkontakt ins Gespräch. Anschließend schrieb Haas einen Brief und erhielt später die Zusage, dass Obama 2019 live bei den Bits & Pretzels in München auftritt. Damit wird aus einem „ausgearteten Hobby“ Schritt für Schritt eine Plattform für Gründer- und Netzwerkchancen.

Wie Felix Haas Barack Obama für Bits & Pretzels gewann
Wie Felix Haas Barack Obama für Bits & Pretzels gewann (Foto: IT BOLTWISE)
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Felix Haas beschreibt den Einstieg in die Bits & Pretzels-Konferenz nicht als klassischen Pitch- oder Wachstumsfahrplan, sondern als eine Reihe von Momenten, in denen Beziehungen wichtiger wurden als Planbarkeit. Ausgangspunkt war ein „großes, ausgeartetes Hobby“, nachdem Haas mit seiner Eventplattform Amiando bereits einen Exit realisiert hatte. Parallel gründete er später mit Freunden IDnow, doch die Suche nach einem Format, das weniger nach Arbeit und mehr nach persönlicher Mission klingt, blieb. Genau hier wird verständlich, warum die späteren Skalierungszahlen so überraschend wirken: Das Business wächst zwar, aber es startet mit einem sozialen Kern, der zunächst in München lokal verankert war.

Technisch betrachtet steckt hinter der Erzählung auch eine Art „Community-Engineering“: Bits & Pretzels sollte nicht nur Menschen zusammenbringen, sondern gezielt Zugänge schaffen, gerade für Gründer ohne großes Netzwerk. Haas’ Ausgangsbeobachtung war simpel und datennah gedacht, auch wenn er keine Kennzahlen nennt: Die Stadt hatte zwar starke Gründer und viel technisches Know-how, aber kaum Austausch darüber. Der Ansatz zielte daher auf Brücken zwischen Erfahreneren und Jüngeren, zwischen Bekanntheit und Einstiegschancen. Wenn Haas in diesem Kontext davon spricht, „den Aufzug nach unten zu schicken“, meint er im Kern die Weitergabe von Reichweite und der sozialen Infrastruktur, die sonst oben bleibt.

Die Geschichte mit Barack Obama zeigt diese Idee in einer ungewöhnlich konkreten Szene: Haas war zu Obamas Berlin-Aufenthalt im Hotel Adlon, das für die US-Delegation blockiert war. Weil er bereits ein Zimmer gebucht hatte, durfte er zwar bleiben, allerdings nur unter strengen Auflagen und in Begleitung des Secret Service. Statt im Hotel zu warten, ging Haas ins Fitnessstudio und ließ sich dort provisorisch finden – im Bademantel, mit Schlappen, ohne Sportbekleidung. Dass davor zwei Agenten an der Tür standen und Haas gleichzeitig Dehnübungen machte, wirkt wie eine Farce, beschreibt aber eigentlich die harte Realität von Sicherheitsprotokollen. Ausgerechnet in diesem Rahmen entsteht dann der kurze Kontakt: „Hi“, sagte Haas – und Obama antwortete offenbar freundlich. Aus dem Zufall wurde ein Gespräch über München, das Oktoberfest und schließlich Bits & Pretzels; sogar ein zehnminütiges Nebeneinander auf Laufbändern wird als Detail genannt.

Für die Wirkung in der Öffentlichkeit war entscheidend, dass Haas das kurze Treffen nicht als „Schönwettermoment“ behandelt hat. Er schrieb Obama danach einen Brief, bedankte sich und lud zur Konferenz ein. Zwei Jahre später bestätigte sich der Plan: 2019 trat Obama live bei den Bits & Pretzels in München auf. Für die Veranstaltung wurde dafür eine Halle mit 12.000 Plätzen gemietet. Zur Delegation gehörten etwa 180 Personen, darunter rund 120 Secret-Service-Agenten. Diese Zahlen markieren eine Art operativer Endgegner: Ein Gründerfestival wird damit nicht nur symbolisch groß, sondern bekommt plötzlich die Logistikdimension eines Staatstermins. Gleichzeitig legt die Konstellation offen, warum solche Formate selten planbar sind: Der persönliche Draht muss stimmen, aber die Ausführung hängt an professionellem Sicherheits- und Eventbetrieb.

Auch die Entwicklung der Konferenz vom Start weg folgt diesem Muster aus lokalem Fundament und späterer Prominenz-Strategie. Haas’ Idee war zunächst eine Initiative, um die lokale Startup-Szene zusammenzubringen – beginnend mit einem kleinen Weißwurstfrühstück und dem Ziel, Menschen ohne etablierte Kontakte sichtbar zu machen. Der Name „Bits & Pretzels“ soll nach Angaben von Haas bei Bier entstanden sein; das erste große Event fand 2015 statt, organisiert wurde dafür ein Bierzelt auf dem Oktoberfest. Nachdem das Team nachlegte, fokussierte es sich auf bekannte Persönlichkeiten: Richard Branson kam 2016, später wurden außerdem Kevin Spacey und Stefan Raab genannt. Damit wurde aus einem Gründernetzwerk-Anspruch ein Magnet für Aufmerksamkeit – ohne den Kern vollständig zu verlieren, dass junge Gründer mit erfahrenen Akteuren lernen sollen.

Für den Markt ist diese Mischung aus persönlicher Beziehung, Prominenz und Zielgruppenfokus besonders relevant, weil sich Startup-Konferenzen seit Jahren in zwei Richtungen bewegen: reine Plattformen für Sichtbarkeit oder Veranstaltungen, die echte Interaktion zwischen Unternehmern ermöglichen. Bits & Pretzels versucht beides, aber mit erkennbarem Schwerpunkt auf Netzwerkvermittlung. Gerade im Wettbewerb mit anderen großen Tech-Events zeigt die Obama-Episode, wie viel Gewicht „symbolische Einladung“ und „Vertrauensmoment“ haben können, selbst wenn Sicherheitsauflagen und organisatorische Anforderungen extrem sind. Der Weg von „Introvertierter Nerd“ zu einem Format, das weltweit wahrgenommen wird, lässt sich daher weniger als Marketing-Erfolg erklären und eher als konsequente Umsetzung einer Community-Logik: Reichweite organisieren, aber den Elevator wieder nach unten fahren lassen.

Für Veranstalter und Gründerteams ergibt sich daraus eine praktisch übertragbare Schlussfolgerung: Skalierung entsteht häufig nicht durch eine einzelne Wachstumstaktik, sondern durch wiederholbare Mechaniken, die aus Zufall Kontakt machen. Im Beispiel von Haas ist es die Kombination aus physischer Präsenz unter realen Bedingungen, der Bereitschaft, den ersten kurzen Satz nicht zu verpassen („Hi“) und dem sauberen Nachfassen per Brief. Das ist keine Garantie für prominente Zusagen, aber es verändert die Eintrittswahrscheinlichkeit. Wer also eine Startup-Konferenz aufbaut, kann den Effekt nicht nur in Reichweitenmetriken denken: Entscheidend ist, dass die Eventarchitektur Begegnungen so wahrscheinlicher macht, dass aus einem kurzen Laufband-Moment langfristige Gespräche werden.


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