SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Max Hodak, CEO der Science Corporation, argumentiert auf der „Beyond Screens“-Bühne, dass die nächste Technologie-Ära nicht am Bildschirm endet. Sein Team plant die ersten US-Humanversuche für ein biohybrides Brain-Computer-Interface und knüpft daran konkrete medizinische Anwendungen. Bereits das PRIMA-Implantat soll bei schweren Sehverlusten wieder die Wahrnehmung ermöglichen – gekoppelt an eine Brille mit Mini-Kamera. In der Finanzierung nennt die Meldung zudem 230 Millionen US-Dollar aus einer Series C bei einer Bewertung von 1,5 Milliarden US-Dollar.

„Beyond Screens“: Max Hodaks Science Corp setzt auf biohybride KI-Interfaces
„Beyond Screens“: Max Hodaks Science Corp setzt auf biohybride KI-Interfaces (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer heute „Arbeiten mit Computern“ sagt, denkt fast automatisch an Tastaturen, Touchscreens und Klickstrecken. Genau diese Denkgewohnheit stellt Max Hodak am 13. bis 15. Oktober in San Francisco zur Diskussion: In seinem Auftritt „Beyond Screens“ auf der Disrupt Stage beschreibt er den Wechsel hin zu einer Schnittstelle, die sich nicht erst im Display formt, sondern direkt aus Gehirn-Computer-Interaktionen heraus funktioniert. Statt Eingaben über sichtbare UI-Elemente zu sammeln, soll das System sich an den Nutzer anpassen und Interaktionen über neurobiologische Signale ermöglichen. Für Produktteams und KI-Entwickler ist dabei weniger die Schlagzeile entscheidend als die konkrete Richtung: Es geht um eine Interface-Schicht, die Daten nicht nur verarbeitet, sondern den „Eingabekanal“ selbst neu definiert.

Technisch betrachtet führt Hodaks Argumentation in die Nähe der invasiven und semi-invasiven Brain-Computer-Interface-Linie, bei der Sensorik direkt am Zielgewebe ausgelesen wird. In der Vorlage wird beschrieben, dass Science Corporation dafür eine biohybride Hirn-Computer-Schnittstelle entwickelt und dafür die ersten US-Humanversuche vorbereitet. Genau an dieser Stelle wird der Unterschied zu nicht-invasiven Ansätzen greifbar: Wo EEG oder optische Verfahren oft mit geringerer Signalauflösung arbeiten, setzt ein implantatbasiertes Design typischerweise auf engere Kopplung an neuronale Aktivität. Hodak verbindet diese Hardware-Logik mit einer KI-orientierten Verarbeitungsperspektive, denn eine funktionierende Interface-Schicht braucht nicht nur Sensoren, sondern auch Modelle, die Rohsignale in nutzbare Steuersignale übersetzen.

Der Weg dorthin ist in der Meldung über Hodaks Karriere nachgezeichnet: Er begann bereits mit sechs Jahren zu programmieren, studierte Biomedical Engineering an der Duke Pratt School of Engineering und arbeitete später in der Brain-Computer-Interface-Umgebung von Miguel Nicolelis. Parallel dazu kommt aus einem anderen Strang seiner Arbeit die Erfahrung aus der Lebenswissenschaften-infrastrukturierten Robotik: Mit Transcriptic hatte er laut Text eine robotergestützte Cloud-Laborplattform mit aufgebaut. 2016 folgte Neuralink als bekanntes Projekt, bei dem er Mitgründer war und zunächst als Präsident agierte; diese Station erklärt auch, warum sein aktueller Fokus auf neurotechnische Engineering-Details bei Investoren und Foundern nachvollziehbar verfängt. 2021 gründete er dann Science Corporation, die sich laut Beschreibung auf neurospezifische Technik und Brain-Computer-Interface-Prozesse fokussiert – mit konkreten Anwendungsfeldern für Vision, Kognition und Mobilität.

Von reiner Zukunftsrede wechselt die Vorlage dann zu einem konkreten System: Das PRIMA-Implantat (laut Text „PRIMA“) soll bereits bei Menschen mit schwerem Sehverlust die Wiederherstellung des Sehens unterstützen. Die Funktionsbeschreibung ist dabei erstaunlich anschaulich, weil sie den Datenfluss sichtbar macht: Eine Brille mit einer winzigen Kamera erfasst eine Szene, sendet das Signal an einen Chip, der im Bereich der Retina implantiert ist. Für die KI-Entwicklung ist das ein wichtiger Punkt, weil die entscheidende Herausforderung hier nicht nur in der Bildaufnahme liegt, sondern in der Transformation in ein Format, das das implantierte System nutzbar machen kann. Solche Pipeline-Fragmente – von Sensorik über Signalvorverarbeitung bis zur Modell-in-the-loop-Entscheidung – sind oft das, was in frühen Prototypen den Unterschied zwischen „funktioniert im Labor“ und „funktioniert zuverlässig im Alltag“ ausmacht.

Auch finanziell liefert die Meldung Anhaltspunkte: Science Corporation habe seit Gründung 230 Millionen US-Dollar in einer Series C bei einer Bewertung von 1,5 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Diese Kombination signalisiert, dass Investoren das Thema nicht nur als Forschung, sondern als Produkt- und Plattformperspektive verstehen. Inhaltlich erweitert Hodak die Vision über das Interface hinaus: Die implantierten Sensoren sollen nach seiner Darstellung unter anderem helfen, beschädigte Gehirnzellen zu unterstützen, Anzeichen von Anfällen zu warnen und perspektivisch auch Erkrankungen wie Parkinson adressieren. Wichtig ist dabei die fachliche Logik: Sobald ein System kontinuierlich Zustände im Gehirn erfassen kann, entsteht ein neuer Hebel für Diagnostik und Therapieunterstützung – selbst wenn jede Indikation unterschiedlich lange Validierungszyklen benötigt.

Für den Markt ergibt sich daraus eine doppelte Wettbewerbslage. Einerseits wirkt die Einladung an Startup-Teams auf eine Infrastruktur-Realität hin: Wenn „Post-Screen“ nicht nur eine Demonstration, sondern ein skalierbares Interface wird, brauchen Entwickler Werkzeuge für Signalverarbeitung, Modell-Monitoring, Latenz-Optimierung und sichere Datenflüsse rund um medizinisch relevante Sensorik. Andererseits steht die Branche bereits durch frühe Player wie Neuralink unter Beobachtung, was wiederum den Vergleich von Invasivität, Signalqualität und Nutzererlebnis in den Mittelpunkt rückt. Hodaks Kernbotschaft zielt deshalb auch auf Rollen jenseits der Tech-Teams: Wer heute Produkte plant, muss früh mitdenken, wie sich Bedienkonzepte, Interaktionsdesign und Verantwortung bei neurotechnischen Systemen verändern. Dass die Meldung parallel den Fokus auf nachhaltige KI-Startups und ein KI-zentriertes Programm über mehrere Bühnen betont, passt dazu: Die „Interface-Wende“ ist keine isolierte Hardwarestory, sondern ein Hebel, an dem KI-Entwicklung, Hardware-Engineering und medizinische Validierung zusammenkommen.

Wenn sich die angekündigten Humanversuche in den nächsten Phasen konkretisieren, wird sich zeigen, wie gut die Übersetzung von neurobiologischen Signalen in alltagstaugliche Steuerung tatsächlich funktioniert. Für Unternehmen heißt das: Eine reine Software-Strategie „oben drauf“ wird nicht reichen, sobald die Schnittstelle tiefer in den Nutzer integriert ist. Wahrscheinlich entstehen vielmehr neue Partnerschaften entlang der Wertkette, etwa zwischen KI-Teams für Signalinterpretation, Hardware-Spezialisten für implantierbare Systeme und Produktorganisationen, die UX-Konzepte für nicht-traditionelle Eingabekanäle entwickeln. Hodak setzt genau hier an: Seine These vom Ende der „Screen Era“ ist vor allem dann ernst zu nehmen, wenn aus dem biohybriden Ansatz ein verlässlicher Standard wird, der sich in reale Anwendungen überführen lässt.


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