ROM / LONDON (IT BOLTWISE) – Italien verzichtet 2027 weitgehend auf die Kfz-Steuer für Pkw unter 80 Kilowatt. Die Regelung gilt ebenso für Motorräder und Motorroller und soll rund 14,5 Millionen Fahrzeuge entlasten. Pro Haushalt kann jedoch nur ein Fahrzeug berücksichtigt werden. Hintergrund sind hohe Kraftstoffpreise und politische Spannung zwischen Regierung und Regionen, weil die Einnahmen eigentlich regional zustehen.

Italien reagiert mit einem klar umrissenen Steuerpaket auf die anhaltend hohen Belastungen durch Kraftstoffpreise: Für 2027 will die Regierung weitgehend auf die Kfz-Steuer verzichten. Beschlossen wurde das in Rom, betroffen sind Pkw mit einer Leistung von weniger als 80 Kilowatt, zudem sollen Motorräder und Motorroller erfasst sein. Nach offiziellen Angaben betrifft das insgesamt etwa 14,5 Millionen Fahrzeuge – eine Größenordnung, die nicht nur finanzpolitisch, sondern auch administrativ spürbar ist, weil der Staat die Steuerlogik an einer Leistungsgrenze neu ausrichtet.
Technisch betrachtet liegt der Knackpunkt in der Definition der Messbasis: Die Entscheidung orientiert sich an der Leistung in Kilowatt. Ein Auto mit 80 Kilowatt entspricht laut Einordnung typischerweise etwa 110 PS – wer darüber liegt, fällt nicht unter die Entlastung. Die Entlastung soll dabei automatisch für das Fahrzeug mit der geringsten Leistung gelten, was in der Praxis vor allem dann relevant wird, wenn Haushalte mehrere Fahrzeuge besitzen. Damit schafft die Regel zwar eine einfache Auswahlmöglichkeit, begrenzt aber gleichzeitig den Umfang des Effekts für Zweit- und Drittwagen.
Für die Zielgruppenpolitik ist die Formulierung ebenfalls entscheidend: Die Regierung begründet die Maßnahme vor allem mit finanzieller Entlastung für Familien. Gleichzeitig setzt sie klare Grenzen, um Mehrfachvorteile zu vermeiden: Jeder Besitzer kann nur ein einziges Fahrzeug geltend machen. Größere Autos sowie Zweit- oder Drittwagen sollen von der Regelung daher zunächst ausgenommen bleiben. Diese Konstruktion versucht, die Steuersenkung selektiv zu halten, während die breite Fahrzeugzahl zeigt, dass die Entlastung auch unabhängig vom individuellen Fahrprofil in vielen Haushalten ankommt.
Ökonomisch trifft die Maßnahme zudem auf eine zweite Ebene, die über die reine Haushaltsentlastung hinausgeht: In Italien stehen die Einnahmen aus der Kfz-Steuer eigentlich den Regionen zu. Wirtschaftsverbände beziffern die jährlichen Einnahmen auf mehr als sieben Milliarden Euro. Genau daraus folgt der Konflikt, den die Regierungsentscheidung erst auslöst: Die Regierung stellt zunächst rund 2,3 Milliarden Euro bereit, um Ausfälle im nächsten Jahr zu kompensieren – Regionen zeigen sich darüber nicht zufrieden. Damit wird die Frage, wie viel regionaler Spielraum nach dem Einnahmeverzicht verbleibt, zum politischen Stellhebel.
Der Beschluss ordnet sich zudem in eine Reihe von Steuerentlastungen ein, die in der aktuellen Regierungskoalition unter Führung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kommuniziert werden. Meloni hatte die Kfz-Steuer als eine der meistgehassten Steuern Italiens bezeichnet, was den populären politischen Kern der Maßnahme erklärt: Der Staat will ein Symbol der Alltagsbelastung abräumen. Von der linken Opposition kommen derweil Hinweise, dass im nächsten Jahr voraussichtlich ein neues Parlament gewählt wird – solche Zeitfenster erhöhen typischerweise den Druck, Vorhaben sichtbar umzusetzen, bevor sich Mehrheiten ändern.
Mit Blick auf den Markt passt die Entscheidung in das Gesamtbild steigender Betriebskosten. Auch in Italien sind die Spritpreise in den vergangenen Monaten stark gestiegen: Aktuell werden 2,13 Euro je Liter für Benzin und 2,24 Euro für Diesel genannt. Eine Kfz-Steuer, die an Fahrzeugklassen gekoppelt ist, wirkt dabei wie eine politische Gegenbewegung zur kurzfristigen Teuerung an der Zapfsäule. Für Autofahrer bedeutet das zwar kurzfristig weniger laufende Kosten im kommenden Jahr, zugleich verschiebt die Maßnahme aber die fiskalische Last zwischen Bund und Regionen – und damit den Verteilungskampf um Mittel für Infrastruktur, Mobilität und kommunale Budgets.
Unternehmen und Verwaltungen werden sich besonders für die praktische Umsetzung auf neue Abgrenzungen einstellen müssen. Entscheidend sind dabei nicht nur die Leistungsgrenze und die automatische Zuordnung zum geringstleistenden Fahrzeug, sondern auch die Frage, wie der Nachweis und die Zuordnung in der Verwaltungspraxis ablaufen. Für die nächsten Monate bleibt deshalb die Übergangsphase zentral: Sobald klar ist, wie die Kompensation an die Regionen umgesetzt wird und wie die Handhabung bei mehreren Fahrzeugen exakt dokumentiert wird, zeigt sich, ob die Entlastung beim Endkunden wie gedacht ankommt oder ob zusätzliche Hürden die Wirkung ausbremsen.
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