DENVER / LONDON (IT BOLTWISE) – Vier Menschen aus Colorado schaffen es dieses Jahr in die Forbes-400-Liste der reichsten Amerikaner, obwohl ein Teil der Top-Riege deutlich teurer geworden ist. Die Gesamtvermögen der Rangliste steigen von 6,6 Billionen US-Dollar auf 8 Billionen US-Dollar, getragen vor allem von Tech, Halbleitern und Künstlicher Intelligenz. Besonders sichtbar ist der Absturz von Charlie Ergen: Sein Vermögen fällt innerhalb weniger Jahre stark, weil EchoStar lange an einem nationalen Mobilfunknetz scheiterte. Gleichzeitig profitieren mehrere Colorado-Vermögensquellen indirekt von der neuen KI-Ökonomie, etwa über Nvidia-Anteile und den Wert von Entertainment-Assets.

Colorado hält trotz verschärfter Konkurrenz weiter vier Plätze in der Forbes-400-Rangliste der reichsten Amerikaner. Entscheidender Treiber ist weniger eine einzelne Branche als die Breite des Tech-Booms: Laut Forbes klettert das Gesamtvermögen der 400 Vermögendsten von 6,6 Billionen US-Dollar im Vorjahr auf 8 Billionen US-Dollar in der aktuellen Liste. Damit steigt die „Eintrittsschwelle“ spürbar – so stark, dass 590 US-Milliardäre es offenbar nicht mehr in die Rangliste schaffen. Für die Region heißt das: Wer Vermögen nicht über Tech-Wachstum oder Werttreiber mit hoher Kurswirkung aufgebaut hat, verliert schneller an relativer Position.
Unter den vier verbleibenden Colorado-Profilen steht Philip Anschutz mit geschätzten 19,3 Milliarden US-Dollar an der Spitze. Seine Karriere begann über Öl und Gas, führte dann aber zu einem eigenwilligen Hebel: Anschutz kaufte Schienenunternehmen, darunter die Denver & Rio Grande Western Railroad sowie Southern Pacific Railroad, und nutzte diese Infrastruktur, um im nächsten Schritt ein nationales Glasfaser-Netzwerk aufzubauen – über Qwest Communications. Genau dieser „Transport-as-a-platform“-Ansatz passt bemerkenswert gut zu heutigen KI-Ökosystemen, weil KI-Infrastruktur nicht nur Rechenleistung, sondern auch Bandbreite, Netzsicherheit und stabile Anbindung braucht. Dass Anschutz zusätzlich in Stadtzentren wertvolle Grundstücke sichern konnte, unterstreicht, wie stark Infrastrukturinvestitionen in den USA auch Immobilien- und Standortvorteile einfärben.
Bei Entertainment und Sport zeigt sich ein zweiter, heute besonders relevanter Werttreiber: Anschutz Entertainment besitzt laut Angaben mehr als 70 Arenen und Konzert-Standorte weltweit, darunter die Crypto.com Arena in Los Angeles. Dazu kommen strategische Beteiligungen an Sportligen – unter anderem als Mitgründer der Major League Soccer sowie mit bedeutenden Stakes bei den LA Galaxy und den LA Kings. Die Nachricht ist damit weniger „nur“ biografisch, sondern marktlogisch: Der Vermögensanstieg beruht auf einer Neubewertung von Medien- und Sport-Assets, die in der Vergangenheit häufig zyklisch waren. Für die Forbes-400-Wirkung ist das entscheidend, weil Plattform- und Rechtewerte oft mit Konjunktur und Kapitalverfügbarkeit schwanken, während Tech-Wachstum gleichzeitig neue Liquidität in Risikoprofile drückt.
Die markanteste Delle bei den Colorado-Vermögenden liefert Charlie Ergen. Ergen, Gründer und Vorsitzender von EchoStar, bewegte sich laut Forbes dieses Jahrzehnt auf einer extremen Kurve: 2017 wurden 18,3 Milliarden US-Dollar veranschlagt, 2024 hingegen nur noch 1,4 Milliarden US-Dollar – ein Rückgang von 92%. Der Grund hängt direkt mit dem kostenintensiven Aufbau eines eigenen nationalen Mobilfunknetzes zusammen: EchoStar habe nach Angaben des Berichts „von Grund auf“ ein zellulares Netzwerk errichten müssen, in einer Phase, in der regulatorische und kapazitive Fragen früh Druck erzeugten. Dabei erhoben Bundesregulierer laut den Vorwürfen, EchoStar habe wertvolle Funkkapazität „abgesessen“, bevor das Netz rechtzeitig in der Praxis Leistung lieferte. Dass AT& T und auch SpaceX große Teile dieses Spektrums übernommen haben, stützt anschließend zumindest die EchoStar-Börsenstory; SpaceX leistete dabei nach Bericht auch anteilige Zahlungen in eigenen Aktien.
Technisch und wirtschaftlich spannend ist zudem, wie eng sich hier die KI-Ära mit Telekommunikation überlagert. Ein Smartphone-Netz ist zwar keine KI-Anwendung selbst, aber es ist die Transportebene, auf der KI-Services mit niedriger Latenz und hoher Zuverlässigkeit ankommen müssen – etwa für Streaming, Voice, App-Dienste oder verteilte Echtzeit-Funktionen. Ergen steigt in der aktuellen Rangliste zwar nicht mehr über die alte Breite ein, bleibt aber mit 12,8 Milliarden US-Dollar auf dem 101. Platz. Gleichzeitig wird im Bericht die Verbindung zu SpaceX über den Zeitpunkt der Vermögensentwicklung betont: Ergen profitiert indirekt von der Marktphase, in der die Bewertung rund um den privaten Raumfahrt- und Technologietitel kurzfristig sehr hoch war. In einer KI-getriebenen Kapitalmarktphase wirkt so selbst ein Fernziel wie „Startplatz“ auf die kurzfristige Liquidität zurück.
Für weitere Colorado-Platzierungen sorgt auch die „klassische“ Venture- und Halbleiter-Wertschöpfung. Mark Stevens belegt den Angaben zufolge dritten Rang in Colorado und den 120. Platz insgesamt – mit 11,8 Milliarden US-Dollar. Sein Vermögen stammt großteils aus seiner Rolle als Partner bei Sequoia Capital, einem frühen Investor in Tech-„Hits“ wie Google, PayPal und LinkedIn. Besonders interessant: Stevens verlagert seinen Lebensmittelpunkt in den Raum Steamboat Springs und betreibt dort über S-Cube Capital, das laut Bericht früh in einen Grafikchip-Hersteller investierte, der zu den großen Nutznießern des KI-Booms zählt. Dass sein Vermögen seit 2023 um 228% steigt, wird im Bericht vor allem mit Nvidia-Anteilen erklärt. Gerade bei KI-Workloads gilt: Wenn Training und Inference in der Breite anhalten, profitieren nicht nur die Software-Teams, sondern auch die Hardware- und Plattformlieferanten sowie deren frühen Investoren.
Den vierten Platz in Colorado belegt John Malone mit 11,4 Milliarden US-Dollar auf Rang 134. Malone ist vor allem als Kabel- und Medieninvestor bekannt, gleichzeitig aber auch als jemand, der Beteiligungen technisch-finanziell umstrukturieren kann – also dort, wo Macht über Cashflows entsteht. Laut Bericht ist Liberty Broadband mit 25% an Charter Communications inzwischen durch Charter abgelöst worden (Zeitpunkt: 20. August). Daneben fließt Vermögen in Land und Naturschutz, womit Malone zudem zu den großen privaten Landbesitzern in den USA zählt. Dass solche Investments in einer Forbes-400-Kulisse stabil wirken können, zeigt: Auch wenn KI die Schlagzeilen dominiert, bleiben reale Assets und Rechtewerte ein zweiter Hebel. Unternehmen sollten daraus vor allem eine operative Schlussfolgerung ziehen: Wer KI-Projekte nur als Software begreift, unterschätzt häufig die Abhängigkeit von Netzen, Recheninfrastruktur und den Kapitalmechanismen, über die Vermögen in die nächste Wachstumsphase umgeschichtet wird.
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