LONDON (IT BOLTWISE) – Vor einer möglichen Fed-Zinserhöhung von 25 Basispunkten zeigen XRP und Ethereum unterschiedliche Schwächegrade. XRP rutschte zuletzt um 9,4 % ab, während Ethereum um 2,9 % nachgab. Die Kursentwicklung wird dabei von laut On-Chain-Daten feststellbarem Verkaufs- bzw. Umverteilungsdruck bei XRP begleitet. Damit verschiebt sich für Anleger kurzfristig das Downside-Risiko zugunsten von Ethereum, sofern sich die Reaktion ähnlich wie in früheren Fed-Erhöhungsphasen fortsetzt.

XRP oder Ethereum: Welche Coins bei einer Fed-Erhöhung stärker fallen könnten
XRP oder Ethereum: Welche Coins bei einer Fed-Erhöhung stärker fallen könnten (Foto: IT BOLTWISE)
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Vor dem nächsten Zinsentscheid der US-Notenbank rückt eine alte Frage wieder in den Fokus: Wie stark reagieren Kryptoassets auf höhere Finanzierungskosten, und welche der großen Marktsegmente wirkt in solchen Phasen empfindlicher? Im aktuellen Setup steht XRP mit einem Tagesrückgang von 9,4 % deutlich unter Druck, während Ethereum „nur“ um 2,9 % nachgibt. Das klingt zunächst nach einem üblichen Schwankungsunterschied, ist aber vor allem deshalb relevant, weil beide Coins bereits über drei Wochen unter Belastung standen und XRP in dieser Zeit schneller abgerutscht ist als Ethereum.

Konkreter wird es beim Blick auf den Zeitraum, der den Markt in Erwartung der Fed-Entscheidung geprägt hat: XRP verlor über die drei Wochen vor dem heutigen Entscheid rund 25 %, von 1,70 auf 1,28 US-Dollar, während sich Ethereum von etwa 2.550 auf rund 2.400 US-Dollar bewegte – entsprechend knapp 6 % Minus. Die Quelle verknüpft das mit steigenden Wahrscheinlichkeiten für eine Zinserhöhung: In der Spitze stiegen die Erwartungen von knapp 70 % auf über 90 %. Für die Bewertung der nächsten Reaktion ist genau diese „Vorphase“ wichtig, denn sie entscheidet darüber, ob die Mehrheit der Belastung bereits eingepreist ist oder ob noch Positionsabbau folgt, sobald die Fed tatsächlich erhöht.

Technisch und mikrostrukturell betrachtet liefern On-Chain-Indikatoren hier eine zusätzliche Ebene, weil sie zwischen Preisbewegung und tatsächlichem Netto-Flow unterscheiden. Für XRP nennt die Meldung in den letzten sieben Tagen rund 90 Millionen XRP, die laut On-Chain-Daten von Walen entweder verkauft oder umverteilt wurden. Parallel dazu sinken die täglichen aktiven Adressen (Daily Active Addresses) deutlich: von etwa 388.000 auf rund 38.000. Dieser Mix ist in der Praxis häufig ein Hinweis auf sinkende Nutzeraktivität und/oder eine Verschiebung von Coins in Strukturen, die nicht sofort wieder im Handel auftauchen. Auch wenn daraus keine exakte Kursformel folgt, steigt damit die Wahrscheinlichkeit, dass ein weiterer Makro-Trigger wie eine Fed-Erhöhung nicht nur „Marktstimmung“ trifft, sondern zusätzlich durch bereits existierenden Verkaufsdruck verstärkt wird.

Bei Ethereum zeichnet sich dagegen ein anderes Muster ab: Die Meldung beschreibt, dass Käufer auf der Netzwerkebene in der vergangenen Woche weiterhin schneller waren als Verkäufer, selbst nachdem der Kurs gefallen ist. Das bedeutet nicht automatisch, dass Ethereum weniger anfällig für eine Zinserhöhung wäre, aber es verschiebt die Interpretation des Preisrückgangs: Wenn der Drop stärker aus allgemeiner Vorsicht im breiteren Markt entsteht, statt aus zusätzlichem direkten Abverkauf, kann die folgende Reaktion nach dem Entscheid in der Regel weniger asymmetrisch ausfallen. Gerade in Phasen, in denen Investoren verstärkt in US-Staatsanleihen und deren Renditen umschichten, wird Krypto oft als Risikoallokation behandelt – nicht als „spezifisches“ Asset-Problem. Genau an dieser Stelle ist der historische Vergleich zentral.

Die Quelle stellt als letzten relevanten Referenzzeitraum den Zinserhöhungszyklus der Fed von März 2022 bis Juli 2023 heraus. In dieser Phase fielen sowohl XRP als auch Ethereum deutlich, während der gesamte Risk-Asset-Komplex unter Druck geriet. Der Mechanismus, den die Meldung dafür liefert, ist klassisch: Investoren verlagerten sich in Richtung von Treasury Yields, bei denen das Halten von Krypto nicht mehr durch das Bedürfnis kompensiert wurde, über hohe Volatilität hinweg potenziell höhere Renditen zu erzielen. Dass seitdem keine Zinserhöhung mehr auf dieses direkte Testmuster traf, macht die heutige Entscheidung für die Marktteilnehmer zu einem „klareren Stresstest“ als frühere, stärker verwischte Vergleichszeiträume.

Damit stellt sich für Anleger vor allem die Frage, ob XRP „mehr Luft nach unten“ hat, weil der Markt bereits unter Verkaufsdruck steht, während Ethereum zwar ebenfalls nachgibt, aber eher durch allgemeine Vorsicht gebremst wird. Die Meldung argumentiert genau in diese Richtung: XRP startet den Entscheid mit höherem Verkaufsdruck auf Preis- und On-Chain-Ebene, wodurch das Downside-Risiko bei einer Erhöhung größer sein könnte als bei Ethereum. Für den Markt heißt das nicht, dass Ethereum immun wäre; vielmehr ist das Erwartungsprofil in solchen Phasen oft weniger um Randbedingungen „Asset-spezifisch“ zentriert, sondern stärker am Zusammenspiel aus Liquidität, Risikoappetit und Rebalancing entlang der Zinskurve.

Für Unternehmen, die Krypto in Treasury- oder Produktumfelder einordnen, ist die praktische Konsequenz vor allem operativ: Sie sollten in solchen Event-Phasen nicht nur den Kursverlauf beobachten, sondern auch die Zeichen für Aktivitätsrückgang und Netzwerk-Flow. Wenn bei einem Asset wie XRP die täglich aktiven Adressen stark einbrechen und gleichzeitig große Adressen bewegen, kann das die Liquidität im Handel kurzfristig beeinflussen. Umgekehrt kann ein Muster wie bei Ethereum – fallender Preis bei dennoch positiven Netto-Flows auf Netzwerkebene – darauf hindeuten, dass sich der Markt eher über Makro-Narrative als über hartes Abwickeln einzelner Positionen bewegt. Genau diese Differenz entscheidet häufig darüber, wie schnell sich die Spreads oder die Volatilität nach der Fed-Entscheidung neu sortieren.


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