PARIS / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Staats- und Regierungschefs von Libanon, Frankreich und Jordan kommen am Donnerstag in Paris zusammen, um Unterstützung für die angeschlagene libanesische Armee zu organisieren. Der Termin soll die Grundlage für eine internationale Geberkonferenz schaffen, nachdem ein geplanter Start im Februar verschoben wurde. Im Fokus stehen zudem die Lage im Süden des Libanon sowie die Frage, wie eine internationale Präsenz aussehen soll, wenn das UNIFIL-Mandat Ende des Jahres ausläuft. Präsident Joseph Aoun kündigt an, dass das Treffen auch die Umsetzung des festgefahrenen Rahmenabkommens mit Israel adressieren soll.

Ein Termin in Paris wirkt in der aktuellen Gemengelage fast wie ein Zeitstempel: Am Donnerstag treffen die Staatschefs von Libanon, Frankreich und Jordan zusammen, um die Unterstützung für die „cash-strapped“ libanesische Armee zu bündeln. Der Anlass ist ausdrücklich eine Geberkonferenz, deren Rolle bereits im Februar geplant war und nun nach hinten rutschte. Der Grund liegt laut Hintergrundbericht weniger in reinen Haushaltsdebatten, sondern in der Dynamik der regionalen Konflikte – die Zeitachse wurde nach dem Wiederaufflammen eines Kriegs im Iran-Kontext und nach der jüngsten Eskalationsrunde zwischen Israel und der schlagkräftigen Ordnungsmacht im Süden, der Hezbollah, verschoben.
Technisch-praktisch entscheidet sich an solchen Konferenzen häufig weniger über Schlagzeilen als über belastbare Betriebsfähigkeit: Die libanesische Armee sitzt „zwischen den Fronten“, weil Israel weite Teile des südlichen Gebiets besetzt und die Hezbollah ihre Waffen nicht aufgeben will. Damit wird die militärische Handlungsfähigkeit nicht nur durch Geldmangel ausgebremst, sondern auch durch das Risiko, dass eine mögliche direkte Konfrontation zwischen staatlichen Kräften und einer nichtstaatlichen bewaffneten Gruppe eskaliert. Libanesische Stellen sollen deshalb davor zurückschrecken, ein Szenario zu forcieren, das in den eigenen Reihen als Spiralgefahr bis hin zu einem Bürgerkrieg verstanden wird.
In den politischen Eckpunkten zeichnet sich zugleich ein konkreter, aber offenbar blockierter Pfad ab: Im Juni hatten die libanesische und die israelische Seite ein Rahmenabkommen angekündigt. Darin ist vorgesehen, dass Israel schrittweise aus dem Süden abzieht und die libanesische Armee die Kontrolle übernimmt, während die Hezbollah disarmiert werden soll. Genau hier setzt die Hürde des Treffens in Paris an: Die Umsetzung gilt als ins Stocken geraten. Für die betroffenen Sicherheits- und Planungsressorts heißt das, dass selbst bei gutwilliger Finanzierung nicht sofort das gleiche Maß an Kontrolle und Einsatzbereitschaft verfügbar ist, weil der politische Unterbau und der Sicherheitsstatus vor Ort nicht stabil genug sind.
Parallel dazu verlagert sich ein weiterer Schwerpunkt auf die internationale Dimension. Präsident Joseph Aouns Büro kündigt an, dass das Pariser Treffen die Vorbereitung einer Geberkonferenz begleiten soll, aber auch die Lage im Süden sowie Pläne für eine internationale Präsenz adressiert – konkret für den Zeitraum, in dem das UNIFIL-Mandat zum Ende des Jahres ausläuft. Für Organisationen, die Truppenlogistik, Lagebildkommunikation und Ausbildung unterstützen, ist das mehr als Symbolpolitik: Wenn ein Mandat ausläuft, müssen Beschaffungszyklen, Kommunikations- und Unterstützungsprozesse neu verhandelt werden. Das gilt auch dann, wenn die Region bereits mit modernen Kommunikations- und Aufklärungssystemen arbeitet; ohne gesicherte Finanzierung und Mandatsklarheit bleiben die Schnittstellen zur zivilen wie militärischen Infrastruktur oft in einer Übergangsphase.
Der finanzielle Engpass ist dabei kein kurzfristiges Problem, sondern ein strukturelles Muster. Über Jahre war die Armee stark von internationalen Spenden abhängig, darunter aus den USA, dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Italien. Saudi-Arabien hatte 2013 zunächst 3 Milliarden US-Dollar für die Unterstützung der libanesischen Streitkräfte mit französischen Waffen vorgesehen, später jedoch die Hilfe 2016 gestoppt – unter anderem, nachdem die Hezbollah politisch an Einfluss gewonnen hatte und die Beziehungen des libanesischen Staates zum Königreich abgekühlt waren. Seit der fiskalischen Krise ab Ende 2019 verließen zudem viele Soldaten das Militär oder gingen Nebentätigkeiten nach, weil der Staat zeitweise nicht mehr die früher üblichen Gehälter und Leistungen bereitstellen konnte; gleichzeitig „frieren“ die Banken Ersparnisse von Millionen ein. In so einem Umfeld wird selbst die Modernisierung der Ausrüstung zu einem laufenden Betriebsthema: Wartung, Ersatzteile, Ausbildung und digitale Einsatzvorbereitung konkurrieren mit akuter Liquidität.
Dass Libanon nach eigenen Angaben und nach Kritik aus den USA und von Israel keinen direkten militärischen Druck ausübte, um die bewaffnete Gruppe zum Disarmament zu bewegen, erhöht den politischen Druck zusätzlich. Aus Sicht der Sicherheitsplanung verschiebt sich damit der Fokus: Nicht nur „mehr Soldaten“ oder „mehr Technik“ sind gefragt, sondern ein Einsatz- und Ausbildungsmodell, das in einem gesellschaftlich sensiblen Umfeld funktioniert. Für Entscheider bedeutet das auch, dass zukünftige KI-gestützte Ansätze für Logistik, Instandhaltung und Lagebildanalyse zwar perspektivisch interessant sein können, jedoch nur dann in die Praxis überführt werden, wenn Finanzierung, Mandate und der politische Sicherheitsrahmen verlässlich sind. Genau diese Kopplung aus Geld, Mandat und Umsetzung macht das Pariser Treffen für die nächsten Schritte so entscheidend – denn ohne Bewegung im Rahmenabkommen bleibt auch die Geberlogik eine Herausforderung, während die Unsicherheit im Süden weiter wirkt.
Die nächsten Wochen dürften zeigen, ob die internationale Unterstützung diesmal stärker an umsetzungsfähige Bedingungen gebunden wird. Wenn die Geberkonferenz vorbereitet wird, rückt damit auch die Frage näher, welche Mindeststandards der Armee kurzfristig verfügbar gemacht werden können – und welche Investitionen erst nach einer stabilen Übergangsphase in Betrieb gehen. Bis dahin bleibt das Risiko bestehen, dass die Kombination aus Unterfinanzierung, konfliktnaher Lage und blockierter Disarmament-Agenda den Spielraum des Staates einengt. Für die Region ist das Ergebnis damit weniger eine Frage der Rhetorik als der operativen Fähigkeit, den Sicherheitswechsel im Süden in planbaren Bahnen zu unterstützen.
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