LONDON (IT BOLTWISE) – Das niederländische KI-Startup Euclyd hat in einer Series-A-Runde insgesamt gut 230 Millionen US-Dollar eingesammelt, an der auch Samsung beteiligt war. Der Fokus liegt auf Hardware für die KI-Inferenz, also auf das Ausführen bereits trainierter Modelle. Euclyd setzt dabei auf eine eigene Prozessor- und Speicherarchitektur statt auf klassische GPUs. Ob das Versprechen geringerer Energie- und Betriebskosten in großen Rechenzentren gelingt, wird sich erst mit dem geplanten Markteintritt ab 2028 zeigen.

Samsung finanziert Euclyd: Europa baut Alternativen zu NVIDIA für KI-Inferenz
Samsung finanziert Euclyd: Europa baut Alternativen zu NVIDIA für KI-Inferenz (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Nachricht hat weniger mit zusätzlichem Venture Capital zu tun als mit einer potenziellen Verschiebung im KI-Rechenzentrums-Stack: Das niederländische Startup Euclyd will mit eigener Hardware für die KI-Inferenz eine Alternative zu den in vielen Systemen dominierenden GPU-basierten Beschleunigern aufbauen. In der aktuell kommunizierten Series-A-Runde flossen laut Unternehmensangaben insgesamt gut 230 Millionen US-Dollar zusammen (rund 200 Millionen Euro). Ganz vorn bei den Geldgebern war Samsung, was die Entwicklung für die nächsten Jahre nicht nur finanziell, sondern auch strategisch interessant macht.

Euclyd wurde erst 2024 gegründet und positioniert sich explizit im Inferenz-Teil des Lebenszyklus: Trainierte KI-Modelle müssen in der Produktion anschließend nur noch ausgeführt werden, und genau dort entstehen häufig wiederkehrende Kosten. Das Startup beschreibt seine Lösung als Hardware, die speziell auf diese Phase ausgelegt ist. Statt auf klassische Grafikprozessoren zu setzen, wie sie in KI-Rechenzentren heute verbreitet sind, verfolgt Euclyd eine eigene Prozessor- und Speicherarchitektur. Damit verlagert sich der Wettbewerb nicht nur auf die rohe Rechenleistung, sondern auf das Zusammenspiel aus Recheneinheiten, Speicherzugriffen und Datenbewegung – Faktoren, die in der Praxis oft darüber entscheiden, wie stark sich Energieverbrauch und Durchsatz in Produktionsumgebungen tatsächlich optimieren lassen.

Technisch adressiert Euclyd dabei ein zentrales Problem großer KI-Setups: Selbst wenn ein Modell in der Trainingsphase einmal steht, wird die Inferenz danach in sehr vielen Anfragen wiederholt, und jede Anfrage erzeugt eine Last auf dem Hardwareverbund. Der Hersteller behauptet, seine Architektur könne sowohl den Energieverbrauch als auch die Betriebskosten der KI-Infrastruktur massiv reduzieren. Gleichzeitig bleibt ein wichtiger Teil der Bewertung offen, denn die Technologie befindet sich laut Angaben noch in einer frühen Phase und wurde bislang nicht in kommerziellem Maßstab eingesetzt. Genau hier trennt sich der Anspruch von der Betriebstechnik: In großen Rechenzentren zählen neben dem theoretischen Effizienzvorteil auch Stabilität, Ausbeute, Ersatzteilversorgung, Netzanbindung und die Fähigkeit, unterschiedliche Inferenz-Workloads zuverlässig zu bedienen.

Im Marktumfeld trifft Euclyd auf ein technologisches Schwergewicht: NVIDIAs GPUs sind nach wie vor die technische Grundlage vieler großer KI-Systeme. Diese Dominanz wird derzeit durch den generellen Trend zu alternativen Beschleunigern herausgefordert – nicht zuletzt, weil die Kosten für KI-Infrastruktur über mehrere Jahre hinweg schnell zu einem Engpass werden können. Deshalb entwickeln neben spezialisierten Startups auch große Technologiekonzerne eigene Chips oder Chiparchitekturen für KI-Anwendungen. Euclyd geht dabei zweigleisig vor: Zum einen will das Unternehmen komplette Hardware- und Rack-Systeme liefern, die Unternehmenskunden in ihren Rechenzentren für KI-Inferenz nutzen können. Zum anderen soll die Chiptechnik lizenziert werden, sodass andere Anbieter eigene Prozessoren auf Basis der Architektur entwickeln könnten, ohne das gesamte Design von Grund auf neu aufrollen zu müssen.

Die Beteiligung Samsungs könnte in diesem Modell über die reine Finanzierung hinaus Wirkung entfalten. Der südkoreanische Konzern gehört zu den größten Speicherherstellern weltweit und bringt damit Erfahrung in Halbleiterfertigung, Systemtechnik und globalen Lieferketten mit. Für Euclyd ist das mehr als eine Prestige-Komponente, denn gerade bei Inferenz-Hardware entscheidet das Zusammenspiel von Speicher und Rechenlogik über Effizienz und Latenz. Zudem ist bei einem System, das bislang nicht in großen Stückzahlen produziert wurde, die Frage nach Fertigungsfähigkeit und Skalierung nicht zweitrangig: Wer die ersten Kunden gewinnen will, muss die Lieferkette so weit stabilisieren, dass aus Prototypen planbare Lieferungen werden.

Bis aus dem Ansatz ein echter Wettbewerber im Sinne marktdurchdringender Beschleuniger wird, dürfte jedoch Zeit vergehen. Euclyd plant, seine ersten physischen Chipsysteme ab 2028 auszuliefern. Bis 2030 will das Unternehmen nach eigenen Angaben mehrere Tausend Unternehmenskunden erreichen. Für Entscheider in Unternehmen bedeutet das: Die Entwicklung steckt noch nicht in einer Phase, in der man pauschal auf „einen neuen Standard“ setzen kann. Gleichzeitig lohnt sich eine Beobachtung, weil sich der Wettbewerb im KI-Inferenzbereich – anders als im reinen Trainingswettlauf – stärker um Effizienz pro Watt und Kosten pro Anfrage drehen dürfte. Wenn Euclyd die behaupteten Vorteile später in realen Rechenzentrumsbetrieben nachweisen kann, könnte Samsung als Industriepartner außerdem dabei helfen, die Lücke zwischen Architektur und großvolumiger Systemproduktion früher zu schließen.


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