NEW YORK / LONDON (IT BOLTWISE) – Scheinkäufer binden im New Yorker Immobilienmarkt immer wieder Zeit, obwohl sie selten zu Besichtigungen oder Abschlüssen führen. Der Makler Mike Fabbri beschreibt, warum Profis solche Anfragen trotzdem ernst nehmen müssen. Sein Vorgehen kombiniert Prüfung von Finanzierungsnachweisen, klare Kommunikation und einen respektvollen Umgang – ohne die eigenen Kundeninteressen zu gefährden. Gleichzeitig zeigt er zwei Fälle, in denen aus einem scheinbar unseriösen Lead doch ein bedeutendes Geschäft werden konnte.

Im New Yorker Immobilienmarkt wirken manche Anfragen auf den ersten Blick wie typische Scheinkäufe: Sie passen nicht zu der Lage oder zum Budget, liefern widersprüchliche Details und bleiben in der Kommunikation auffällig vage. Für Makler ist das frustrierend, weil jeder zusätzliche Kontakt eine konkrete Kostenstelle ist – Zeit im Alltag, Koordination mit Verkäufern, Terminfenster für Besichtigungen und nicht zuletzt die Aufmerksamkeit, die eigentlich für ernsthafte Interessenten gedacht ist. Doch Mike Fabbri macht deutlich, dass der schnelle Reflex „das ignorieren wir“ rechtlich und prozessual riskant sein kann: Wer Kund: innen oder Leads nicht aus guten Gründen behandelt, kann den Fair Housing Act und interne Vorgaben der Maklerunternehmen berühren – selbst dann, wenn der Bauch sagt, dass die Anfrage unseriös ist.
Technisch betrachtet ist die Herausforderung weniger „ein schlechtes Gefühl“, sondern ein operatives Regelwerk: Jede Anfrage landet in einer Pipeline, und diese Pipeline muss diskriminierungsfrei funktionieren. Fabbri nennt deshalb persönliche Grundregeln, die sich in der Praxis wie ein kleines Kontrollsystem anfühlen. Dazu zählt ein echtes Gespräch vor jeder Besichtigung, also nicht nur das Abhaken eines Formularfelds. Außerdem gehört die Überprüfung von Finanzierungsnachweisen dazu, bevor Zeitfenster gebucht werden. Daneben setzt er auf konsistente Kommunikation mit Verkäufern und Listungsagenten, damit aus einem Lead nicht automatisch ein Chaos in der Koordination entsteht.
Der Kern bleibt dabei menschlich: Fabbri betont, jede Nachricht zu beantworten und Menschen mit Freundlichkeit und Respekt zu begegnen. Das klingt zwar nach Soft Skill, ist aber im Immobilienalltag ein harter Faktor, weil es die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass echte Interessenten nicht abspringen – und weil Scheinkäufer trotz allem unterschiedlich auftreten. Ein konkretes Beispiel aus seinem Bericht macht das Muster greifbar: Bei einer Studiowohnung im Umfeld von Greenwich Village meldete sich ein Interessent mit einer E-Mail-Adresse, die äußerlich unseriös wirkte, und verlangte gleichzeitig Eigenschaften wie Pool, Garage und ein Badezimmer in anderen Stadtbereichen wie dem Upper East Side, SoHo oder Long Island. Solche Ungereimtheiten liefern klare Indikatoren, dennoch ist die saubere Antwortstrategie wichtig, damit aus „Verdacht“ kein falsches Ausschlussverfahren wird.
Gleichzeitig zeigt Fabbri, warum man Scheinkäufer nicht als monolithische Kategorie betrachten sollte. Selbst wenn der Großteil solcher Kontakte fruchtlos bleibt, gibt es seltene Ausnahmen, in denen ein vermeintlich unseriöser Lead in ein echtes Geschäft mündet. Während der COVID-Pandemie arbeitete er laut Bericht acht Monate mit einem Käufer zusammen, dessen Kriterien sich fortlaufend änderten und der unter dem Namen „Loro Divine“ auftrat. Trotz Finanzierungsnachweisen und ausführlicher Korrespondenz kam es zu keinem persönlichen Treffen, weil Termine wiederholt mit dramatischen Entschuldigungen abgesagt wurden. Genau dieses „unvorhersehbare Verhalten“ ist für Profis im Markt so lehrreich: Ein Lead kann über Monate aktiv sein, ohne Planfestigkeit zu liefern, und trotzdem die Chance bergen, dass sich aus ihm später mehr ergibt.
Noch deutlicher wird die Ambivalenz in Fabbri-Erfahrung mit einer Anfrage, die alle Signale eines Scheinkäufers trug: unplausible Kriterien, seltsame Verfügbarkeitsmuster und inkonsistente Kommunikation unter dem Decknamen „Joe Smith“. Hinzu kam, dass das Objekt – ein luxuriöses Tribeca-Penthouse mit 12-Fuß-Decken und einem Innenraum, der zu einem in Architectural Digest vorgestellten Architekten passte – zwar attraktiv genug war, um Aufmerksamkeit zu rechtfertigen, aber nicht so „einfach“ wie ein Standardangebot. Fabbri fuhr deshalb eine vorsichtige Linie: Die intelligenten Fragen zur Sicherheit und Privatsphäre weckten sein Interesse, gleichzeitig blieb er skeptisch und ging erst nach einem wichtigen Abgleich weiter. Als ein nächtlicher Anruf aus Los Angeles kam und er eine bekannte Stimme erkannte, bestätigte sich seine Vermutung in die andere Richtung: „Joe Smith“ stand nicht für eine Dublette, sondern für eine weibliche, sehr prominente Persönlichkeit.
Damit verschiebt sich auch die ökonomische Logik des Themas. Aus dem anfänglichen „Vertrauen gegen Verdacht“ wurde am Ende ein formalisierter Prozess über eine umfassende Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA) und schließlich Besichtigungen von vier Wohnungen. Die prominente Klientin erklärte laut Bericht, durch „David“ vermittelt worden zu sein, wobei die Identität dieser Person bis heute unklar blieb. Für die Praxis liefert das mehrere Erkenntnisse: Erstens kann selbst ein Lead mit Decknamen und auffälliger Kommunikation in Wahrheit hochprofessionell organisiert sein. Zweitens ist es sinnvoll, Entscheidungen über den nächsten Schritt (z. B. Besichtigungen) an überprüfbare Kriterien zu koppeln, etwa an Finanzierungsnachweise, statt ausschließlich an formale Fehler in der Kommunikation. Drittens erinnert Fabbri daran, dass man im Markt manchmal schlicht nicht weiß, wer hinter dem Kontakt steckt – und dass man in solchen Situationen die eigene Lizenz, die geistige Gesundheit und vor allem die Interessen der Kund: innen schützen muss, ohne den höflichen Umgang aufzugeben.
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